Ein Hauch von 2012

Ein Hauch von 2012

In Berlin wird es niemals langweilig und bei Hertha BSC dieser Tage sowieso nicht. Ein Kracher folgt auf den nächsten, der Verein scheint keine Chance zu haben, zur Ruhe zu kommen. Und selbständig scheint man dazu auch nicht mehr in der Lage zu sein. Nachdem am Sonntagvormittag Tayfun Korkut entlassen wurde und damit nur folgerichtig auf die letzten Entwicklungen reagiert wurde, schepperte es an der Hans-Braun-Straße direkt ein weiteres Mal. Mit Felix Magath wurde ein sehr prominenter Nachfolger verpflichtet. Ein Kommentar.

Parallelen zur Vergangenheit

Einen Trainer ohne sportliche Not entlassen, einen erfolglosen verpflichtet, fünf Niederlagen in Folge, eine Trainerentlassung, ein prominenter Nachfolger und am Ende steigt man ab. Genau so sah die Reihenfolge in der Saison 2011/2012 in Berlin aus. Und zumindest die ersten fünf Punkte haben sich nun bei Hertha BSC zehn Jahre später wiederholt. Es ist erschreckend und gleichzeitig faszinierend, wie sich gewisse Gesetzmäßigkeiten im Fußball und in der Bundesliga niemals zu ändern scheinen.

Erinnern wir uns an die Situation im Winter 2011/2012. Die Hertha war als Aufsteiger zurück in der Bundesliga und befand sich nach der Hinrunde auf einem akzeptablen 11. Platz. Doch die damals handelnden Personen um Michael Preetz und wohl weiteren Hertha-Funktionären überwarfen sich mit dem Aufstiegstrainer Markus Babbel und eine sportlich nicht zu rechtfertigende Entlassung war perfekt. Michael Skibbe sollte folgen und avancierte zum erfolglosesten Hertha-Trainer aller Zeiten. Nach vier Niederlagen in der Bundesliga und einer weiteren im Pokal durfte er nach wenigen Wochen wieder die Koffer packen. Otto Rehhagel folgte, brachte einen gewissen Glamour in die Hauptstadt und unterhielt insbesondere die Journalist*Innen auf den Pressekonferenzen mit seinem Humor.

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(Photo credit should read CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Der sportliche Erfolg war überschaubar, am Ende stieg die Mannschaft nach einem legendären Relegationsdrama gegen Fortuna Düsseldorf ab. Zehn Jahre später lassen sich die Namen Babbel, Skibbe, Rehhagel und Preetz hervorragend durch Dardai, Korkut, Magath und Bobic ersetzen. Natürlich ist die Mannschaft noch nicht abgestiegen und immerhin kann man Korkut noch zusprechen, dass er vor seinen fünf Niederlagen in Folge, auf die seine Entlassung folgte, noch ein paar Punkte sammelte. Im Pokal schied allerdings auch er aus.

Das Hertha-Drama der letzten Wochen und Monate

Die Nachrichten, die sich nahezu im Stundentakt bei der Hertha überschlagen, sorgen für eine gewisse Schnelllebigkeit und lassen kaum zu, sich mit gewissen Themen noch einmal eingehend zu beschäftigen. Tayfun Korkut wird sehr wahrscheinlich keine Gemeinsamkeiten mehr mit Hertha BSC haben in der Zukunft und trotzdem ist er allgegenwertig. Auch wenn er nicht mehr in der Verantwortung steht.

Als ich Ende November 2021 ein Kommentar zum Einstieg von Tayfun Korkut verfasst habe, erwähnte ich, dass die Spieler eine Mannschaft seien und lediglich Orientierung benötigen. Außerdem, dass Tayfun Korkut die Chance hat, aus der Schublade des chronisch erfolglosen Trainers zu steigen. Einige Wochen später muss man konstatieren, dass die Mannschaft, die damals möglicherweise tatsächlich noch ein Team war, mittlerweile keins mehr ist. Und das liegt auch oder vielleicht sogar vor allem an Korkut. Aber nacheinander, es gibt einige Stellen, die Korkut brennend hinterlassen hat.

Personal und Teamhierarchie

Korkut hatte mit seinen Personalentscheidungen im großen Stil Leistungsträger, wie Marco Richter und Suat Serdar und zuletzt sogar den durchaus zu Recht in der Kritik stehenden Torhüter Alexander Schwolow abgesägt, nachhaltig frustriert und verunsichert. Ob Niklas Stark oder Dedryck Boyata Kapitän waren, war eigentlich vollkommen uninteressant, nach außen hin wurde nie einer der beiden von Korkut dahingehend unterstützt oder gar gestärkt.

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(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Spieler, die Leistungen gezeigt haben, wie Maximilian Mittelstädt, mussten wie gegen Gladbach plötzlich um Einsätze bangen. Selbiges bei Ishak Belfodil eine Woche zuvor gegen Frankfurt. Die einzige Konstante war mangels Alternativen Peter Pekarik, der nahezu konkurrenzlos die rechte Seite beackerte, aber mittlerweile Bundesliganiveau stark vermissen lässt. Wer weiß, ob er als einziger Deutscher Meister im Kader unter seinem ehemaligen Förderer und Meistertrainer aus Wolfsburger Tagen einen zweiten (oder eher zehnten) Frühling feiern kann.

Die Taktik

Korkut begann die ersten Spiele mit dem wohl einfachsten System, einem 4-4-2, respektive 4-2-2-2. Bis Weihnachten lohnte sich dieses System, bis auf einer deutlichen 0:4-Klatsche in Mainz sogar. Das fehlende Offensivspiel wurde endlich angekurbelt und die Qualitäten, die ja durchaus in der Mannschaft schlummern, konnten entfacht werden. In dieser Zeit spielte Hertha den attraktivsten und erfolgreichsten Fußball, mit dem krönenden Höhepunkt am 17. Spieltag gegen Dortmund.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Doch die Taktik und das System sind sicherlich ein netter Einstieg, aber keine Variante zur taktischen Weiterentwicklung. In keinem der Spiele 2022 war die Hertha in der Lage über mehr als eine Halbzeit zu überzeugen. Und das vor allem weil Korkut mit persönlichen Machtkämpfen gegen die Mannschaft beschäftigt war und taktisch zu limitiert, um der Mannschaft eine Weiterentwicklung zu ermöglichen. Im Endeffekt stehen 2022 neun Spiele in der Bundesliga zu Buche, in denen ganze zwei Punkte gesammelt werden konnten. Das Aus im Pokal kommt erschwerend hinzu.  

Auch die Außendarstellung hat Hertha geschadet

Ich möchte hier in keiner Weise etwas gegen die Privatperson Tayfun Korkut sagen. Der Mann könnte durchaus ein sehr sympathischer Kerl und witziger Zeitgenosse sein. Seine Außendarstellung seit seinem Amtsantritt in Berlin sorgte allerdings nie auch nur im Geringsten für Aufbruchsstimmung. Er wirkte meistens fahrig, überfordert und so, als wäre er gerne überall, nur nicht in Berlin.

Sicherlich wird das auch auf die Spieler abgestrahlt haben, die nur die Tage zählten, bis es vorbei war. Trauriger Höhepunkt war seine ins Fernsehen übertragende Trainingsrede aus einem wirren Mix aus Englisch und Deutsch. Wie fruchtbar diese Ansage war, sah man am kläglichen Auftritt in Mönchengladbach.

Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende

Ob die Entlassung von Tayfun Korkut zu spät kam, wird sich nach dem 34. Spieltag und möglicherweise sogar erst nach der Relegation zeigen. Die Hypothek durch Korkut ist gewaltig und die einzige Hoffnung ist, dass der Schaden, der hinterlassen wurde, reparabel ist. Die Mannschaft ist hochgradig verunsichert, vermutlich hapert es stark an Disziplin und es herrscht aufgrund vieler Vertragsungereimtheiten eine schwache Moral und kaum eine Hierarchie.

Felix Magath muss vermutlich auch psychisch viel Arbeit leisten. Warum und weshalb die Wahl auf Magath fiel werden auch wir in weiteren Texten ergründen müssen. Doch die aktuelle Situation zeigt auch, dass ein Klassenerhalt wohl kaum die Probleme rund um den Verein lösen wird. Das Gewitter um den Verein wütet seit über zweieinhalb Jahren und wird auf die unseriösesten und respektlosesten Arten nur noch mehr gepushed. Ein Abstieg wäre trotz allem katastrophal.

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(Photo by Martin Willetts/Getty Images)

Tayfun Korkut war insgesamt nur ein Symptom, nicht der Grund für die Talfahrt. Die Lage ist schlecht, sehr schlecht, aber noch ist sie nicht hoffnungslos.

[Titelbild: CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images]

Herthaner im Fokus: Korkut provozierte seinen Rauswurf

Herthaner im Fokus: Korkut provozierte seinen Rauswurf

Tayfun Korkut ist nicht mehr. Die Rausschmiss hat sich bereits länger angedeutet, der finale Todesstoß war jedoch der apathische Auftritt Herthas bei Borussia Mönchengladbach. 0:2 verlieren die Berliner und man wird das Gefühl nicht los, dass es mit Ansage passiert ist. Wir blicken auf das Spiel, einzelne Akteure und den am Sonntag entlassenen Trainer.

Korkut wählte mit der Mauertaktik sein eigenes Ende

Ein Krisenduell, was in den Gazetten zuvor bereits als Schicksalsspiel für die jeweiligen Trainer betitelt wurde – und die Qualität des Spiels zeigte, das nicht gelogen wurde und es sich genau darum handelte. Borussia Mönchengladbach empfing unsere Hertha. Zwei der größten Schießbuden der Liga, die in den letzten Wochen viele Niederlagen und noch mehr Gegentore kassierten.

Während der eine Trainer, Adi Hütter, Corona-bedingt kaum in sein Schicksal eingreifen und nicht an der Seitenlinie stehen konnte, begann der andere, Tayfun Korkut, das Spiel mit einer stark umgebauten Mannschaft und rief mit dem 5-3-2 eigentlich nur eine einzige Devise aus: Eine stabile Defensive, alles andere sollte erstmal anscheinend egal sein. Im Tor stand wie zuletzt wieder das Talent Marcel Lotka, was überraschend war, da sich der Stammtorhüter Alexander Schwolow nach seiner Corona-Infektion wieder ins Mannschaftstraining begeben konnte.

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Die Fünferkette bot ebenfalls die ein oder andere Überraschung. Kapitän Dedryck Boyata wurde für seine grausame Leistung gegen Frankfurt lediglich mit einem Platz auf der Bank bedacht, Marc Oliver Kempf, Niklas Stark und Linus Gechter bildeten die Innenverteidigung. Peter Pekarik war als rechter Schienenspieler eingeplant, auf der linken Seite Marvin Plattenhardt. Auch hier kann man nur munkeln, weshalb er den Vorzug vor dem wohl besten Herthaner der letzten Monate, Maximilian Mittelstädt, bekam. Das Mittelfeld, bestehend aus Vladimir Darida, Santi Ascacibar und Lucas Tousart sollte einzig und allein zu defensiven Stabilität dienen, großartige Beiträge in der Offensive konnten sie auch nicht bieten. In der Spitze stellte Tayfun Korkut mit Davie Selke und Ishak Belfodil zwei Stürmer, die regelrecht vom Rest der Mannschaft isoliert waren, auf.

Auf dem Papier steht letztendlich nach der 0:2-Niederlage in Mönchengladbach die 7. Niederlage im 9. Spiel der Rückrunde. Wir schauen heute auf den verpufften Systemwechsel, fragen uns nach welchem Prinzip die Spieler für den Kader ausgewählt werden und wer dringend endlich spielen muss und das auch auf der richtigen Position, um endlich dem Team entscheidend im Abstiegskampf helfen zu können.

Marvin Plattenhardt und Peter Pekarik: Völlig verloren auf ihren Posten

Es ist keine Neuigkeit, dass Peter Pekariks und Marvin Plattenhardts Qualitäten in der Offensive stark begrenzt sind. Auch ein Tayfun Korkut sollte das wissen. Wenn es ihm bewusst war, dann stellt sich die Frage, weshalb die beiden als Schienenspieler im 5-3-2- respektive 3-5-2-System fungieren sollten. Möglicherweise war deren beider einzige Aufgabe lediglich in der Defensive auszuhelfen. Aber auch dabei sahen sie gegen das Tempo von Marcus Thuram und Allassane Plea ziemlich alt aus.

Bisher waren Maximilian Mittelstädt und Fredrik-André Bjørkan zumindest in dieser Funktion die bessere Wahl. Bjørkan stand das zweite Spiel in Folge nicht einmal im Kader. Mittelstädt, der sich in jedem Spiel aufreibt, der aktivste und beste Herthaner der letzten Woche und Monate war und mittlerweile ein Führungsspieler des Teams ist, musste 90 Minuten auf der Bank sitzen. Weshalb ist bisher ungeklärt.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Und dabei hat Marvin Plattenhardt sogar relativ okay gespielt. Zumindest wenn man ihn mit dem Durchschnitt des Teams vergleicht. 83 Prozent seiner Pässe sind angekommen, nur vier verfehlten sein Ziel. Zwei seiner drei Zweikämpfe gewann er und seine Eckstöße hatten eine bessere Qualität als zuletzt. Nur leider war es das im Endeffekt schon. 16 Ballverluste sind einfach zu viel gegen eine Offensive, wie die Gladbacher haben. Er biss sich an seinen Flankenversuchen die Zähne aus, sobald er auch nur etwas bedrängt wurde. Sein fehlendes Tempo machte es ihn kaum möglich für Ertrag zu sorgen.

Peter Pekarik kann einen leidtun. Mittlerweile wirkt es so, als würde er entweder an seinen Gegenspielern zerschellen oder beim kleinsten Tempounterschied kaum noch Chancen haben eine bundesligataugliche Performance zu zeigen. Er hatte 37 Aktionen, zwölf seiner 17 Pässe kamen an, aber auch er hatte elf Ballverluste und seine gefährlichste Aktion und damit einziger zu erwähnender offensiver Beitrag stammt aus der 56. Minute, als seine Flanke verunglückte und Sommer kurz eingreifen musste. Nach einer Stunde wurde er für den Jungspund Anton Kade ausgewechselt. Weshalb dieser der erste Auswechselspieler war, ist eine weitere Frage, die sich beim Blick auf die Reservebank ebenfalls stellt.

Marc Oliver Kempf: Irgendwo zwischen Übermut und Übermotivation

Es war im Winter ein eigentlich sinnvoller Transfer. Ein gestandener Verteidiger mit Bundesliga-Erfahrung. Doch mittlerweile muss man konstatieren, dass er eher für Unglück als Stabilität sorgt. Wenn er gerade nicht gesperrt, verletzt oder erkrankt fehlt, dann ist er leider viel zu häufig an Gegentreffern, Elfmetern oder völlig verkorksten Situationen beteiligt. Auch wenn sein Mut hilfreich sein kann, ist er aktuell eher Risiko, als Mehrwert für das Team.

Seine beste Aktion leistete Kempf tatsächlich in der Offensive, nachdem er in der 54. Minuten nach einer Ecke von Marvin Plattenhardt zum Kopfball kam und damit Keeper Yann Sommer zu einer Parade zwang. Es war die beste Phase der Herthaner und die einzigen wenigen Minuten, in denen ein Tor möglich gewesen wäre. Stattdessen kassierte Hertha nur wenige Minuten später das zweite Gegentor.

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

In der Verteidigung hatte Kempf wieder einige Probleme. 15 Ballverluste, 13 Fehlpässe und nur drei von sieben siegreiche Zweikämpfe sind Zahlen, die in einer Dreier-Innenverteidigung eigentlich nicht zu rechtfertigen sind. Wie kann es sein, dass man sich sobald Kempf am Ball ist, Sorgen machen muss, um das was in wenigen Sekunden geschehen könnte? Wieder leistete er sich haarsträubende Fehler im Aufbauspiel und lud die Gegner praktisch zu Angriffen ein.

Sein schwaches Einsteigen gegen Marcus Thuram im Strafraum in der 23. Minute war für ihn und Hertha einfach bezeichnend. Auch wenn der Franzose die Einladung zum Foul dankend annahm, passt es perfekt ins Bild, was die Berliner Verteidigung zeichnet. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit hatte er bei der nächsten Aktion gegen Thuram sogar Glück, dass der Schiri weiterspielen ließ.

Ishak Belfodil und Davie Selke: Bemüht, aber kaum eingebunden

Es tat weh, den beiden zuzuschauen. Einsatz und Leidenschaft war ihnen nicht abzusprechen, keine Frage, aber die Chancen, die sie sich mit endlos viel Mühe erarbeiteten mussten, waren erst einmal rar gesät und qualitativ einfach nicht brauchbar. Und das liegt nicht einmal an ihrer Qualität, sondern daran, dass aufgrund der Ultra-Defensive kaum ein Angriff überhaupt erst aufgebaut werden konnte. Davie Selke tat sich wie immer schwer, sobald er länger mit dem Ball umgehen musste. 

Möglicherweise wäre die Selke-Belfodil-Aktion in der 45. Minute eine durchaus sehenswerte geworden, wenn nicht – und das gehört zum Pech im Abstiegskampf wohl leider dazu – Schiri Badstübner den Ball abgekriegt hätte. Gerade zu Beginn der zweiten Halbzeit mühte sich Selke in Kombination mit Suat Serdar, doch in der 47. Minute wurde sein Versuch schnell geblockt. Ansonsten spulte er für einen Stürmer mit über neun Kilometern in 75 Minuten Spielzeit eine durchaus respektable Strecke ab. 38 Prozent seiner Zweikämpfe gewann er. Zu wenig gegen eine Mönchengladbacher Verteidigung, die sicherlich nicht in Bestform ist.

(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Ishak Belfodil, der spielerisch bekanntlich mehr drauf hat, als Davie Selke, versuchte sich wie so oft den Ball aus der Tiefe und aus Positionen zu holen, die eigentlich alles andere als sein Territorium darstellen. Sein Distanzschuss aus der 75. Minute war allerdings das einzige ernstzunehmende Ausrufezeichen des Algeriers und es glich fast schon einem Verzweiflungsschuss. Auch er kam kaum durch die Verteidigung, war nicht so stark wie sonst im Eins gegen Eins und war viel zu viel damit beschäftigt Bälle zu bekommen, als zu spielen und zu tragen. Am Ende hatte er 35 Aktionen, spielte 23 Pässe, von denen 16 bei seinen Mitspielern ankamen. Aber bei diesem System sind die Stürmer im Endeffekt einfach die bemitleidenswertesten.

Jurgen Ekkelenkamp, Suat Serdar und Marco Richter: Bitte lasst sie spielen!

Das Spiel des Trios bietet Hoffnung, alle drei gaben Schüsse ab, sorgten zumindest für etwas Gefahr. Kaum war Jurgen Ekkelenkamp am Ball, traf er die Latte, wie bei seinem abgefälschten Schuss in der 77. Minute.

Suat Serdar, der zur Halbzeit für den schwachen Santi Ascacibar kam, zügelte merklich das Offensivspiel an. Im Endeffekt mit keinem Ertrag, aber er deutete häufig an, warum er eigentlich so wichtig für die Mannschaft ist.

Marco Richter, der eines der größten Korkut-Opfer ist, bemühte sich, war im Endeffekt aber glücklos im Abschluss.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Alle drei Spieler zeigen wie wichtig und eigentlich unverzichtbar sie für das Spiel der Hertha sind. Der Kader bietet dieses Jahr nicht viel, weshalb die Qualitäten dringend vollends ausgeschöpft werden müssen, um irgendwie Spiele zu gewinnen und die Klasse zu halten.

Tayfun Korkuts Tage sind gezählt und das Spiel war eine Provokation

Mittlerweile ist das Aus von Korkut beschlossene Sache – wenig verwunderlich.

Die Art und Weise, wie Korkut das Team für dieses Spiel eingestellt hatte, glich einer Provokation. Das Spiel des Gegners mit einer stabilen Defensive zu zerstören, konnte selbst Pal Dardai besser und unter ihm gab es zumindest etwas Ertrag. Es glich einem absoluten Nicht-Angriffspakt. Suat Serdar und Marco Richter schienen zum Ende hin noch einmal eine Abreibung vom Trainer bekommen zu haben. Ein neuer Trainer sollte das Team und die Spieler auf ihre Stärken einschwören. Etwas, was noch vor ein paar Monaten auch Korkut mit der Mannschaft vorhatte. Gelungen ist es ihm in gar keiner Form.

Egal wer es wird, es bleiben acht extrem schwierige Endspiele, um die Liga zu halten. Und Fredi Bobic muss sich und seine Entscheidungsfindung sehr stark hinterfragen.  

[Titelbild: TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images]

Exklusive Doku-Einblicke: Lars Windhorst ist schuld

Exklusive Doku-Einblicke: Lars Windhorst ist schuld

Unter der Woche wurde bekannt, dass die viel besprochene Doku über das Engagement zwischen Hertha BSC und der Tennor-Holding von Lars Windhorst gestoppt wurde und nicht ausgestrahlt wird. Ein Grund soll gewesen sein, dass insbesondere über Windhorst selbst negativ und in „ehrabschneidender“ Form gesprochen wurde. Hertha BASE hatte das Glück, an die brisanten Aufnahmen zu kommen. Wir konnten das Videomaterial sichten, analysieren und haben bewusst darauf geachtet, ob der zu ehrende Lars Windhorst wirklich so schlecht bei wegkommt.

Mai 2020: Der geheime Raum von Windhorst

Deutschland hängt fest in den Klauen der Corona-Pandemie. Seit Monaten steht das Leben still und auch der Fußball muss eine nie dagewesene Krise bewältigen und ebenfalls pausieren. Das Filmteam, welches sich selbst so langsam unter Zugzwang sieht, darf zum ersten Mal die Geschäftsstelle an der Hans-Braun-Straße besuchen und seine Arbeit aufnehmen.

Pressesprecher Max Jung und der damalige Sportvorstand Michael Preetz empfangen das Team am Eingang. Nach einem kurzen Plausch will man keine Zeit verlieren und die Dreharbeiten in Form einer Home-Story beginnen. Michael Preetz führt das Team durch die Geschäftsstelle, ein Shake-Hand mit Ingo Schiller hier, ein Fistbomb mit dem zufällig durchs Bild huschenden Werner Gegenbauer da und auch der ein oder andere flotte Spruch in die Büros der Social-Media-Abteilung darf natürlich nicht fehlen. Der sonst so steife Preetz zeigt sich als extrem nahbarer Kumpeltyp und bemüht sich die Räumlichkeiten der Hertha so attraktiv wie möglich zu präsentieren.

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(Photo by ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images)

Die Geschäftsstelle wird durchleuchtet als wäre es ein Tag der offenen Tür. Nur ein Raum bleibt geschlossen. „Lars Windhorst und Jens Lehmann benötigen den Raum um an ihren Images zu arbeiten. Was darin geschieht weiß niemand. Vertraglich mussten wir versichern, dass der Raum geschlossen bleibt und von niemanden betreten werden darf.“, erwähnt Preetz nur kurz, während sich sein Gesicht verfinstert. „Ganz komisch, Jürgen Klinsmann hat sich in seiner Zeit praktisch durchgehend darin verbarrikadiert. Lediglich wimmernde Worte wie „Mehrwehrt“ und „Hahohe“ waren zu hören.“, fügt Max Jung geheimnisvoll hinzu.

Vereinzelt laufen Spieler durchs Bild, zeigen ihre Freizeiträume und geben erste Kommentare ab. Allgemein herrscht eine gelöste Stimmung. Alle scheinen happy zu sein, dass es wieder losgeht. Im Hintergrund sieht man Salomon Kalou mit seinem Smartphone ein Video drehen. Ein Mitglied der medizinischen Abteilung kommt schnellen Schrittes auf ihn zu und gestikuliert mit einem Corona-Teststäbchen in der Hand. Es zeigt die lebendige Stimmung in Berlin. Dieser Tage gibt es nur positives zu berichten.

Party nach dem Derby-Sieg

Die Hertha ist extrem gut aus der Corona-Pause gekommen. Nach einem 3:0-Sieg in Sinsheim, nimmt die „Alte Dame“ den Lokalrivalen aus Köpenick in einem tollen und dominanten Spiel mit 4:0 auseinander. Matheus Cunha ist der neue große Star im Berliner Ensemble. In einer edlen Berliner Lokalität feiert das Team den Derby-Sieg.

Ausgerechnet Cunha nimmt an den Feierlichkeiten nicht teil. Er wird noch am selben Abend Vater und weilt deshalb bei seiner Freundin und seinem Neugeborenen im Krankenhaus. Das Filmteam ist derweil mitten drin auf der Party und nimmt brisante Szenen auf. Trainer Bruno Labbadia und Michael Preetz sind in ein Gespräch vertieft. Viel zu hören ist nicht, aber Wortfloskeln wie „Matheus‘ …nichts…Treffen mit … Frau wissen, okay Michael?“, sind deutlich zu vernehmen. Währenddessen zwinkert Labbadia Preetz vielsagend zu. Lars Windhorst ist auch für kurze Zeit zugegen, um dem Team seine Glückwünsche zu übermitteln.

Das gelingt ihm allerdings nur bedingt. Der DJ ist nicht bereit die Musik leiser zu stellen oder gar zu stoppen. Beleidigt zieht Windhorst ab und betont, es würde Konsequenzen für solch ein Verhalten geben. Lukas Klünter versucht ihn zu beruhigen und lädt zum Virtuosen-Treffen in den nächsten Tagen ein.

Karim Rekik hat Oberschenkelprobleme

Die Sommerpause läuft für Hertha mittelmäßig. Kaum ein Wunschtransfer kann ermöglicht werden. Auf der Geschäftsstelle herrscht Stress. Das Filmteam traut sich trotzdem die Kamera voll draufzuhalten. Am heutigen Tag wird Max Jung begleitet. Er zeigt, wie die Arbeit des Pressesprechers läuft. Das Mannschaftstraining ist durch und er, Michael Preetz und Bruno Labbadia auf dem Weg zur Spieltags-Pressekonferenz.

Auf dem Weg zur Pressekonferenz wird ihm von seinem Praktikanten auch noch ein kleiner Zettel zugesteckt. Anscheinend hatte der Berater von Abwehrspieler Karim Rekik den Transfer zum FC Sevilla finalisiert.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Max Jung, der auf dem Weg in den Presseraum tief grübelt und anscheinend keine Ahnung hat, wie er noch vor der Pressekonferenz Preetz und Labbadia auf diese Nachricht aufmerksam machen kann, muss improvisieren. Seine Ausrede, dass Karim Rekik für das folgende Spiel auf Grund muskulärer Probleme im Oberschenkel nicht zur Verfügung stehen würde, lassen Preetz und Labbadia verwundert aufhorchen, war doch Rekik gerade eben beim Training noch fit dabei.

Es ist nicht der Tag des Pressesprechers. Ausgerechnet heute sammeln sich die Pressemitteilungen auf dem Tisch von Max Jung. Und die Meldung zu Karim Rekik war nicht einmal die brisanteste. Ausgerechnet die Einladungen an Werner Gegenbauer, Paul Keuter, Michael Preetz und Bruno Labbadia von Lars Windhorst zum Dinner im Grill Royale verpasst er weiterzuleiten.

Pal Dardai wird überredet, wieder Trainer zu werden

In Berlin hat sich einiges getan. Die Mannschaft steckt in einer tiefen Krise. Der langjährige Sportvorstand Michael Preetz und Trainer Bruno Labbadia müssen gehen. CEO Carsten Schmidt und Arne Friedrich sitzen in Schmidts Büro und sprechen über einen möglichen Nachfolger.

„Ruf du an.“, sagt Friedrich zu Schmidt. „Nee, mach du mal bitte. Du kennst ihn viel besser, Arne.“, erwidert Schmidt fast schon flehend. Beiden ist anzumerken, dass es ihnen unangenehm ist auf einen Sonntag im Hause Dardai anzurufen. Aber sie tun es. Friedrich muss nicht viel sagen. Am anderen Ende der Leitung hört man nicht viel. Pal Dardai scheint allerdings emotional zu sein und aufbrausend. „…müssen… und… Investor…akzeptieren….keiner….Tagesform.“, ist zu hören.

Am nächsten Montag stehen Pal Dardai, Zecke Neuendorf und Admir Hamzagic auf dem Trainingsplatz. Pal Dardai freut sich auf einen guten Schluck Rotwein in seinem Haus in Westend. Das Kamerateam begleitet ihn auf dem Heimweg. Vor der Tür steht eine Flasche des teuersten Chateau-Rotwein. Dardai sieht die Flasche, nickt relativ desinteressiert, während er sie zu seinem großen Depot im Keller legt und sich einen feinen Merlot genehmigt. Den Zettel mit „Alles Gute Herr Dardai, ihr L.W.“, übersieht er.

Die Corona-Pause sorgt nicht nur für Spielausfälle

Die Rückrunde läuft nicht wie gewünscht und die Mannschaft befindet sich weiterhin im Abstiegskampf. Zu aller Schrecken grassiert nun auch noch das Coronavirus direkt im Team. Die Beteiligten beraten, wie mit der Situation umzugehen ist. Sportdirektor Arne Friedrich muss das Training übernehmen, doch es klingt stark danach, als würde das Ganze noch größere Ausmaße annehmen.

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(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Weil die Kette nicht mehr nachzuverfolgen ist, muss das gesamte Team in Quarantäne. Arne Friedrich und einzelne Spieler werden auf ihren Heimwegen vom Filmteam begleitet. Die Stimmung ist schlecht. die meisten sind genervt. Arne Friedrich, der meist perfekt organisiert ist, hatte in der Nacht zuvor vergessen den Akku seines Smartphones zu laden und kann deshalb nicht auf seinen Kalender zurückgreifen.

Auf dem Heimweg grübelt er immer wieder laut vor sich hin, dass heute Abend noch ein Termin anstehen würde. Welchen genau wisse er aus dem Kopf gerade nicht, aber er muss ihn noch dringend absagen. Doch direkt zuhause rein muss er sich dem Medienhagel widmen. Erst spät am Abend schafft es Friedrich sein Smartphone an die Ladestation zu schließen. Währenddessen sitzt Lars Windhorst allein im Borchardt und  hat durch die Medien erfahren, was los ist.

Der Klassenerhalt ist geschafft

Die Mannschaft, die sich mit einem Kraftakt und vielen Spielen in kürzester Zeit in der Bundesliga halten konnte, feiert in der Kabine. Das Filmteam ist wieder mitten drin. Lars Windhorst, der wieder einmal der Mannschaft seine Glückwünsche mitteilen will, versucht eine Live-Verbindung zum Team aufzubauen, da er persönlich nicht im Stadion sein konnte. Per Beamer soll die Rede in der Kabine übertragen werden.

(Photo by Filip Singer – Pool/Getty Images)

Doch die wilde und von Bier und Sekt durchtränkte Party zerstört die Technik schnell und macht die Übertragung unmöglich. Auf dem Handy verfolgt lediglich Lukas Klünter die Rede und verspricht Windhorst schon bald auf seiner Yacht mit feinem Piano-Spiel zu beglücken. Die Uhren, die der Investor als Belohnung dem Verein in die Kabine geschickt hat, vergisst das Team in der Kühltruhe für die Getränke. Am Abend geht die Feier in der Unterkunft in Grunewald weiter.

Der Sportstudio-Auftritt von Pal Dardai   

Das Filmteam wünscht sich ein exklusives Interview mit Pal Dardai. Am liebsten würde man ihn für O-Töne und weiteres gewinnen. Der Ungar, der bisher kein Interesse an diesem Projekt hatte und so gut es ging nichts mit dem Investor zu tun haben wollte, lässt sich überreden. Im Garten des Domizils sitzt er vor einem Monitor und kommentiert, erzählt und ordnet so seriös wie möglich die Szenen ein.

Doch der Trainer wirkt zu langweilig. Die Film-Crew überredet ihn ein weiteres Mal. Dieses Mal soll er sich eine der Zigarren anzünden, die ihm wenige Stunden zuvor Paul Keuter nach Feststehen des Klassenerhalts geschenkt hatte. Lars Windhorst hatte dem Filmteam gegenüber immer wieder erwähnt, dass er sich Szenen wünsche, die die Personen rund um die Doku in anderen, als den üblichen Situationen, festhalten. Szenen, die noch nie zuvor zu sehen waren und was ganz neues aufdecken. Pal Dardai wird also ausgestattet mit Rotwein und Zigarre und soll einen liebenswerten und feiernden Trainer darstellen, der sich nach den harten Wochen wohlverdient belohnt.

Bildquelle: Aktuelles Sportstudio

Lars Windhorst, der per Video zugeschaltet ist, ist stolz auf das, was geleistet wird. Kurz bevor das Interview startet, stürmt Pressesprecher Max Jung auf das Set zu. Das aktuelle Sportstudio will ihn jetzt sofort für ein Fernseh-Interview haben. Pal Dardai lässt sich nicht zweimal bitten. Wenige Sekunden später ist er mit dem Studio verbunden und wird in betont lässiger Pose und Rotwein und Zigarre ins Fernsehen übertragen. Ein Interview für die Ewigkeit, mit Szenen, die so noch niemand gesehen hat. Die Verbindung zu Lars Windhorst musste er für die Übertragung kappen.

[Titelbild: ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images]

Abschied von Arne Friedrich: Die unromantische Realität

Abschied von Arne Friedrich: Die unromantische Realität

Die Woche ist gerade zur Hälfte rum und Hertha BSC hat schon wieder Schlagzeilen über Schlagzeilen produziert. Und dabei ist die Meldung, dass Arne Friedrich vorzeitig den Verein verlassen hat, nicht einmal die spektakulärste. Und doch die wohl emotionalste.

Ein letztes Mal Ehrlichkeit

Halbzeit im Berliner Olympiastadion. Arne Friedrich tritt recht zerknirscht zum Interview bei Sky an und versucht die mal wieder schwer enttäuschende Leistung der Hertha Mannschaft zu erklären. Hertha lag zu diesem Zeitpunkt 0:1 gegen Eintracht Frankfurt zurück. Seiner Forderung, dass die Mannschaft „endlich den Arsch hochkriegen müsse“, folgte keiner. Mit einer saftigen 1:4-Klatsche ging das Team wie so oft in den letzten Wochen unter. Der einzige, der „seinen Arsch hochkriegte“ war Arne Friedrich selbst. Und das zwei Tage später. Am Montag ging von mehreren Seiten die Meldung raus, dass er sein Engagement bei der Hertha vorzeitig abbrechen würde.

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(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Friedrich selbst begründete via Social Media seinen vorzeitigen Abschied damit, dass sein Einfluss als Sportdirektor nicht mehr gegeben war. Fredi Bobic bestätigte das auf der am Dienstag angesetzten Pressekonferenz relativ nüchtern. Wie bereits erwähnt und hinlänglich bekannt, war der Abschied sowieso beschlossene Sache. Allerdings für den Sommer. Ob es einen neuen Sportdirektor geben würde, war noch nicht abschließend geklärt, wirkliche Gerüchte oder gar Meldungen gab es noch in keiner Weise. Und dennoch regt wieder einmal die Art und Weise, der Zeitpunkt und das komplette Bild, welches der Verein dieser Tage abgibt, zum tiefen Nachdenken an.

Friedrichs Engagement bei Hertha glich einer Zeitenwende

Hertha Ende November 2019: Seit dem Sommer war der Einstieg von Lars Windhorst und seiner Tennor-Holding beschlossene Sache, der Saisonstart verlief allerdings alles andere als zufriedenstellend und Trainer Ante Covic musste Platz machen. Jürgen Klinsmann, der zu dem Zeitpunkt als Berater von Lars Windhorst aktiv war, sollte als Nachfolger einspringen. Es begann eine der surrealsten Zeiten, die man als Hertha-Fan jemals kennenlernte. Facebook-Live-Auftritte, große Sprüche über die Champions League, Trainingslager in den USA, Treffen auf der Yacht von Lars Windhorst.

Mitten drin einer, den Klinsmann mitbrachte, aber als alter Bekannter kein neuer war: Arne Friedrich. Als sogenannter „Performance Manager“ war sein Aufgabenbereich schwer zu definieren. Mal sollte der ehemalige Profi, der immerhin von 2002-2010 auf 288 Pflichtspiele für Hertha BSC kommt, die Verteidigung trainieren, mal versuchte er mit seinen Erfahrungen aus US-amerikanischen Tagen Einflüsse aus dem Militär im Training der Hertha einzubinden und wieder ein anderes Mal, sorgte er mit Q&A’s auf Instagram für Fannähe.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Arne Friedrich gilt als attraktiv, eloquent, weltoffen und extrem wissbegierig. War er der Protagonist auf einer Pressekonferenz, konnten sich Journalist:innen über Offenheit und Warmherzigkeit freuen und zusätzlich über intelligente Aussagen. Friedrich strahlte eine riesige Professionalität aus, die neu war in Berlin. Bei Hertha hatte man sich mittlerweile an einen meist mies gelaunten Michael Preetz gewöhnt, der stets so wirkte, als hätte er sich lediglich dank des einen oder anderen Managementkurses ein etwas gehobenes Sprachniveau aneignen können. Von den polternden Pal-Dardai-Pressekonferenzen ganz zu schweigen. Jürgen Klinsmann wirkte dieser Tage auch mehr wie eine narzisstische und selbstverliebte Person, als ein gestandener ehemaliger Spieler und Trainer von Weltniveau.

Zusätzlich hatte Arne Friedrich schon in seiner aktiven Zeit in Berlin auf dem Platz einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Als ehemaliger Kapitän, Leistungsträger und noch dazu als Herthas erfolgreichster Spieler der deutschen Nationalmannschaft genießt er seit vielen Jahren in Berlin Legendenstatus.

Aus dem Schatten von Preetz an die Spitze

Als im Frühjahr 2021 Hertha wieder im tiefen Abstiegskampf stand und neben dem damaligen Trainer Bruno Labbadia auch Michael Preetz gehen musste und damit eine zwölf Jahre lange Ära endete, schlug Friedrichs Zeit. Seine Stelle war von nun an definiert. Vom Performance-Manager zum Sportdirektor. Zusammen mit dem neuen Vorstand Carsten Schmidt überzeugte er Pal Dardai von seiner Rückkehr und seinen alten Freund und Kollegen aus der Nationalmannschaft, Sami Khedira, von einer letzten Profi-Station. Es folgte eine Rückrunde, die mit dem Klassenerhalt, nach der mittlerweile legendären Corona bedingten Pause, beendet wurde. Arne Friedrich selbst leitete sogar für einen Tag lang das Training und bezeichnete sich später mit einem Augenzwinkern als Hertha-Trainer, mit der kürzesten Amtszeit.

(Photo by MICHAEL SOHN/POOL/AFP via Getty Images)

Doch diese goldene Zeit Friedrichs, die dem Verein so viel Professionalität verlieh, sollte enden, als mit Fredi Bobic der neue Vorstand Sport an der Spree die Zügel in die Hand nahm. Friedrich sollte seine Position als Sportdirektor behalten, allerdings sollte von nun an Fredi Bobic die öffentlichen Termine wahrnehmen. Er war der lang gesuchte und seit vielen Wochen ersehnte Sportvorstand. Aus Frankfurt war Bobic nach Berlin gekommen, wo er bereits von 2003 bis 2005 für zwei Jahre spielte. Er hatte sich über die Jahre in der Bundesliga einen mehr als respektablen Ruf erarbeitet. Aus dem ehemaligen Abstiegskandidaten Eintracht Frankfurt hatte er innerhalb kurzer Zeit einen Pokalsieger und Europa-League-Halbfinalisten gemacht. Er war für unpopuläre Entscheidungen bekannt, aber eben auch für Erfolg.

Bobics radikaler Umbruch fordert Opfer – Am Ende auch Friedrich

Ab dem Sommer 2021 änderte sich der Wind in Berlin komplett. Als neuer starker Mann installierte Bobic neue Leute, trieb einen radikalen Kaderumbruch an, war mutig genug, sämtliche Leistungsträger der letzten Saison zu verkaufen und zeigte sich regelmäßig vor den Berliner Medien als professioneller, aber eiskalter und nicht gerade nahbarer Manager.

Die Installation verschiedener neuer Personen im Kader forderte Opfer alter Wegbegleiter. Der langjährige Teammanager und als Vereinsikone beliebte Nello DiMartino wurde in die Jugend geschickt. Mit Benjamin Weber ging nach 18 Jahren der Akademie-Leiter, der erfolgreiche Jugendtrainer Michael Hartmann wird ihm wohl folgen. Für den Abschied von CEO Carsten Schmidt, der wie Arne Friedrich Professionalität und eine gewisse Form von Sympathie und Wärme versprühte, konnte Bobic nichts. Schmidt ging bekanntlich aus privaten Gründen.

Doch der Aufgaben– und Machtbereich Bobics sollte sich dadurch nur vergrößern. Es folgte die Entlassung Pal Dardais und die Einstellung von Tayfun Korkut auf der Trainerposition. Angeblich war Arne Friedrich in diese Entscheidung mit eingebunden.

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Doch wie tief Arne Friedrich noch ins Tagesgeschäft mit eingebunden war, muss hinterfragt werden. Mehr als das ein oder andere Feld-Interview vor Spielen oder in der Halbzeitpause bot Friedrich kaum noch. Er wurde zunehmend isoliert. Trotz allem stellte er sich bei der Konfrontation zwischen Mannschaft und Ultras zwischen die Parteien um zu vermitteln. In der Szene und beim Team beliebt, konnte er immer ein Bindeglied darstellen.

Der Abschied kommt nicht überraschend

Auch wenn Arne Friedrich stets betonte, dass er Herthaner und dem Verein dankbar sei, war es nie sein Plan, länger als nötig zu bleiben. Friedrich, der bekannt für seinen speziellen Lebensstil ist und seinen Lebensmittelpunkt eher in den USA sieht, kam zufällig in die Rolle bei Hertha. Doch er war bereit für die neue Herausforderung. Er hat sie zu jeder Tages- und Nachtzeit mit unfassbar viel Herzblut ausgefüllt und war ein Gesicht des Vereins, für viele sogar eine Identifikationsfigur.

Und Er hat dem Verein in der Außendarstellung unfassbar gut getan. Doch Friedrich ist keiner, der es nötig hat sich anzubiedern. Sobald man ihm zeigt, dass er nicht mehr gebraucht wird, macht er Platz. Eine neue Herausforderung für sein Leben findet er ohne große Schwierigkeiten.

Und nun?

Der Aderlass, den die Hertha in den letzten Monaten hinnehmen musste, war schwer zu verdauen. Bis heute ist er das nicht komplett. Im Verein herrscht seit viel zu langer Zeit eine Unruhe, die ihres gleichen sucht.

Wie man den Streit mit dem Investor beilegen soll, ist eine der großen zentralen Fragen in den nächsten Tagen und Wochen. Wie die Mannschaft die Klasse halten soll, die wohl größte und besorgniserregende. Mit Arne Friedrich ist der letzte große Kopf der Prä-Bobic-Ära nun weg. Mittlerweile ist es Fredi Bobic gelungen keinen nennenswerten Gegenspieler im Verein mehr zu haben und seine Leute in vielen Bereichen zu installieren. Seine Entscheidungen beäugt er selbst nach außen hin vollkommen unkritisch.

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(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Die kontroverseste war definitiv die des Trainers. Die Tage zeigen mal wieder, dass es im Fußball viel um Business und Stärke geht und Romantik und Vergangenes oft keinen Platz haben. Die Mannschaft steht dem Abstieg in die 2. Bundesliga extrem nahe und Machtkämpfe und Kritikunfähigkeit sind fehl am Platz. Und gerade jetzt wären Ruhe und Professionalität gefragt. Charakterzüge, die Arne Friedrich mit Bravour ausfüllen konnte.

[Titelbild: Stuart Franklin/Getty Images]

Herthaner im Fokus: Hertha im freien Fall – und Korkut noch der richtige?

Herthaner im Fokus: Hertha im freien Fall – und Korkut noch der richtige?

Hat Tayfun Korkut als Hertha-Trainer fertig? „Wer will, wer will, wer hat noch nicht?“, fragt man sich als Hertha-Fan mittlerweile regelmäßig während der Spiele. Es ist völlig egal wer auf dem Rasen steht, es ist egal wie der Gegner heißt, am Ende bricht die Gruppe – und in diesem Fall traut man sich kaum noch von Mannschaft zu sprechen – immer wieder auseinander und zeigt regelrecht Auflösungserscheinungen. Der Blick richtet sich immer mehr auf den Trainerposten.

Viele Startelfänderungen von Korkut, kein Effekt

Aber der Reihe nach. In einem mit 25.000 Zuschauer unter den aktuellen Bedingungen gut gefüllten Olympiastadion spielte die „Alte Dame“ gegen die Frankfurter Eintracht und wollte ein weiteres Mal den Versuch unternehmen, endlich den ersten Dreier im Jahr 2022 einzufahren. Wie zuletzt in verlässlicher Regelmäßigkeit stellte Trainer Tayfun Korkut die Spieler in der 4-3-3-Formation auf und wollte damit über die Außen für Gefahr sorgen.

Beim Blick auf die Startelf gab es einige Änderungen, die zum Teil nachvollziehbar waren, zu einem gewissen Maße aber auch stutzig machten. Im Tor stand wie gegen den SC Freiburg Marcel Lotka, an Stelle des sich noch in Quarantäne befindenden Alexander Schwolow. Der im Breisgau schwer überforderte Fredrik André Björkan wurde ersetzt durch Maximilian Mittelstädt, der seine Corona-Infektion überstanden hatte.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

In der Innenverteidigung macht der zuletzt meist überzeugende Youngster, aber möglicherweise noch angeschlagene Linus Gechter Platz für Marc-Oliver Kempf, der nach seiner Rot-Sperre wieder zurück in die Startelf rotierte. Kapitän Dedryck Boyata und Peter Pekarik komplettierten die Verteidigung. Während das zentrale Mittelfeld seit einigen Spielen unverändert bleibt,  gab es eine Veränderung im Sturm, die durchaus für Aufsehen sorgte. Statt des nimmermüden und mit viel Einsatz zu gefallenen Ishak Belfodils durfte Neuzugang Dung-Jun Lee zum ersten Mal von Anfang an spielen.

Viel ändern sollten die neuen Kräfte im Vergleich zu den letzten Spielen allerdings nicht. Sang- und klanglos wurde man von Frankfurt zeitweise vorgeführt. Doch auch nach diesem Spiel gibt es noch einen Funken Hoffnung. Wir gehen heute auf die katastrophale Verteidigung ein, wer anscheinend völlig überfordert ist und auf wen und was man im Abstiegskampf setzen muss, um die Klasse zu halten.

Marc Oliver Kempf und Dedryck Boyata: Habt ihr euch schon einmal gesehen?

Kaum zu glauben, aber schon wieder musste Hertha eine neue Innenverteidigung bilden. Möglicherweise setzte der Pferdekuss aus dem Spiel gegen Freiburg Linus Gechter immer noch so sehr zu, dass für ihn nur ein Platz auf der Bank in Frage kam. Alles andere wäre fragwürdig gewesen, wo doch Gechter in den letzten Spielen der beste Verteidiger war und ein weiteres Zerreißen der Verteidigung nur für Unsicherheit sorgen würde.

Aber eigentlich handelt es sich bei Marc Oliver Kempf und Dedryck Boyata um gestandene Verteidiger, die schon viele Schlachten geschlagen haben, die Bundesliga kennen und zu Leistungsträgern des Vereins gehören. Dedryck Boyata ist Kapitän und belgischer Nationalspieler. Von all dem sah man herzlich wenig. Es wirkte, als hätten die beiden sich noch nie zuvor gesehen. Es war zwar auch das erste Spiel, welches die beiden gemeinsam absolviert hatten, doch auch von Spielern dieser Klasse sollte besseres abgerufen werden.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Die Kommunikation war nur selten vorhanden und beide leisteten sich haarsträubende Fehler, wie Kempf, als er schon in der 6. Minute einen völlig unnötigen Fehlpass spielte, den er zwar selbst wieder ausbügelte, doch solche Szenen zeigen auch seine Verunsicherung. Boyata leistete sich Ballverluste, wie in der 15. Minute gegen Borré und konnte in keiner Weise für die dringend notwendige Stabilität sorgen, die es gebraucht hätte. Beide haben mit 84 Prozent angekommener Pässe – in Boyatas Fall 77 Prozent – zwar ganz gute Passquoten, doch zu viel davon stammt vom ideenlosen Hintenrum-Spiel. Beide leisteten sich über zehn Ballverluste. Wie soll so eine Verteidigung im Spielaufbau die Mitspieler in Szene setzen können? Auch die Versuche mit langen Bällen die Angriffe zu starten, verpufften praktisch. Nur drei von acht langen Bällen kamen an.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Boyata selbst hatte seinen dunkelsten Moment des Tages als er in der 63. Minute in keiner Weise seine Klasse zeigen konnte, sich von Borré und Kamada völlig überspielen ließ und durch seinen Sturz zu Boden keinerlei Eingriffschance mehr beim endgültigen Todesstoß zum 1:4 hatte. Zusammen konnten sie zwar auch noch fünf Bälle klären, drei weitere Schüsse des Gegners blocken und somit eine noch höhere Klatsche verhindern, aber ihre Überforderung ist schwer in Worte zu fassen.

Dong-Jun Lee: Eine bemitleidenswerte Überforderung

Der Wechsel des Südkoreaners nach Berlin ist sicherlich eine interessante Perspektivverpflichtung, die Fredi Bobic da getätigt hat. Doch es muss noch viel passieren, bis Lee ein Bundesligaspieler wird und Hertha helfen kann. In der aktuellen Situation hat man Mitleid mit ihm.

Gegen eine Abwehrkante wie Evan N’Dicka hatte er praktisch keine Chance, war überfordert und konnte seinen einfach zu schmächtigen und leichten Körper kaum nutzen, um in Zweikämpfe zu gehen. In der 32. Minute hatte aber auch Lee Pech mit dem Schiedsrichter, als der Einsatz N’Dickas unbeachtet blieb. Für Freiburg gab es in der letzten Woche für weniger Elfmeter. Hier hätte der Einsatz des VAR durchaus für Fairness gestanden. Das Schiri-Pech gehört für die Hertha in dieser Saison dazu wie das blau-weiße Trikot. Es ist verrückt, wie viele brenzlige Aktionen immer gegen beziehungsweise nie für die Mannschaft gepfiffen werden.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Dong-Jun Lee hatte 22 Ballaktionen, immerhin konnte er alle seine sechs Pässe an den Mann bringen. Dazu kommen allerdings auch acht Ballverluste und nur ein gewonnener Zweikampf von acht. Sein Mehrwert für die Offensive ging gen null und es ist zu hinterfragen, weshalb er an Stelle von Ishak Belfodil spielen durfte. Seine überforderte Performance mündete letztendlich sogar darin, dass er mit zunehmender Spieldauer kaum noch ins Spiel der Hertha eingebunden wurde und die Offensive versuchte den Angriff ohne ihn aufzubauen. Nach 56 Minuten wurde er für Kevin-Prince Boateng ausgewechselt.

Marcel Lotka: Auf Teamniveau innerhalb eines Spiels

Gegen Freiburg war er noch als positives Beispiel zu sehen. Er zeigte, was im Team fehlte: Ehrgeiz, Bock auf Hertha, Motivation. Doch all das scheint innerhalb einer Woche weg zu sein. Dem nach Dortmund wechselnden Lotka ist nach diesem Spiel nun auch eine schwache Leistung vorzuwerfen.

Seine so hochgelobte Kommunikation ließ sehr schnell nach, seine Abwehr konnte er kaum noch pushen und auch im Tor konnte er sich dieses Mal nicht so auszeichnen wie noch gegen Freiburg. Immerhin war er 43 Mal am Ball, versuchte die Bälle gewissenhaft zu verteilen oder mal einen Angriff einzuleiten, doch es verpuffte nahezu alles wirkungslos. Während seine sehr gewagten Ausflüge aus dem Strafraum mit zusätzlichen Fehlpass gegen Freiburg noch unbestraft blieben, leistete er seiner Mannschaft gegen die Eintracht einen kapitalen Bärendienst.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

In der 56. Minute lief er völlig ohne Not und in fehlender kommunikativer Absprache mit seiner Verteidigung, insbesondere Boyatas, aus dem Strafraum, um die Situation zu klären. Doch sein Fehlpass war die hervorragende Einladung an Lindström, der per feinen Heber das vorentscheidende 3:0 für Frankfurt erzielte. Marcel Lotka ist damit innerhalb einer Woche auf das verunsicherte Niveau der Mitspieler gefallen.

Davie Selke, Maxi Mittelstädt und Lucas Tousart: Die Einstellung stimmt

Irgendwo muss man die Hoffnung suchen. Immerhin geben sich nicht alle auf, das kann und muss man festhalten. Nach dem Spiel gaben Marc Oliver Kempf und Davie Selke bei Sky-Interviews, die einerseits voller Frust, aber eben auch voller Wahrheit waren. Es muss was geschehen, sonst wird es dunkel. Doch es stellt sich die Frage, ob sich ein Kempf, der eine mehr als schwache Leistung gegen Frankfurt zeigte, solch große Töne spucken und über Statisten reden sollte, während er selbst der Mannschaft in keiner Weise Stabilität bietet.

Davie Selke ist wahrlich kein Leistungsträger und auch keiner der in den letzten Jahren Bundesliganiveau zeigte. Weshalb es immer etwas bizarr anmutet, wenn er versucht, die Mannschaft anzufeuern. Aber immerhin tut er es. Sein Tor ist eines der schönsten Tore der Hertha in dieser Saison. Ein starker Volley. Der Ball ist ihm aber auch in dieser Situation sehr dankbar vor den Fuß gelegt worden. Es war ein Zufallsprodukt, wie wir es bei Hertha in dieser Saison so oft hatten. Er kam in der 56. Minute für Vladimir Darida in die Partie um noch irgendwas in der Offensive ausrichten zu können. Er rieb sich auf, könnte den einen oder anderen Ball verteilen. Immerhin brachte  er sieben seiner elf Pässe zu den Mitspielern. Auch seine vier gewonnen Zweikämpfe zeigen, dass er sich kämpferisch gibt. Doch was nützt all das, wenn sich die Mannschaft nach dem einzigen Hoffnungsschimmer, direkt wieder niederringen lässt?

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Lucas Tousart scheint die Situation und Lage verstanden zu haben. Immerhin kämpft er, wirkt wacher und nicht mehr so lethargisch und überfordert, wie in den vielen Wochen und Monaten zuvor. 12,11 km lief er, mehr als jeder andere. Doch auch seine Statistiken zeigen zu wenig Ertrag. 17 Ballverluste, nur fünf von elf gewonnenen Zweikämpfen. Das ist zu wenig. 57 Prozent seiner Pässe kamen an. Nur einer seiner sechs langen Bälle kam beim Mitspieler an. Statistisch war Tousart keine Hilfe, das muss man festhalten, aber er zeigt, was Einsatz ist und was Abstiegskampf bedeutet. Es wäre schön, wenn es ihm gelänge, das in Konstanz umzumünzen.

Maximilian Mittelstädt hatte zuletzt gefehlt. Und das sehr. Aktuell ist er das Herz der Mannschaft, so viel Leidenschaft, wie er noch versprüht. Und es gibt wenige bei Hertha, die die Fans gerade so mitreißen können, wie er. Er war wieder einer der aktivsten, hatte 69 Ballaktionen, gewann fünf Tacklings, 85 Prozent seiner 33 Pässe kamen beim richtigen Adressaten an. Er gewann neun seiner zwölf Zweikämpfe, eine vernünftige Quote. Doch auch er verlor wie seine Mitspieler zu viele Bälle. 13 an der Zahl waren es letztendlich. 

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Sein Ausraster vor der gelben Karte in der 74. Minute war die Gefühlswelt der Hertha-Fans, die den Frust im Abstiegskampf Woche für Woche spüren. Man merkt, wie nahe Mittelstädt die aktuelle Situation geht. Er ist in dieser Saison enorm gereift und zum Führungsspieler gewachsen und wird in den nächsten Wochen eine sehr wichtige Komponente im Abstiegskampf werden.

Korkut: Die Hoffnung stirbt zuletzt, doch sie schwindet

Von Anfang an lief die Hertha dem Ball hinterher. Die Spieler spielten, als hätten sie Zementsäcke an den Beinen, waren mit allem was sie taten überfordert und mit dem Kopf ganz weit weg. Es kamen schwerwiegende individuelle Fehler dazu. Aber was über allem steht, ist, dass diese Mannschaft keine Mannschaft ist und auch nicht die Qualität für ein gutes Bundesliga-Spiel hat.

Hertha hat mittlerweile die schlechteste Punkteausbeute der Rückrunde. Der VfB Stuttgart hat den Abstiegskampf angenommen und beginnt zu punkten, genauso wie alle anderen, die unten stehen. Nur noch einen Punkt sind die Schwaben dahinter und sind drauf und dran, die Lichter in Berlin immer dunkler zu schalten. Fredi Bobic wollte sich nach dem Spiel nicht äußern, weshalb, darf gemunkelt werden. Tayfun Korkut, der wieder einmal eine klägliche Figur im Interview abgab, hat keine Argumente auf seiner Seite, scheint gänzlich das Team verloren zu haben. Die Frage, ob er es jemals wirklich erreicht hatte, muss gestellt werden, bei einer Gegentorflut, die ihres Gleichen sucht. Hoffnung macht der Einsatz Einzelner.

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(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Zusätzlich waren Spieler wie Marc Oliver Kempf und Davie Selke nach dem Spiel sehr offen und haben klar gesagt, dass sich etwas ändern muss. Allerdings befinden wir uns mittlerweile in einem Teil der Saison, wo Interviews rein gar nichts mehr bringen. Leistung und Einsatz müssen abgerufen werden und wenn das nur von einigen wenigen kommt, ist es zu wenig im Abstiegskampf.

[Titelbild Maja Hitij/Getty Images]