1. FSV Mainz 05 – Hertha BSC: Auf der Suche nach Stabilität

1. FSV Mainz 05 – Hertha BSC: Auf der Suche nach Stabilität

Die Länderspielpause ist zu Ende, schon am Samstag steht das nächste Bundesligaspiel für Hertha BSC an. Dabei ist die Pause vielen wie eine Ewigkeit vorgekommen. Grund dafür ist wohl der bittere Beigeschmack, den die Hertha-Fans seit der letzten Partie in Gelsenkirchen verpüren. Da konnte die Pause gar nicht lang genug sein. Warum die Gefühlslage in Mainz große Ähnlichkeiten zur der im Hertha-Fanlager aufweist, wo die Probleme beim Gegner liegen und warum es trotzdem Gründe gibt, optimistisch zu sein, wollen wir hier im Vorbericht klären.

Heute haben wir das Glück die “@Wortpiratin” Mara Pfeiffer als Verstärkung für diesen Vorbericht zu haben. Mara ist Journalistin, Autorin, unter anderem auch beim Früf Podcast aktiv und hat sich die Zeit genommen, unsere Fragen zum 1. FSV Mainz 05 zu beantworten.

Mainz und Hertha – eine Ähnliche Ausgangslage

In München ging Mainz in Führung, verlor am Ende aber 6:1. (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

In den drei ersten Bundesliga-Spielen konnten die Mainzer keine Punkte holen. Bereits am ersten Spieltag musste man sich in Freiburg mit 0:3 geschlagen geben, im ersten Heimspiel der Saison hieß es dann 1:3 gegen Borussia Mönchengladbach. Die 1:6-Niederlage in München dürfte kaum einer übersehen haben. Zwar waren zwei der drei ersten Gegner hochklassige Vereine, gegen die man durchaus mal verlieren kann. Trotzdem fühlt sich sicher kein Verein auf dem letzten Tabellenplatz wohl, auch nicht am dritten Spieltag.

Wenn unsere Mainz-Expertin unsere Fragen zur sportlichen Situation am Rhein beantwortet, fällt auf, dass sie Begriffe benutzt, die zuletzt auch in der Berichterstattung rund um Hertha BSC fielen. Das Auftreten ihrer Mannschaft in den schwachen Phasen der letzten Wochen beschreibt Mara als “hilflos” und “als ob man sich aufgegeben hätte.” Gegen den FC Bayern München inbesondere spricht sie von “Auflösungserscheinungen”.

“Die Mannschaft ist eigentlich gut in diese (die ersten vier Pflicht-) Partien gekommen und hat etwa eine halbe Stunde die vom Trainer vorgegebene Marschroute eingehalten”, erklärt uns Mara. Trotzdem fielen zum Teil “binnen sehr kurze Zeit zwei, drei Gegentreffer (…), teilweise begünstigt durch individuelle Fehler. (…) Da wirkte das Team extrem unsortiert.” Individuelle Fehler kennt man auch in der Hauptstadt zuletzt nur zu gut.

Große Beunruhigung oder Angst kommt natürlich so früh in der Saison noch nicht auf. Mara sagt zu der Stimmungslage am Rhein: „Natürlich belastet jedes weitere Negativerlebnis den Verein, so ist nun mal der Sport, aber in Panik gerät hier so schnell niemand.“ Auf die Nachfrage, ob es bei einer erneuten Niederlage im Umfeld und Verein noch unruhig werden könnte, verrät uns Mara: „Meiner Ansicht nach ist es in Teilen des Mainzer Umfeldes dauerhaft unruhig, seit Christian Heidel und Harald Strutz nicht mehr da sind.“ Trotzdem seien die Akteure um die Mainzer Profis selbst „extrem ruhig (…), was nicht heißen soll, dass man die Situation unterschätzt.“

Mainz mit Verletzungssorgen – wer ist gegen Hertha fit?

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Doch auch personell haben die Rheinhessen einige Sorgen. Nach dem Karriereende von Niko Bungert wurde, wie uns Mara berichtet, reagiert und Jeremiah St. Juste (22 Jahre) für etwa 9 Millionen Euro aus Rotterdam geholt. Dieser war zwar diese Woche noch angeschlagen, stand aber diese Woche wieder auf dem Trainingsplatz und müsste rechtzeitig für das Spiel gegen Hertha wieder in der Startelf stehen. Das wird nicht wenige in Mainz erleichtern, denn auch Stefan Bell fällt bekanntlich länger aus. Viele Innenverteidiger bleiben den 05ern nicht mehr.

Auch im Sturm gibt es Probleme: dort fallen Jean-Philippe Mateta und Dong-Wong Ji auch aus, letzterer sogar wohl bis zum Ende der Hinrunde. Eine gute Alternative sieht Mara in Ádám Szalai. Der Ungarische Nationalspieler kam jedoch angeschlagen aus der Länderspielpause und ist für das Spiel am Samstag fraglich. Auch Torhüter Florian Müller ist angeschlagen und könnte am Wochenende ausfallen. Aufpassen sollte Hertha aber wohl auf Mittelfeldspieler Edimilson Fernandes. Dieser ist Mara insbesondere durch seine starke physische Präsenz gut aufgefallen.

Gerade in solchen Situationen, in denen das Personal knapp wird, setzen Vereine gerne auch auf die Jugend. In der Vorbereitung konnte einige junge Spieler beim FSV auf sich aufmerksam machen. Aktuell sei ein Einsatz von neuen jungen Talenten jedoch in Maras Augen “keine Option, jetzt sollte erstmal was Ruhe und Beständigkeit in die Mannschaft kommen.”

Hertha seit 2015 in Mainz Tor- und Sieglos

Konnte bisher nicht die richtige Balance in der Mannschaft aufbauen – Ante Covic. (Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Einen besseren Übergang zu Hertha BSC gibt es hier quasi nicht, denn auf der Suche nach Ruhe und Beständigkeit ist die Mannschaft von Ante Covic allemal. Zu der Situation von Ante Covic und der Suche nach Ruhe haben wir zuletzt einen Artikel geschrieben. Es wird immens wichtig sein, im Spiel gegen die Rheinhessen ein gutes Ergebnis zu holen, doch gerade eine solche Situation konnte man bei der “alten Dame” zuletzt nicht nutzen.

Ein angeschlagener Gegner mit null Punkten und Personalsorgen – in der Vergangenheit wurde Hertha BSC leider zu oft zum Aufbaugegner für gerade solche Vereine. Nicht zuletzt im letzten Spiel in Gelsenkirchen, wo die Berliner auch noch gastfreundlich die ersten beiden Bundesligatore für den Gegner selbst erzielten. Auch die Statistik spricht nicht gerade für die Blau-Weißen: in den letzten vier Spielen in Mainz konnte man keinen Treffer erzielen. Das letzte Tor erzielte Roy Beerens zum 2:0-Auswärtssieg in 2015, am ersten Spiel unter Pal Dardai.

Auch die Berliner mussten durch individuelle Fehler Gegentreffer kassieren, wirkten im Spiel nach vorne oft ideenlos und ohne Durchschlagskraft. Die Balance zwischen Offensive und Defensive klappte bislang nicht und das obwohl man aktuell deutlich weniger von Verletzungen als beispielsweise der kommende Gegner geplagt ist. Ante Covic wollte gerade dort ansetzen, die Länderspielpause nutzen um die Anfälligkeit der Hertha-Defensive zu richten und effizienter nach vorne zu spielen. Doch wie wird sich das auf die Startelf der Berliner auswirken?

Marius Wolf vor Debüt

Stabilität ist sicher keine Sache, die nur einen Mannschaftsteil betrifft, sondern die komplette Mannschaft fordert. Taktische Wechsel, mentale Arbeit innerhalb der Mannschaft und neue Trainingsschwerpunkte werden sicherlich auf der Liste von Ante Covic gewesen sein, doch auch individuell könnte es Veränderungen geben.

Neuzugang Marius Wolf hat bereits sehr gute Eindrücke im Training hinterlassen und Lob vom Cheftrainer erhalten. Er hat also gute Chancen auf einen Startelfeinsatz, auch schon gegen Mainz. Die Frage wird natürlich sein, auf welcher Position er eingesetzt wird. Lukas Klünter konnte bisher ordentliche Leistungen zeigen, sodass Wolf eher auf der rechten offensiven Außenbahn eingesetzt werden könnte, wo zuletzt Rekordtransfer Dodi Lukebakio agierte. Dieser könnte beispielsweise in den Mittelsturm wechseln und den zuletzt schwachen Vedad Ibisevic ersetzen. Dies scheint jedoch unwahrscheinlich, auch weil Ante Covic den Belgier nicht als einzige Spitze sieht. Auf der linken Seite könnte Lukebakio ebenfalls agieren, dort sind aber auch Javairo Dilrosun, Maximilian Mittelstädt und Salomon Kalou eine Option.

Ein Systemwechsel zum 3-5-2 könnte ebenfalls eine Lösung sein: Lukas Klünter und Marius Wolf würden zusammen auf dem rechten Flügel spielen und Dodi Lukebakio könnte zusammen mit Vedad Ibisevic oder Davie Selke im Sturm agieren. So oder so scheint es wahrscheinlich, dass Wolf am Samstag sein Debüt für Hertha BSC feiern wird. Auch im Sturm könnte es einen Wechsel geben, wenn Ante Covic Kapitän Ibisevic auf die Bank befördert.

Mit personellen Änderungen zurück zur Stabilität?

Jordan Torunarigha ist ein Kandidat für die Startelf. (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Aus der Startelf rotieren könnte auch Karim Rekik. Seine schwachen Leistungen in den ersten Spielen haben seinen Status nicht gerade gestärkt und auf der Bank warten mit Dedryck Boyata sowie Jordan Torunarigha zwei ernsthafte Startelfkandidaten. Insbesondere der 22-Jährige wird darauf brennen, sich zurück in der Startelf zu melden. Boyata wird hingegen wohl noch etwas Zeit brauchen, um für 90 Minuten Bundesliga fit zu werden.

Auch im Mittelfeld könnte etwas passieren. Schließlich bemängelte Herthas Cheftrainer zuletzt auch, dass der Mannschaft die Basics fehlten. “Kompaktheit, Laufbereitschaft und Willen” seien gefordert, um “wieder mehr Sicherheit und Stabilität reinzukriegen.” Im Kader steht mit Per Skjelbred ein Spieler, der gerade diese Qualitäten verkörpert, wie kaum ein anderer in Hertha-Dress. Sollte es einen Zeitpunkt geben, um die Stärken des Norwegers zu nutzen, dann wäre es wohl jetzt. Auch Neuzugang Eduard Löwen könnte beginnen. Dafür müsste jedoch entweder Vladimir Darida oder Marko Grujic weichen. Beide konnten in den letzten beiden Spielen nicht überzeugen.

Unabhängig von personellen Wechsel wird vor allem die mentale Stärke und eine gute Mannschaftsleistung von Nöten sein, um die ersten drei Punkte der Saison zu holen. Ante Covic hat sehr viele Optionen und genug Zeit in der Pause gehabt, um Lösungen für die Probleme der „alten Dame“ zu finden. Sollten die Ergebnisse weiterhin nicht stimmen, wird es für den Berliner Coach andere Gründe für schlaflose Nächte geben.

Herthaner im Fokus: FC Schalke 04 – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: FC Schalke 04 – Hertha BSC

Als im Sommer klar wurde, wie das Auftaktprogramm von Hertha BSC in dieser Saison aussehen würde, machten sich nicht wenige Sorgen darüber, dass es mit dem frühen Punkte Sammeln schwierig werden könnte. Angesichts der bisherigen Gegner ist ein Punkt in drei Spielen sicherlich kein Beinbruch. Beim 0:3 in Gelsenkirchen war es jedoch wieder die Art der Niederlage, die die Fans am meisten verärgerte – wie auch schon im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg.

Gefühlt chancenlos musste man sich am Wochenende geschlagen geben. Dazu warf man sich zum Teil mit zwei Eigentoren und fahrlässigem Defensivverhalten selbst aus der Bahn. Offensiv war das Spiel der „alten Dame“ größtenteils von Ideenlosigkeit und Ungenauigkeiten geprägt. In unserer Einzelkritik werfen wir einen Blick auf die Spieler, die dabei besonders auffielen.

Karim Rekik und Niklas Stark – im Selbstzerstörungsmodus

Karim Rekik kann in dieser Saison bisher nicht überzeugen (Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Zwei Eigentore in einem Spiel gibt es sicher nicht häufig, schon gar nicht in der Bundesliga (zuletzt übrigens 2009). Bezeichnend ist dabei auch, dass es in Gelsenkirchen gleich beide Stammkräfte in der Innenverteidigung erwischte. Sowohl Niklas Stark als auch Karim Rekik fielen durch folgenschwere Patzer auf, es war für beide Spieler ein Tag zum vergessen. Doch den gab es leider auch schon gegen den VfL Wolfsburg.

Die Gegentore der letzten Wochen fielen zwar alle viel zu leicht, doch den Ball für den Gegner selber über die Linie zu drücken, ist wohl ein neuer Tiefpunkt. Zwar konnte die Hertha-Defensive dieses Mal einen Strafstoß vermeiden, trotzdem fiel erneut auf, wie unglücklich und zum Teil kopflos die Berliner Abwehr agierte. Als bestes Beispiel dafür dient neben den Eigentoren auch die Szene in der 44. Minute. Niklas Stark war im eigenen Strafraum im Ballbesitz, doch anstatt in Ruhe zu klären, wartete er darauf, dass Rune Jarstein sich den Ball holt. Sein Torhüter aber blieb im Tor, sodass sich Stark den Ball von Burgstaller abnehmen ließ und nur ein Fehlschuss vom Stürmer aus Gelsenkirchen schlimmeres verhinderte.

Ein Totalausfall, der nicht isoliert zu betrachten ist, weil es solche Aktionen zuletzt zu oft gab. „Im Moment muss der Gegner nicht viel machen, um gegen uns zu treffen“, sagte Ante Covic am Sonntag dazu. Das ist zweifelsfrei wahr: so überragend nach vorne spielten sowohl die Wolfsburger als auch die Königsblauen nicht. Am Ende kassierten die Hauptstädter trotzdem sechs Gegentreffer.

Cheftrainer Covic stellte sich zwar schützend vor seinen Innenverteidigern, sprach von „Pech“ und stellte klar: „Es hilft nur eins dagegen – arbeiten und Ärmel hochkrempeln“. Doch was auch immer die Gründe für die Anfälligkeit der blau-weißen Defensive ist, es stellt sich langsam die Frage, ob nicht ein personeller Wechsel von Nöten ist. Auf der Bank wartet nämlich Jordan Torunarigha, der Startelfambitionen hegt und nur auf seine Chance wartet. „So kann es nicht weitergehen“, hieß es von Niklas Stark nach der desaströsen Vorstellung in Gelsenkirchen. Ein treffender Abschlusssatz zu der aktuellen Situation in der Defensive. Nach vier Pflichtspielen stehen neun Gegentreffer zu Buche.

Dodi Lukebakio – undankbarer Beginn im neuen Team

Lukebakio blieb in Gelsenkirchen glücklos. (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Eigentlich war Dodi Lukebakio einer der aktiveren Spieler der Partie. Viel wurde über ihn versucht, oft mit langen Bällen nach vorne. Erneut wurde der Belgier auf der rechten Seite aufgestellt. Dieses Mal fiel er leider vor allem durch schwache Ballannahmen auf. Zu oft versprang ihm der Ball, oft dauerte es zu lange, ehe der 21-jährige mit der Kugel urchstarten konnte.

Dabei war er es, der in der 10. Minute die bis dahin größte Chance des Spiels hatte. Aus sehr guter Position konnte er jedoch Alexander Nübel nicht bezwingen und verpasste die Gelegenheit, Hertha zum ersten Mal in dieser Bundesliga-Spielzeit mit 1:0 in Führung zu bringen. In der zweiten Halbzeit zeichnete sich ebenfalls ab, dass es nicht sein Spiel werden würde. 35 Ballkontakte und nur 33 % gewonnene Zweikämpfe weisen auch darauf hin, dass der Berliner Angreifer Schwierigkeiten hatte, sich durchzusetzen.

Trotz seiner schwachen Leistung sollte hier nicht der Fehler begangen werden, voreilige Schlüsse über den Rekordtransfer zu ziehen. Sowohl in der Fitness als auch in der Abstimmung im Team hat Lukebakio einiges nachzuholen und ist mit Sicherheit noch nicht bei 100 Prozent. Er wird die Gelegenheit haben, sich zu steigern und diese Saison eine wichtige Rolle für die „alte Dame“ zu spielen. Der Wechsel von Marius Wolf könnte zudem die Qualität der rechten Seite bei Hertha BSC steigern und auch Lukebakio zu Gute kommen.

Vedad Ibisevic – Der Wille ist da, das Tor nicht

Wartet noch auf sein erstes Saisontor: Vedad Ibisevic (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Zugegeben: es war ein undankbares Spiel für Vedad Ibisevic. Es klappte für seine Mannschaft nach vorne so gut wie gar nichts, er selber wurde sehr selten in Szene gesetzt und musste oft den Ball weit vom Tor suchen. Er führte zwölf Zweikämpfe, gewann 50 % davon, konnte zwei Freistöße herausholen. Heraus kam leider zu wenig. Nur eine gute Chance konnte sich der gebürtige Bosnier herausarbeiten, als er kurz vor der Halbzeit den Ball per Kopf über den Kasten beförderte. Dazu holte er sich eine eher unnötige gelbe Karte ab.

Man kennt und schätzt den 35-Jährigen in Berlin für seine eiskalte Art vor dem Tor, und seine Fähigkeit aus Halbchancen mal ein Tor zu erzielen. Auf einen solchen Treffer warten die Berliner Fans jedoch in dieser Bundesliga-Saison weiterhin. Auch gegen Gelsenkirchen gelang ihm kein Torerfolg. In der 50. Minute traf Ibisevic zwar das Tor, allerdings aus eindeutiger Abseitssituation. Es wurde korrekterweise nicht gegeben.

Nur zehn Minuten später war dann der Arbeitstag vom Hertha-Kapitän auch wieder zu Ende. Konkurrent Davie Selke kam in die Partie, konnte dieser allerdings auch nicht sein Stempel auflegen. Das Stürmerduell zwischen Ibisevic und Selke kann bisher niemanden so richtig befriedigen. Ibisevic hat zwar die Nase vorn, doch weder er, noch Selke können die so wichtigen Treffer für Hertha erzielen. Es sollte ein erbarmungsloser Konkurrenzkampf zweier torhungrigen Vollstürmern werden, bisher fehlen nach vorne jedoch einfach die Ideen, um auch nur einen der beiden gut in Szene zu setzen.

Für Ante Covic wird es jedenfalls nicht leichter, seine Mannschaft im nächsten Spiel aufzustellen. Hertha braucht dringend wieder Tore, inbesondere auch von seinen Torgaranten.

Javairo Dilrosun – ein Funken Hoffnung

Dilrosun letztes Jahr noch als Vorbereiter für Ondrej Duda. (Foto: Patrik Stollarz/AFP/Getty Images)

Ein Spieler trat am Samstag doch leicht positiv in Erscheinung. Im vergangenen Jahr konnte er in Gelsenkirchen kurz nach seiner Einwechslung sehenswert einen Treffer von Ondrej Duda vorbereiten. Dies gelang Javairo Dilrosun dieses Mal zwar nicht, als er in der 61. Minute für den blass gebliebenen Maximilian Mittelstädt eingewechselt wurde.

Doch auch ohne Torvorlage war es der Niederländer, der in den letzten zwanzig Minuten die wenigen Berliner Angriffe einleitete. Nach seiner Verletzung zeigte sich der junge Flügelstürmer hochmotiviert und gefährlich. In einer knappen halben Stunde kam er auf 27 Ballkontakte, einen mehr als Mittelstädt, der die doppelte Spielzeit hatte. In der 67. Minute bereits konnte Dilrosun in Erscheinung treten, schlug den Ball an der Strafraumgrenze über das Tor von Nübel. Kurz vor Schluss fehlte nicht allzu viel, um noch den Ehrentreffer zu erzielen: sein Freistoß landete nur am Außennetz.

Zugegeben: eine überragende Vorstellung war es vom schnellen Niederländer auch nicht. Trotzdem verspricht seine Einwechslung eine gute Alternative auf den Außen. Seine Rückkehr weckt die Hoffnung, dass endlich wieder Gefahr und Unberechenbarkeit über die Flügel der Berliner zurückkehrt. Tatsächlich ist die fehlende Gefahr der Offensive aktuell ein fast so großes Problem, wie die anfällige Defensive. Ein Funken Hoffnung also in sonst eher düsteren Hertha-Wochen.

Selke und Ibisevic – ein Kopf-an-Kopf-Rennen

Selke und Ibisevic – ein Kopf-an-Kopf-Rennen

Eine Frage bleibt noch vor dem ersten Pflichtspiel dieser Saison am Sonntag ungeklärt: wer soll bei Hertha in der Spitze stürmen? Selke und Ibisevic sind beide in der Vorbereitung fit geblieben und liefern sich bereits jetzt einen gnadenlosen Konkurrenzkampf. Es gibt im neuen System unter Neutrainer Ante Covic wohl auch nur eine Startposition als Stoßstürmer. Wer startet am Sonntag für Hertha gegen den VfB Eichstätt? Wer steht gegen den FC Bayern in der Startelf?

Luxusproblem oder „Warten auf Selke“?

Eigentlich gab es eine klare Vorstellung bei Hertha BSC, als man 2017 die Rekordsumme von geschätzten 8,5 Millionen Euro hinlegte, um sich die Dienste von Davie Selke zu sichern. Der aus Leipzig gewechselte Mittelstürmer sollte mittelfristig Nachfolger von Vedad Ibisevic in der Sturmspitze werden.

Bis zur Verpflichtung von Lukebakio Herthas Rekordtransfer – Davie Selke (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

1,94 Meter groß, schnell, kopfballstark und vor allem eiskalt vor dem Tor: Selke war vom Profil her genau der Richtige, um in die großen Fußstapfen von Vedad Ibisevic zu treten. Doch bis heute hat sich keine endgültige Fackelübergabe ergeben, im Gegenteil. Vergangene Saison kam der Bosnier auf 1.821 Spielminuten in der Bundesliga, Selke auf 1.730. Dabei konnten beide Stürmer Scorerpunkte sammeln.

Ibisevic konnte zehn Treffer erzielen und drei Tore vorbereiten. Selke hat eine nahezu umgekehrte Statistik: er konnte nur drei Treffer erzielen, gab jedoch neun Torvorlagen ab. Beide Stürmer haben nicht die schlechteste Saison gespielt, aber eben auch keine so gute, als dass sich einer von beiden hätte klar durchsetzen können. Nicht einfach also für Trainer Covic, anhand der Statistik der letzten Saison eine Entscheidung zu treffen.

Selke mit der ersten kompletten Vorbereitung

Es lohnt sich also ein individueller Blick auf beide Spieler. Einer der Hauptgründe, warum sich Selke bisher noch nicht durchsetzen konnte, ist die Fitness. Sowohl 2017/18 als auch 2018/19 konnte er aufgrund von Verletzungen keine komplette Vorbereitung absolvieren, brauchte viel Zeit, um wieder in Form zu kommen. 2017/18 verpasste der ehemalige deutsche U-Nationalstürmer den kompletten Saisonstart, machte sein Bundesligadebüt für Hertha erst am 14.10.2019 gegen den FC Schalke 04. Damals folgten jedoch zehn Treffer in der Bundesliga und vier in der Europa League.

Im letzten Sommer erlitt Selke eine noch kompliziertere Verletzung (Pneumothorax). Er verpasste ebenfalls den Saisonauftakt, kam dann lange nicht in Schwung und wurde erst am 01.12.2019 in der Startelf eingesetzt. Sein Konkurrent Ibisevic hingegen ist durchgehend fit, war bis auf seine Sperren fast immer einsetzbar.

Diese Vorbereitung jedoch verläuft für Davie Selke bisher verletzungsfrei. Wie wichtig eine sorglose Vorbereitung sein kann, hat sich in jüngerer Vergangenheit bereits bei anderen Hertha-Spielern gezeigt. „Ich fühle mich sehr gut, fit und bereit. Immer wenn ich diesen körperlichen Stand hatte, konnte ich auf dem Platz Leistung zeigen“, sagte der 24-Jährige diese Woche im Interview.

Tore als Hauptargument

Selke und Ibisevic werden auch diese Saison eher selten zusammen stürmen (Foto: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images)

Unter Leistung versteht Selke auch die Fähigkeit, viele Tore zu schießen. Wie bereits angesprochen, konnte er vergangene Saison viele Vorlagen geben. Aufzulegen sei jedoch nicht sein primäres Ziel. „Ich will jetzt wieder auf Tore umschalten. (…) Mein Ziel ist es, zweistellig zu treffen. Das ist mein Anspruch”, so der junge Stürmer. Auch im Konkurrenzkampf zwischen Ibisevic und Selke werden die Tore das Hauptargument sein. Das sieht auch Deutschlands Nationaltrainer Joachim Löw so. Dieser sagte diese Woche in Bezug auf Davie Selke: „Er ist ein positiver Spielertyp mit unglaublichem Engagement und Tempo. Das sind positive Ansätze, aber da muss auch noch ein Entwicklungsschub kommen. Ich würde mir wünschen, dass solch ein Spieler auch mal 12, 15 Tore in einer Saison erzielt.“

Wenn man sich die Vorbereitungsspiele diesen Sommer heranzieht, stehen beide Stürmer jeweils bei drei Treffern. Allerdings hinterließ bisher Ibisevic den besseren Eindruck. Fallrückziehertor und -Vorlage, schönes Kombinationsspiel, wie auch viel Kampf und Intensität in den Zweikämpfen – der Bosnier zeigte im Laufe der Vorbereitung, dass er trotz seines vorangeschrittenen Alters keineswegs abzuschreiben ist.

Die Bestätigung von Vedad Ibisevic als Kapitän durch Ante Covic könnte ein Hinweis darauf sein, dass dieser erneut eine zentrale Rolle spielen wird. Doch ein Kapitänsamt sichert keineswegs eine Stammplatzgarantie. Außerdem wird es auch wichtig sein, dass der temperamentvolle Angreifer seine Nerven im Griff hat. Eine erneute lange Rotsperre würde sicherlich kein gutes Argument für ihn sein.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Selke soll wieder mehr Tore als Vorlagen schießen (Foto: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images)

Auch Selke ist bewusst, dass es nicht einfach sein wird, an dem 34-Jährigen vorbeizukommen. „Es geht neu los, das wird wieder ein gutes Duell. Aber der Konkurrenzkampf treibt uns an. Wer besser performt, wird spielen. Ich schaue in erster Linie auf das, was ich beeinflussen kann. Dazu gehören Fitness und Trainingsarbeit.

Wenn man von Fitness und guter Trainingsarbeit im Sturm von Hertha BSC spricht, muss man auch auf die restlichen Stürmer im Kader schauen. Pascal Köpke zählte bereits letzte Saison zu den Spielern, die im Training am meisten arbeiteten, jedoch aufgrund der Konkurrenzsituation keine wirkliche Rolle spielten. Auch in dieser Vorbereitung war er sicher nicht der Schlechteste, erzielte im Testspiel gegen West Ham United sogar einen Doppelpack.

Doch der von Erzgebirge Aue nach Berlin gewechselte Stürmer konnte in der letzten Spielzeit bei den Profis nur 68 Pflichtspielminuten sammeln. Auch in der neuen Saison wird es für den 23-Jährigen wohl nur wenige Einsatzchancen geben. Zuletzt sollte es Interesse von Dynamo Dresden geben, eine Leihe wäre sicher eine sinnvolle Lösung für alle Parteien. Eine weitere Saison auf der Bank oder Tribüne wäre sowohl für Hertha als auch für Köpke alles andere als optimal.

Redan und Kiprit für die Zukunft

Bisher nur Stürmer Nummer drei – Pascal Köpke (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Weitere ernsthafte Konkurrenten in der Sturmspitze gibt es wohl erst einmal nicht. Der junge Muhammed Kiprit wird im Moment in der Regionalliga eingesetzt und scheint noch weit weg von einer Stammposition in der Profi-Mannschaft zu ein. Neuzugang Daishawn Redan konnte bereits im Trainingslager positiv auf sich aufmerksam machen. Er soll sich langfristig in die erste Elf spielen, diese Saison erstmal für die U23 stürmen. Er könnte aber, ähnlich wie sein Landsmann Javairo Dilrosun vergangene Saison, bereits in der neuen Saison einige Pflichtspielminuten sammeln und mit Joker-Einsätzen bei den Profis reinschnuppern.

Rekord-Neuzugang Dodi Lukebakio kann zwar auch in der Spitze spielen, wird allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit eher auf den Außen eingesetzt werden. Dort hat Hertha am meisten Bedarf. Es wird also in der Sturmspitze ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Selke und Ibisevic. So oder so: Tore müssen her und beide Spieler haben bewiesen, dass sie wissen, wie man Tore schießt. Für Ibisevic ist es wohl die letzte Saison für den Hauptstadtverein, doch auch für Selkes Karriere ist es eine äußerst entscheidende Spielzeit. Für Herthas Zukunft wäre es von großer Bedeutung, wenn er jetzt endlich den nächsten Schritt machen würde.

Wie der Körper die Karriere entscheidet – Hertha und die Fitness

Wie der Körper die Karriere entscheidet – Hertha und die Fitness

Die Saisonvorbereitung neigt sich ihrem Ende zu und langsam zeichnet sich ab, mit welchen Spielern Hertha BSC in die Saison starten wird. Doch nicht nur die Transferperiode verändert sich die Kadersituation – auch Fitness und Verletzungen haben einen großen Einfluss darauf, wer am Ende auf dem Platz steht. Wir haben uns angeschaut, wie es um die Fitness-Situation im Berliner Kader aktuell bestellt ist.

Wer musste letzte Saison mit dem eigenen Körper kämpfen? Wer war immer fit? Wie verletzungsanfällig sind unsere Neuzugänge? Wie sehr entscheidet der Körper über die Karriere eines Profis?

Der Körper als Karriere-Kompass

Verletzungen sind Teil des Fußballs: jeder Verein rechnet hinsichtlich seiner Kaderplanung mit Ausfallzeiten seiner Profis. Im Laufe der Saison beschweren sich jedoch immer wieder Vereine, wie viele verletzte Spieler sie doch im Kader hätten und wie sehr es die sportlichen Leistungen negativ beeinflusse. Für den einzelnen Profi ist die körperliche Fitness mit das wichtigste und kann darüber entscheiden, welche Sphären ein Spieler in seiner Karriere erreicht. Umso wichtiger ist es also bereits zu Beginn der Profi-Laufbahn die Grundbausteine für eine guten körperlichen Zustand zu legen.

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Bei jungen Spielern ist die Gefahr nämlich groß, dass diese aus Übereifer und fehlender Erfahrung den eigenen Körper zu früh wieder voller Belastung aussetzen und ihre Verletzungen dadurch nicht komplett auskurieren. Bestes Beispiel dafür, wie man sich durch dieses Verhalten eine Saison kaputt machen kann, ist der Fall von Eigengewächs Jordan Torunarigha.

Der gebürtige Chemnitzer verpasste aufgrund mehrerer Verletzungen in der vergangenen Saison einige Spiele, kam am Ende auf nur 16 Pflichtspieleinsätze. Auch weil er nach seiner Achillessehnenverletzung zu früh wieder einstieg und sich erneut verletzte, konnte er nicht die Saison spielen, die er sich gewünscht hätte. Ex-Trainer Pal Dardai fand für seinen Schützling im Frühjahr 2019 harte Worte: „Er muss sich auch etwas umstellen. Ein Sportler braucht auch einen Körper.“

Ob Champions League oder zweite Liga, da entscheidet am Ende der Körper mit. „Nur wer fit ist, spielt auch“, weiß jeder Fußball-Fan. Torunarigha selbst zeigte sich dazu im Morgenpost-Interview einsichtig: „Ich muss lernen, besser auf meinen Körper zu hören. Auch wenn sich ein Problem nur leicht anfühlt, dem Trainer sagen: Ich mache lieber noch eine Woche länger Pause, anstatt­ dann für ein oder zwei Monate auszufallen.“ Damit das klappt, hat der 21-Jährige im Sommer mit anderen Hertha-Profis einen privaten Fitness Trainer eingestellt, um in der Vorbereitung bereits mit einer guter Basis zu starten. Eine wichtige Erkenntnis also für den jungen Berliner Profi, denn letztlich wird seine Fitness und sein Umgang mit dem eigenen Körper entscheidend dafür sein, wo seine Karriere hingeht.

Erfahrung hilft bei der Vermeidung von Verletzungen

Pal Dardai sagte im Frühjahr bereits in Bezug auf Torunarighas Verletzungsanfälligkeit: „Wenn seine Zweikampfführung erfahrener wird, dann wird er auch besser und geht nicht mehr in unnötige Zweikämpfe rein.“ Dass Erfahrung dazu beiträgt, unnötige Verletzungen zu vermeiden, zeigt sich unter anderem auch bei den erfahrenen Spielern in der Hauptstadt: Salomon Kalou und Vedad Ibisevic. Betrachtet man die letzten drei Spielzeiten, konnten beide Spieler schwere Verletzungen gänzlich vermeiden und mussten nur wenige Spiele durch kleinere Unfälle wie z.B. Nasenbeinbruch (Ibisevic) oder Reisswunden (Kalou) aussetzen. Dadurch konnte der Trainer stets mit diesen Spielern planen, sodass beide das Spiel der „alten Dame“ langfristig prägten.

Verletzungen, fehlende Fitness, Trainingsunfälle – damit hat jeder Spieler zu kämpfen. Das Glückselement ist auch mit einzuberechnen, sowie auch die genetische Vorbestimmung. Jeder Körper ist in Bezug auf die Verletzungsanfälligkeit anders. Trotzdem hilft die Erfahrung und der richtige Umgang mit dem eigenen Körper, um zumindest alle Chancen auf seiner Seite zu haben.

Leckie und die Fitness, Pekarik mit Seuchensaison

Foto: Francois Nel/Getty Images

Alle Chancen auf seiner Seite hatte Mathew Leckie in den letzten Spielzeiten eher nicht. Der Australier fehlten durch die langen Flüge zur australischen Nationalmannschaft öfter die Frische, sodass er immer wieder von muskulären Problemen ausgebremst wurde.

Der 28-Jährige konnte bislang keine Saison komplett durchspielen, absolvierte immer nur etwa die Hälfte der Pflichtspiele (in der Saison 2018/19: 18 Bundesliga-Spiele). So kommt eine Karriere natürlich nur schwer in Schwung. Unter Ante Covic soll Leckie jetzt als Backup von Lukas Klünter in der rechten Verteidigung spielen. Ob er diese Rolle zuverlässig übernehmen kann, ist zweifelhaft, auch aufgrund seiner Fitness. Es ist wieder zu erwarten, dass Leckie einige Spiele verpassen wird.

Eine weitere Option für die rechte Verteidiger-Position ist Peter Pekarik. Dieser scheint momentan jedoch noch weit weg von einer Rückkehr zu sein. Der Slowake wurde 2017/18 noch 17 Mal in der Bundesliga eingesetzt, vergangene Saison stand er allerdings nur drei Mal auf dem Platz. Auch ihn warfen langwierige Verletzungen zurück. In dieser Vorbereitung hätte Pekarik nach dem Abgang von Valentino Lazaro und unter neuen Bedingungen mit Cheftrainer Ante Covic wieder angreifen können. Erneut stand ihm aber der eigene Körper im Weg. Aktuell laboriert der 32-Jährige noch an Muskelproblemen in der Wade und verpasste dadurch die wichtige Vorbereitungszeit im Trainingslager in Österreich. Wann der ehemalige deutsche Meister wieder fit ist und ob er diese Saison eine wichtige Rolle spielen kann, ist unklar. Wie wichtig eine sorgenfreie Vorbereitung dafür sein kann, hat sich jedoch oft genug schon gezeigt.

Positives Beispiel Duda, Darida meldet sich zurück

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Das beste Beispiel dafür, wie man aus einer solchen Situation herauskommen kann, zeigte vergangene Saison Ondrej Duda. Der Slowake blieb, anders als in seinen ersten zwei Jahren in Berlin, gesund und konnte in Phasen, in denen er körperlich besonders fit war, zeigen, welches Potenzial wirklich in ihm steckt. Eine komplette Vorbereitung und eine große Disziplin im Laufe der Saison, in Bezug auf sein Körper und seine mentale Stärke, bewirkte einiges. Eine ähnliche Entwicklung könnte ein anderer Hertha-Spieler einnehmen, der in den letzten Jahren komplett abgetaucht ist.

Vladimir Darida musste eine absolute Seuchensaison 2018/19 durchstehen. Aufgrund mehrerer Verletzungen konnte er nie wirklich seine Chance ergreifen, wurde nur in elf Pflichtspielen eingesetzt, davon nur zwei über 90 Minuten. In der laufenden Vorbereitung meldete er sich allerdings beeindruckend zurück und scheint wider Erwarten die Startelf-Positionen angreifen zu können. Auch bei dem 28-Jährigen ist bekannt, welch große Rolle die Physis im Laufe einer Saison spielt. Der, der früher „Die Lunge der Liga“ genannt wurde, hat wohl die geringsten Probleme damit, lange und viel zu laufen. Doch gerade für den Tschechen ist es auch wichtig, die nötige Frische zu besitzen, um gerade solche Laufleistungen abrufen zu können.

Das Fehlen von Vladimir Darida war vergangene Spielzeit auch in der Statistik spürbar: die Berliner waren eine der laufschwächsten Mannschaften der Bundesliga. Auch das soll sich unter Neu-Coach Ante Covic ändern. Doch gerade im zentralen Mittelfeld ist für Darida die Konkurrenzsituation mit Ondrej Duda, Arne Maier, Marko Grujic, Per Skjelbred, Sidney Friede und Neuzugang Eduard Löwen geradezu gnadenlos. Wohl gerade deshalb hat Darida die Vorbereitung mit aller Kraft angenommen und für sich genutzt. Auch er trainierte noch vor Beginn der Vorbereitung individuell. Cheftrainer Ante Covic sagt in Bezug auf die Motivation von Darida: „Vladi ist voller Freude dabei, er hat permanent ein Lächeln auf dem Gesicht und möchte dem Trainer schlaflose Nächte bereiten.“ Für uns Fans und Beobachter des Vereins wird es hochspannend sein zu sehen, wer bei Saisonstart im Mittelfeld die Nase vorn hat.

Lukebakio mit kurzer Verletzungshistorie, Boyata mit Fragezeichen

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Auch im Hinblick auf Neuverpflichtungen lohnt sich ein Blick auf die Verletzungshistorie. Der neue Rekordneuzugang von Hertha, Dodi Lukebakio, hat die letzte Saison in Düsseldorf verletzungsfrei überstanden und startet somit top-fit. Die Saison seines neuen Mitspielers Eduard Löwen verlief nicht komplett sorglos. Der Ex-Nürnberger konnte beim Club „nur“ 23 Pflichtspiele in der Saison 2018/19 absolvieren. Er verpasste Ende 2018 aufgrund einer Muskelverletzung einen Großteil der Hinrunde. In der Saison 2017/18 blieb der zentrale Mittelfeldspieler jedoch so gut wie verletzungsfrei. Eine besondere Verletzungsanfälligkeit ist also auch bei Löwen nicht zu erkennen.

Ganz anders ist es leider bei Dedryck Boyata. Der Belgier, der im Sommer von Celtic Glasgow nach Berlin kam, verpasste in den letzten drei Jahren einige Spiele aufgrund von Verletzungen. Inbesondere Oberschenkel- und Knie-Probleme warfen ihn immer wieder zurück. Vergangene Saison blieb der Innenverteidiger auch nicht verletzungsfrei, verpasste laut Transfermarkt.de etwa 20 Pflichtspiele. Bei seiner Ankunft an der Spree war er noch angeschlagen, trainierte anfangs nur individuell.

Im Trainingslager in Österreich meldeten sich seine Oberschenkel-Probleme einmal mehr. Zuletzt musste er erneut individuell trainieren. Ein Einsatz im DFB-Pokal am 11. August wird wohl zu früh kommen, ob es dann zum Bundesliga-Start reicht, ist auch unklar. „Wir müssen von Tag zu Tag schauen. Boyata kommt aus einer langen Verletzung. Wir brauchen Geduld.“, sagte Ante Covic. Boyata bleibt also zunächst einmal ein Fragezeichen, es wird sich zeigen, ob er im Laufe des Jahres noch zu 100-Prozentiger Fitness findet. Der Neuzugang ist ein stellvertretendes Beispiel dafür, wie wichtig die körperliche Verfassung für das Aufnehmen des internen Konkurrenzkampfes ist. Da Boyata momentan nicht Angreifen kann, wird sich Covic zunächst eine Innenverteidigung aus Karim Rekik. Niklas Stark und Jordan Torunarigha formen, sodass er sich von vornherein hinten anstellen muss.

Hiermit wurden zahlreiche Beispiele genannt, die aufzeigen, welch große Rolle die Fitness bei einem Fußballer neben Kriterien wie Talent spielt. Sie ist mit entscheidend für den individuellen Erfolg eines Spielers wie für den einer gesamten Mannschaft. Es bleibt zu hoffen, dass Hertha BSC in der kommenden Spielzeit nicht so häufig vom Verletzungspech verfolgt wird, wie es in der vergangenen Saison der Fall war. Damals hat neben anderen Faktoren auch der ständige Ausfall von Leistungsträgern zu einer erneut trostlosen Rückrunde geführt.

Die Saison des Ondrej Duda: ein Spiegelbild der Alten Dame

Die Saison des Ondrej Duda: ein Spiegelbild der Alten Dame

Die Saisonvorbereitung ist bereits voll im Gange, doch werfen wir unseren Blick noch einmal auf die vergangene Spielzeit, insbesondere auf unsere Erwartungen in der Vorbereitung. Im Sommer 2018 hatten wir eine Artikelreihe über die Spieler veröffentlicht, für die wir besondere Erwartungen hegen. Wie haben sich diese „Prospects“ denn in der Saison 2018/19 geschlagen? Wie stehen ihre Chancen unter Neutrainer Ante Covic? Den Anfang machen wir mit Ondrej Duda.

„Diese Saison 2018/19 muss die des Ondrej Duda werden“ – diese These hatten wir im Artikel über den offensiven Mittelfeldspieler gewagt. Zweifellos hat die „Number Ten“ der Blau-Weißen auf sich aufmerksam gemacht. Die Saison des Slowaken hatte es in sich, mal mit Glanzleistungen, doch auch einige Male völlig unsichtbar. Die Leistung von Duda in der vergangenen Spielzeit zeigte einige Parallelen zur gesamten Mannschaftsleistung von Hertha BSC auf.

He Scores when he wants – ein Traumstart in die neue Saison

Die erste Parallele gab es schon früh in der Saison. Hertha startete mit zehn Punkten aus den ersten vier Spielen und stellte den Klub-eigenen Startrekord ein. In diesen ersten vier Partien erzielte Ondrej Duda vier Tore, darunter ein Doppelpack in Gelsenkirchen.

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Im Anschluss konnten Duda und Hertha ihren Traumstart perfekt machen: Zuhause wurde der FC Bayern mit 2:0 geschlagen, der Slowake steuerte das zweite Tor der Blau-weißen bei. Die fehlende Konkurrenz auf seiner Position konnte er eindeutig für sich nutzen. Vor allem in dieser Phase zeigten sich auch die Stärken der Nummer Zehn, darunter auch die neue Gefahr durch Standards (zwei direkte Freistoßtreffer). Der Hauptstadtclub hatte nach langer Zeit wieder einen Spieler, der die Torjägerliste der Bundesliga anführte. 

Doch nach dem historischen Erfolg gegen den FC Bayern stockte es bei der „alten Dame“. Es folgten drei Unentschieden und zwei Niederlagen. Duda selbst erzielte zwar einen Treffer gegen den SC Freiburg, verfiel jedoch in dieser Phase zu oft in alte Muster. Er war unauffällig, verlor viele Bälle durch Fehlpässe oder misslungene Dribblings. Insbesondere als es im November 2018 zu zwei Niederlagen kam, das 0:3 gegen RB Leipzig und das 1:4 gegen Fortuna Düsseldorf, ging das Spiel komplett an Ondrej Duda vorbei. Erneut zeigte sich, dass der 24-Jährige vor allem dann funktioniert, wenn er körperlich hundertprozentig fit ist. In dieser Phase schien er allerdings müde, hatt Schwierigkeiten so frei aufzuspielen, wie noch zu Beginn der Saison.

Die Hertha-Rückrunde

Dann startete die Rückrunde und dieses Mal begann diese für Hertha sogar vielversprechend. Ein 3:1-Sieg in Nürnberg (Doppelpack von Duda) und eine sehenswerte erste Halbzeit gegen Gelsenkirchen, in welcher Ondrej Duda das „Tor des Jahrzehnts“ von Marko Grujic per Hackentrick vorbereitete, machten Hoffnung auf eine lang ersehnte gute Rückrunde.

(Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Die Hauptstädter besiegten sogar auswärts Borussia Mönchengladbach mit 3:0 und sorgten für großartige Stimmung an der Spree. Ein guter Rückrundenstart für Hertha, und auch für Duda: der Spielmacher sammelte in den ersten vier Rückrundenpartien drei Tore und zwei Vorlagen. Doch es sollte bis zum 04. Mai (32. Spieltag) dauern, bevor er sein nächstes Tor erzielen konnte. Die schlechteste Phase von Hertha in der Saison 2018/19 ist gleichzeitig auch Dudas schwächste Phase. Absoluter Tiefpunkt ist dabei die 0:5 Pleite in Leipzig am 27. Spieltag.

Die Saison endete für Hertha und Duda noch recht versöhnlich, wenn man die Pleite am letzten Spieltag gegen Bayer Leverkusen (1:5) außer Acht lässt. „Number Ten“ erzielte in den letzten drei Saisonspielen noch ein Tor und zwei Vorlagen und Hertha beendete die Spielzeit auf dem elften Tabellenplatz.

Eine Bilanz, die sich sehen lässt

Am Ende sprechen die Zahlen definitiv für Ondrej Duda. Elf Treffer, sechs direkte Torvorlagen und fünf Mal „Mann des Spiels“ in 30 Bundesliga-Einsätze sprechen eine eindeutige Sprache. Mit insgesamt 17 Torbeteiligungen war der Slowake bester Scorer der “Alten Dame”. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass sein Marktwert seit dem 05.06.2019 stolze 17 Millionen Euro beträgt (im Vergleich: am 05.06.2018 waren es „nur“ 3 Mio. €). Die „letzte Chance“, die hohen Erwartungen als Königstransfer von 2016 zu erfüllen, hat er eindeutig genutzt.

Was auch auffällt: zeigte Duda starke Leistungen, so spielte Hertha auch gut. War Hertha schwach, war auch Duda schwach. Doch wer ist von wem abhängig? Was war zuerst da: die Henne oder das Ei? Fakt ist: wenn es mal nicht lief, konnte Ondrej Duda allein das Ruder nicht umreißen (muss er als einer von elf Spielern auf dem Feld auch nicht), aber er ist zweifellos einer der wichtigsten Säulen unter Ex-Trainer Pal Dardai gewesen. 

Seine Chancen unter Ante Covic

(Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Was Herthas neuer Coach Ante Covic vom Slowaken hält, zeigte sich bereits beim Trainingsauftakt. Dort konnte man unter anderem die Vertragsverlängerung des besten Torschützen der vergangenen Saison feiern. Dazu kommen die Verlängerung von Marko Grujic und die Verpflichtung von Eduard Löwen. Das zentrale Mittelfeld von Hertha kann sich personell sehen lassen, die Konkurrenzsituation wird dieses Jahr also intensiver werden als im vergangenen. Mit Arne Maier, Vladimir Darida, Per Skjelbred und Sidney Friede stellen sich zahlreiche Mitbewerber für die Startelf an. An Duda wird jedoch wohl, sollte er fit bleiben, auch für Covic kein Weg vorbei gehen.

Allerdings will der Berliner Chefcoach ihm die vielen Fouls und gelbe Karten abgewöhnen. Tatsächlich ist „Number Ten“ mit 70 Fouls auf Platz eins der Bundesliga Foul-Statistik. Ob Covic das gelingt, oder ob die Aggressivität von Duda zu fest in seiner Spielweise verankert ist, wird man sehen. Wenn am Ende aber genügend Tore fallen, wird sich wohl keiner beschweren.

Abschließend lässt sich sagen, dass unsere Erwartungen an Duda erfüllt wurden und es wirklich „sein Jahr“ wurde. Es bleibt also nur noch zu hoffen, dass er fit bleibt, eine ganze Vorbereitung durchmacht und das „He scores when he wants“-Lied von Salomon Kalou kein One Hit Wonder bleibt. Auf die nächste Rolex!