Es stand anders im Drehbuch: eigentlich hätte das erste Heimspiel der Saison und damit das Olympiastadion-Debüt von Ante Covic als Hertha-Cheftrainer dazu dienen sollen, den Punktgewinn in München zu veredeln. Nach den 90 Minuten hatte aber ein äußerst ernüchterndes 0:3 auf der Anzeigetafel gestanden, das den Spielverlauf allerdings nicht treffend wiedergegeben hatte. Nach ereignisreichen zehn Minuten hatte Hertha durch einen Elfmeter 0:1 zurückgelegen, sich danach aber im ersten Durchgang formidabel präsentiert. Genützt hatte es nicht – die Tore waren ausgeblieben – und so mussten sich die Berliner nach einer dürftigen zweiten Halbzeit und zwei Wolfsburger Kontern mit 0:3 geschlagen geben.
Auch in dieser Saison wollen wir euch eine Einzelkritik zu den Spielen der “Alten Dame” bieten können, doch gehen wir dieses Format nun erstmals anders an: anstatt wie bisher jeden einzelnen eingesetzten Spieler zu bewerten, wollen wir uns auf wenige ausgewählte Akteure der Partien beschränken – auch von den Benotungen wollen wir uns trennen. Dadurch wollen wir gewisse Einzelleistungen noch genauer unter die Lupe nehmen oder aus einem anderen Blickwinkel beleuchten können, sodass die Einzelkritiken nicht zu lang/eintönig und nur die wirklich prägnanten Leistungen aufgezeigt werden. Wir hoffen, ihr versteht diese Änderungen. In der vergangenen Saison musste die Einzelkritik streckenweise aus Zeitgründen ausfallen – durch diese Anpassungen wollen wir sicherstellen, dass dies deutlich seltener passiert.
Ungewohnt fahrlässig: Vedad Ibisevic
Wie bereits gegen den VfB Eichstätt und Bayern München hatte Ibisevic am Sonntagabend den Vorzug vor Konkurrent Davie Selke erhalten. Das große Argument des 35-Jährigen: er macht die Tore, ist eiskalt in seiner Entscheidungsfindung. Diese Attribute hatte man gegen Wolfsburg allerdings nicht gesehen – im Gegenteil.
Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images
Zugegeben – die Partie gegen Wolfsburg war keine gewesen, in der es für einen Mittelstürmer einfach gewesen wäre, zu glänzen. Der Gegner stand äußerst tief in der eigenen Hälfte und hatte somit wenig aussichtsreiches in der direkten Gefahrenzone, dem Strafraum, zugelassen. Umso wichtiger wäre es gewesen, seine wenigen Möglichkeiten zu nutzen – ein Job wie gemalt für einen eiskalten Torjäger wie Ibisevic, doch Herthas Kapitän war an dem Tag nicht gut aufgelegt. In einigen Szenen hatte der Bosnier nicht wach gewirkt, so hatte er hin und wieder aussichtsreiche Flanken in den Strafraum schlichtweg verpasst. Normalerweise gehört es zu einer seiner stärksten Eigenschaften, Zuspiele zu riechen und vor dem gegnerischen Verteidiger am Ball zu sein. Am Sonntag ging im dieses Gespür ab, sodass er etwas hilflos zwischen der Wolfsburger Dreierkette wirkte.
Die Szene, die Ibisevics mangelnde Kaltschnäuzigkeit an jenem Tage am plakativsten beschreibt, hatte sich in der 54. Minute ereignet. Der Routinier hatte einen starken Steckpass von Marko Grujic erhalten, nur noch John Anthony Brooks vor sich und auf der rechten Seite Dodi Lukebakio als Anspielstation. Anstatt den Ball rüber zu seinem Sturmkollegen zu spielen, hatte sich Ibisevic für das Dribbling gegen Brooks entschieden und dieses verloren, sodass die sehr gute Torchance verpufft war. Am Ende hatte der Mittelstürmer nur einen geblockten Schuss und keinen einzigen gewonnen Zweikampf verzeichnet.
(Fast schon) gewohnt fahrlässig: Karim Rekik
Ja, die Teilüberschrift ist provokant gewählt, doch dass Karim Rekik seit seinem Wechsel zu Hertha bereits fünf Elfmeter verursacht hat, ist keine allzu überzeugende Statistik für ihn. Ebenso wenig überzeugend hatte sich der niederländische Innenverteidiger gegen den FC Bayern und nun auch gegen Wolfsburg präsentiert. Es besteht die Sorge, dass Rekik eher an seine durchwachsene vergangene Spielzeit als an seine starke Debütsaison für Hertha anknüpft.
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Elfmeter Nummer fünf seiner Hertha-Laufbahn hatte Rekik in der 8. Spielminute verursacht. Vorausgehend hatte der 24-Jährige den Zweikampf mit Felix Klaus verschlafen, sodass er nur noch hinterhersprinten konnte und dann viel zu ruppig in den Zweikampf innerhalb des Strafraums ging – Konsequenz: Elfmeter. Auch sonst hatte Rekik am Sonntagabend nicht sattelfest gewirkt, so hatte er vor allem bei Wolfsburgers Umschaltaktionen immer wieder Probleme damit, VfL-Stürmer Wout Weghorst effektiv auszubremsen. Rekiks Zweikampfstatistik war dementsprechend ausbaufähig gewesen und auch in Kriterien wie angefangene Bälle, geklärte Aktionen oder Tackles hatte er im Vergleich mit Innenverteidiger-Kollege Niklas Stark hinterhergehinkt.
Im Aufbauspiel hatte sich der vierfache niederländische Nationalspieler hingegen ordentlich präsentiert. Sein Passspiel war sowohl sicher, als auch effizient gewesen. Zusammen mit Stark hatte sich Rekik im eigenen Ballbesitz sehr hoch positioniert, um die Wolfsburger einzuschnüren. Seine Seitenverlagerungen und Pässe in den Fuß der linken Außenspieler haben sich sehen lassen können, auch wenn Nebenmann Stark noch etwas dominierender aufgetreten ist. Alles in allem war es aber einmal mehr eine kritikwürdige Leistung Rekiks gewesen, der sich noch steigern muss. “Wir werden unsere Fehler analysieren und mit dem Ziel nach Gelsenkirchen fahren, drei Punkte nach Hause zu bringen”, so der Abwehrspieler selbst.
Schon mehr als Ansätze: Dodi Lukebakio
“Ich muss zugeben, dass ich gerade am Anfang überwältigt war von den Fans. Das hat mir einen richtigen Antrieb gegeben. In diesem Stadion zu spielen macht unglaublich Spaß”, hatte sich Lukebakio gegenüber der B.Z. zu seinem ersten Spiel im Olympiastadion geäußert. Den angesprochenen Spielspaß hat man dem Belgier deutlich angemerkt, auch wenn es ihm noch an der Effizienz gefehlt hatte.
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Wie bereits in der Einleitung angesprochen, hatte Hertha im ersten Durchgang ohne jeden Zweifel das Zepter in der Hand. Die Blau-Weißen hatten große Spielfreude versprüht, indem sie ihren Ballbesitz mit hohem Tempo und großer Breite wie Tiefe aufgezogen hatten. Mittendrin: Neuzugang Lukebakio. Der 21-Jährige war der wohl auffälligste Herthaner im ersten Durchgang gewesen, da er an nahezu allen Offensivaktionen beteiligt gewesen war. Besonders markant waren Lukebakios Dribblings, die nicht nur schön ausgesehen, sondern auch effektiven Raumgewinn zur Folge hatten. Auch das Zusammenspiel mit Hintermann Lukas Klünter hatte bereits sehr gut funktioniert, sodass sie sich immer wieder gegenseitig in Szene setzen, teilweise mit ansprechenden Hackentricks.
Doch leider hatte sich Lukebakios Aufwand der ersten Halbzeit nicht in Tore umgemünzt und nach dem Pausentee hatte ihm nicht mehr allzu viel gelingen wollen. Die Verbindung zu Klünter war immer mehr abgerissen, sodass der Flügelstürmer oft auf sich allein gestellt war. Hatte die Nummer 28 den Ball bekommen und dann die Chance, mit Tempo auf Wolfsburgs Abwehr zuzulaufen, mangelte es ihm an guter Entscheidungsfindung. So hatte er es immer wieder versucht, anstatt den Ball auf seinen starken linken Fuß zu legen und nach innen zu ziehen, mit rechts vorbeizuziehen und die Flanke zu schlagen – doch mit seinem schwächeren Fuß waren seine Zuspiele unerreichbar gewesen. So verblasste Lukebakios Vorstellung immer mehr, seine Durchschlagskraft war immer weiter geschrumpft. Dennoch war zu sehen gewesen, welch prägendes Element der Neuzugang in Herthas Spiel sein kann.
Stetiger Lerneffekt: Ante Covic
Wer sagt denn, dass in der Einzelkritik nicht auch die Arbeit vom Cheftrainer unter die Lupe genommen werden kann? Ante Covic hatte gegen die Niedersachsen erstmals die Chance, seine Idee von Ballbesitzspiel gegen einen mindestens gleichwertigen Gegner umzusetzen und kann sowohl positives als auch Lehren aus der Partie vom Sonntagabend ziehen.
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“In der ersten Halbzeit ging es in die richtige Richtung, da haben wir uns viele Chancen aus dem Spiel heraus kreiert und gegen einen gut organisierten Gegner Gefahr mit dem Ball ausgestrahlt”, hatte Covic dem kicker seine Eindrücke geschildert. Er hatte gegen Wolfsburg im 4-3-3 aufgestellt, nachdem es in München anfangs noch ein 3-5-2 gewesen war, und wollte einen sauberen und stets nach vorne ausgerichteten Ballbesitzfußball seiner Mannschaft sehen. Denkbar ungünstig war der frühe Rückstand aufgrund eines Foulelfmeter gewesen, der ein Team schon aus dem Konzept bringen kann. Die Jungs von Covic waren aber unbeirrt geblieben und hatten die Ideen ihres Trainer umgesetzt. Covic hatte seine Mannschaft äußerst hoch aufgestellt, Herthas Innenverteidiger waren kurz hinter der Mittellinie positioniert, und dennoch vermochte sie es, viel Tempo in ihre Aktionen zu bekommen. Auffällig waren die fein abgestimmten Kombinationen im Dreieck gewesen, wie auch die vielen intelligenten Seitenverlagerungen. So hatte es Hertha geschafft, das Spielfeld in seiner Breite und Tiefe auszunutzen in Wolfsburg trotz einer Dreier- bis Fünferkette vor Probleme zu stellen.
Knackpunkt war nur gewesen, dass die Hauptstädter sich für diesen Aufwand nicht mit einem einem Treffer, der noch mehr Sicherheit und eine zweite Luft beschert hätte, belohnt hatten. Salomon Kalou und zweimal Marko Grujic hatten die Chance auf den verdienten Ausgleichstreffer gehabt, doch so war Hertha mit einem Rückstand in die Kabine gegangen. “In der zweiten Halbzeit wollten wir zu viel. Da hatten wir zu viele Spieler vorn auf einer Höhe. Nach der Umstellung auf 4-4-2 waren die beiden zentralen Angreifer und die beiden seitlichen Spieler auf einer Höhe, so dass der Gegner das relativ simpel verteidigen konnte” – auch das hatte Covic nach dem Spiel richtig analysiert, ohne sich selbst wirklich aus der Kritik auszunehmen. Das wäre auch angemessen, denn schließlich hat sich der 43-Jährige durch seine sehr offensiven Einwechslungen keinen Gefallen getan. “Die Halbfelder und Zwischenräume, wo wir immer wieder Gefahr hätten ausstrahlen können”, wurden durch dessen personelle Veränderungen und Verschiebungen kaum noch genutzt. Herthas Formation war vom 4-3-3, zum 4-4-2, zum 4-2-4, zum 3-2-5 gewandert, sodass sich die Offensivspieler immer mehr auf den Füßen gestanden waren. Eine weitere Konsequenz war die fehlende defensive Absicherung, sodass Hertha zum 0:2 und 0:3 ausgekontert wurde. “Wenn du einem Rückstand hinterherrennst, darfst du nicht kopflos wirken – das waren wir phasenweise”, sagte Covic. Das gilt sowohl für die Spieler, als auch den Trainer. Dass Covic die Probleme der letzten Partie so genau erkannt hat, macht allerdings Mut, dass er und die Mannschaft daraus lernen werden.
Vor über einem Jahr hat Hertha BSC seine konkreten Pläne für einen Stadionneubau veröffentlich – effektiv bewegt hat sich seitdem nichts. Die Verantwortlichen und der Berliner Senat finden einfach nicht zusammen, sodass aktuell Stillstand herrscht. Das angepeilte Datum der Stadioneröffnung am 25. Juli 2025 scheint sich momentan eher als weiteres Symbol für das Berliner Fingerspitzengefühl bei Großbauprojekten einzureihen, als dass es tatsächlich realisiert werden könnte. Eine Situation, die den Verein, die Politik, aber auch das Umfeld frustriert.
So sehr, dass nun gehandelt wird – und zwar in Person von Pascal Grimm. Der Hertha-Fan hat sich die Stadion-Thematik, wie viele andere, nicht mehr tatenlos mit ansehen können und startete daher am 15. August die Petition “Schluss mit der Hinhhaltetaktik – Neues Stadion für Hertha BSC!”, in der konkrete Forderungen an den Berliner Senat stellt, sich konstruktiv mit den Plänen der “Alten Dame” auseinanderzusetzen. Wir haben mit Pascal gesprochen, um uns erklären zu lassen, was die Intention seines Eingreifens ist, welche Vorwürfe er Senat wie Hertha selbst macht und ab wann er die Petition als Erfolg ansehen würde.
Herthas Plan für den Stadionneubau auf dem Olympiagelände (Foto: Hertha BSC / AS+P)
Hallo Pascal. Bevor wir uns mit deiner Petition auseinandersetzen – stell doch bitte dich und deine Beziehung zu Hertha BSC kurz vor.
Ich bin in Minden (Nordrhein-Westfalen) geboren, also nicht gerade im klassischen Hertha-Gebiet. Mit acht Jahren bin ich nach Berlin gekommen – das war 1999, eine für Hertha sehr erfolgreiche Zeit (Teilnahme an der Champions League). Ich bin damals das erste Mal ins Stadion mitgenommen worden, meine Großeltern hatten mir ein Hertha-Trikot geschenkt und damit war es dann entschieden. Ich habe selten wirklich in Berlin gewohnt, das tue ich jetzt das erste Mal so richtig. Seitdem versuche ich, so oft wie möglich im Stadion zu sein. Zudem bin ich sehr Foren-aktiv, vor allem auf transfermarkt.de. Ich bin aber an keinen Fanclub gebunden.
In deiner Petition erklärst du, welche Grundproblematiken es mit dem Olympiastadion als Spielstätte gibt. Warum siehst du einen Auszug Herthas als unvermeidlich an?
Da gibt es zwei Arten der Begründung. Das eine, das die Fans direkter anspricht, ist die Atmosphäre im Olympiastadion. Dazu gehört Dinge wie die große Entfernung der Zuschauerränge zum Spielfeld, aber auch die Witterungsbedingungen im Winter – also all das, was das Olympiastadion zu keiner modernen Fußballarena macht. Jeder, der mal eine Auswärtsfahrt in ein anderes Bundesliga-Stadion gemacht hat, wird diesen Unterschied gemerkt haben. Auch die Ostkurve würde in einem modernen Stadion noch imposanter zur Geltung kommen, da sich die Stimmung, die sie macht, nicht in der schlechten Stadion-Akustik verlieren würde. Es wird seitens des Vereins mit “Steil, nah, laut” geworben – darauf habe ich große Lust!
Die andere Begründung ist finanzieller Natur. Man ist als Verein langfristig besser aufgestellt, wenn man ein eigenes Stadion besitzt. Wie ich in der Petition angerissen hatte, würden bei einer eigenen Arena die Mietkosten, die aktuell beim Olympiastadion zu bezahlen sind, entfallen. Natürlich hat man bei einem Stadionbau Kredite abzuzahlen usw., aber man kann auch Nebeneinkünfte generieren, wie durch das Verkaufen der Namensrechte, dem Veranstalten von Konzerten und anderen Möglichkeiten. Wenn man im modernen Fußball mithalten will, muss man da einfach mitspielen.
Ich habe den Eindruck, dass der Berliner Senat überhaupt kein Interesse daran hat, dieses Stadionthema voranzubringen. Es ist teilweise nachvollziehbar, warum die Politik Hertha nicht aus dem Olympiastadion ziehen lassen will, gleichzeitig muss der Senat aber einsehen, dass dieses Thema für den größten Sportverein der Stadt ein sehr bedeutsames ist. Man hat das Gefühl, der Senat wolle die Stadionfrage so lange hinauszögern, bis Hertha gezwungen wäre, einen neuen Mietvertrag für das Olympiastadion zu unterzeichnen, sodass sich das Thema zunächst einmal wieder erledigt hätte. Ohne Politik-Bashing betreiben zu wollen: in dieser Thematik frustriert mich der Senat schon sehr! Ganz unabhängig von der Frage, ob Hertha in seiner Kommunikation alles richtig machen würde. Bei dem kleinsten Hindernis knickt der Senat ein und spricht davon, dass das Ganze wohl nicht mehr machbar sei. Ich vermisse daher eine konstruktive Herangehensweise, eine gemeinsame Lösung zu finden.
“Herthas Taktik war zu offensiv”
Auch die Herthaner Verantwortlichen haben sich in der Vergangenheit nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Ist auch Schuld beim Verein zu suchen? Was hätte in der Kommunikation besser laufen müssen?
Meiner Meinung nach war die Taktik Herthas ein wenig zu offensiv. Man hat den Senat bei der Veröffentlichung der Pläne ein Stück weit vor vollendete Tatsachen gestellt und behaart nun auf dieser Extremposition. Ich würde mir auch eine Lösung auf dem Olympiagelände wünschen, weil sie in meinen Augen die beste wäre. Wie Hertha nach außen kommuniziert, ist aber nicht ideal und lädt den Senat zu seiner Trotzreaktion ein. So wird der “schwarze Peter” gerne zurück zu Hertha geschoben, obwohl ich den Senat in der Pflicht sehe, da auf Hertha zuzukommen. Die Parteien haben sich nun in eine gewisse Pattsituation hineinmanövriert und ich hoffe, dass die Petition ein Anstoß sein kann, um aus dieser wieder herauszukommen
Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images
Am 16. August hatte sich Herthas Vereinspräsident Werner Gegenbauer mit einem Brief an die Mitglieder gewendet, in dem er u.a. scharfe Kritik am Berliner Senat geäußert hatte. Einmal mehr nutzte man den Weg der Öffentlichkeit, um seinen Standpunkt klarzumachen. Welche Form des Dialogs würdest du dir von beiden Parteien wünschen?
Ich finde, auch das man sich das, was Präsident Gegenbauer öffentlich an Senat gerichtet hat, sparen kann. Man muss wieder mit- und weniger übereinander reden. Es könnte natürlich sein, dass im Hintergrund viel gesprochen wird, doch der Eindruck wird nicht gerade vermittelt, wenn Herr Geisel in Medien Interviews gibt und die Hertha-Verantwortlichen auf selbigem Wege darauf antworten. Ich würde mir daher von beiden Seiten einen konstruktiveren Umgang miteinander wünschen, aber auch vom Senat die Einsicht, dass eine Lösung her muss und man nicht auf Zeit spielen sollte.
“Sollte dies im Olympiapark nicht möglich sein, dann soll endlich aktiv und mit ernsthaftem Interesse eine realistische Alternative innerhalb der Stadtgrenzen gesucht und gefunden werden”, schreibst du in deiner Petition. Warum kann Brandenburg keine Option sein?
Meine absolute Wunschlösung liegt in Berlin, ich bin aber niemand, der das dogmatisch einfordern und damit Brandenburg grundsätzlich ausschließen würde. Ich könnte es mir unter gegebenen Umständen als Notlösung vorstellen, wenngleich ich es sehr schade fände, denn allein die Wege nach Brandenburg wären sehr weit, weshalb viele Hertha-Fans über eine Stunde zum Stadion bräuchten. Brandenburg würde auch nicht in Bezug auf die Identifikation mit Hertha als Berliner Verein helfen.
Es ist eben nicht nur der Verein selbst, der ein eigenes Stadion haben will. Auch die Fans setzen sich dafür ein und sind von dem derzeitigen Status frustriert, weshalb sie nicht länger zusehen wollen. Ich hatte die Petition zunächst im Hertha-Forum von transfermarkt.de und bei immerhertha.de gepostet, zusätzlich auf Twitter geteilt. Von dort aus ging es sehr schnell los, sich zu verbreiten und auch die ersten Einladungen zu ähnlichen geplanten Fan-Initiativen kamen rein. Aktuell ist ein Drittel des Quorums erreicht, was für die erste Woche echt ordentlich ist. Auch aus dem Umland gibt es viele UnterstützerInnen, knapp 1.000 Menschen aus Brandenburg haben unterschrieben. Die Petition ist noch über zweite Monate offen, sodass ich zuversichtlich bin, dass das Quorum erreicht wird – auch wenn das nicht das primäre Ziel ist. Es geht vielmehr um das Zeichen, das die Hertha-Fans sich nun auch engagieren und nicht nur an der Seitenlinie stehen.
Die sprichst die Zielsetzung deiner Petition an. Was kann mit den Unterschriften erreicht werden und ab wann gilt die Petition für dich selbst als erfolgreich?
Es ist wie folgt: bei 11.000 UnterzeichnerInnen aus Berlin würde die Petition in das Abgeordnetenhaus eingehen, welches sich dann mit dieser befassen müsste. Wie diese Prüfung der Thematik abläuft, kann ich auch nicht sagen, der Prozess ist nicht wirklich klar. Der viel größere Effekt ist die Aufmerksamkeit, die das Thema dadurch wieder bekommt. Daher freue ich mich auch über jede/n UnterstützerInnen, der/die nicht aus Berlin kommt, aber mit der Intention übereinstimmt. Der leichte öffentliche Druck, den die Petition auf den Senat ausüben könnte, hätte wohl den größeren Effekt als der rein bürokratische Prozess.
Danke für deine Zeit und viel Erfolg für deine Petition, Pascal!
Mit einem 2:2 beim FC Bayern München ist Hertha BSC in die Bundesliga-Saison 2019/20 gestartet. Kein allzu schlechter Start für die Berliner, will man meinen, war der Gegner kein geringerer als der amtierende Meister. Im ersten Bundesliga-Spiel unter Neu-Coach Ante Covic haben sich fußballerisch ansehnliche Phasen mit welchen, in denen die Blau-Weißen großem Druck ausgesetzt waren, abgewechselt. Unterm Strich steht eine gute Leistung da, die bereits Spannung für die kommenden Wochen erzeugt.
Auch in dieser Saison wollen wir euch eine Einzelkritik zu den Spielen der “Alten Dame” bieten können, doch gehen wir dieses Format nun erstmals anders an: anstatt wie bisher jeden einzelnen eingesetzten Spieler zu bewerten, wollen wir uns auf wenige ausgewählte Akteure der Partien beschränken – auch von den Benotungen wollen wir uns trennen. Dadurch wollen wir gewisse Einzelleistungen noch genauer unter die Lupe nehmen oder aus einem anderen Blickwinkel beleuchten können, sodass die Einzelkritiken nicht zu lang/eintönig und nur die wirklich prägnanten Leistungen aufgezeigt werden. Wir hoffen, ihr versteht diese Änderungen. In der vergangenen Saison musste die Einzelkritik streckenweise aus Zeitgründen ausfallen – durch diese Anpassungen wollen wir sicherstellen, dass dies deutlich seltener passiert.
Herthas Bester: Lukas Klünter
“Ich denke, mit meiner Schnelligkeit konnte ich ganz gut dagegenhalten. Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden”, (SPOX) gab sich Lukas Klünter nach dem Spiel gegen den FC Bayern recht bescheiden. Sein Mannschaftskollege Maxi Mittelstädt äußerte sich dann schon deutlich euphorisierter: “Für mich war er der beste Mann auf dem Platz. Er ist unglaublich viel gelaufen und hat Coman zur Weißglut getrieben.” Damit traf Mittelstädt den Nagel schon viel mehr auf dem Kopf, denn ohne Zweifel ist Klünter am Freitagabend der beste Herthaner auf dem Platz gewesen.
Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images
Zunächst als rechter Innenverteidiger der Berliner Dreierkette gestartet, hatte Klünter vor allem damit zu tun, die Unsicherheiten im Defensivverhalten Mathew Leckies auszugleichen. Der 23-Jährige ist regelmäßig angehalten gewesen, mit auf den rechten Flügel zu rücken, um das Alaba-Coman-Gespann möglichst selten in die Gefahrenzonen vordringen zu lassen. Bis dahin hatte Klünter souverän, aber noch nicht allzu auffällig agiert. Seine stärkste Szene hatte er gegen Bayerns Robert Lewandowski gezeigt, als er dessen Schussversuch noch im allerletzten Moment verhindert hatte (siehe Foto). Nach dem 0:1-Rückstand hatte sich Trainer Ante Covic zu einer Systemumstellung vom 3-5-2 aufs 4-3-3 entschieden, sodass Klünter von da an als klassischer Rechtsverteidiger spielte.
Nun, im Gespann mit Leckie, hatte Herthas rechte Seite deutlich mehr Zugriff auf Alaba und vor allem Coman gewonnen, sodass von diesem Flügel kaum noch Gefahr ausging. “Kingsley Coman hat alles versucht, hat aber auch mit Klünter einen Verteidiger gegen sich gehabt, der genauso schnell ist und griffig war”, hatte FCB-Trainer Niko Kovac Herthas Abwehrspieler nach der Partie gelobt – zurecht, denn Klünter hatte sieben seiner acht Tacklings gewonnen, sieben Aktionen geklärt und zwei Bälle abgefangen. Kurzum: Klünter war stets Herr der Lage gewesen und das gegen einen der besten Flügelspieler der Bundesliga. Über die gesamte Spieldauer hatte er volle Konzentration gezeigt und so immer ein Bein in den Aktionen des Gegners. Als hätte Klünter beweisen wollen, dass es die richtige Entscheidung von den Vereinsverantwortlichen gewesen ist, keinen Ersatz für Valentino Lazaro verpflicht zu haben. “Er war immer der Letzte in der Kette, der seinen Fuß noch dazwischen hatte, er hat sich reingeschmissen, Bälle abgeblockt, aufgrund seiner Geschwindigkeit war er auch in der Lage, viele Lücken zu schließen, hat Spaß gemacht, ihm zuzugucken”, so das Fazit von Trainer Covic (Berliner Morgenpost).
Ansätze gezeigt: Lukebakio
München liegt ihm einfach: Dodi Lukebakio hatte am Freitag seinen insgesamt vierten Treffer in der Allianz Arena erzielt und somit zu einem gewissen Cristiano Ronaldo aufgeschlossen – keine große Sache also. Der Berliner Rekordeinkauf hatte, nachdem er im DFB-Pokal gegen den VfB Eichstätt noch als Joker eingesetzt wurde, erstmals von Anfang an spielen dürfen und rechtfertigte diese Entscheidung von Covic durch seinen Treffer zum 1:1.
Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images
Und auch wenn sein erstes Tor im Trikot des Hauptstadtklubs durch den Rücken von Kollege Vedad Ibisevic entscheidend abgefälscht wurde und somit unhaltbar neben FCB-Keeper Manuel Neuer eingeschlagen war, symbolisiert es die Spielweise des Belgiers: er ist unberechenbar. Es ist nicht zu verkennen gewesen, dass Lukebakio noch nicht zu 100 Prozent in das Spiel der Mannschaft eingebunden ist – und doch bereits besser als nach einer solch kurzen gemeinsamen Trainingszeit zu erwarten wäre. Zwar hatte der 21-Jährige lediglich 18 Ballkontakte in seinen 68 Einsatzminuten gesammelt, doch ist das als Stürmer gegen den FC Bayern nichts ungewöhnliches (Ibisevic hatte sogar weniger) und mit diesen wenigen hatte er durchaus angedeutet, was man von ihm erwarten kann.
Sein Gespür, sich zwischen den Linien des Gegners zu bewegen und diese mit Sprints oder Dribblings aufzureißen, machen ihn mit und ohne Ball zu einem ständigen Gefahrenherd. Der deutsche Rekordmeister hatte stets einen Mann für Lukebakio abstellen müssen, um diesem nicht die Möglichkeit zu geben, durch einen gezielten Sprint ungehindert in den freien Raum zu starten. Wie bereits erwähnt: sein Treffer zum 1:1 war durch das Abfälschen von Ibisevic begünstigt, doch hatte sich Lukebakio zuvor an zwei Gegenspielern vorbeigeschlängelt, um dann mutig den Abschluss zu suchen – solche Aktionen provozieren Tore. Nach rund 70 Minuten war der Arbeitstag des Neuzugangs beendet, zu mehr war er aufgrund seines Trainingsrückstandes noch nicht in der Lage. Nach diesem Auftritt lässt sich beruhigt sagen: darauf kann man aufbauen. Oder wie Kapitän Ibisevic es gegenüber der B.Z. formuliert hatte: “Der Junge hat viel Qualität. Es geht jetzt darum, dass wir uns einspielen, er das Team kennenlernt. Dann wird das noch besser.”
Licht und Schatten: Grujic
Es ist ein imposanter Anblick, den Marko Grujic aktuell abgibt. Der Zusammenstoß am Freitagabend mit Bayern-Verteidiger Benjamin Pavard hat dem Serben ein auffällig dickes blaues Auge verpasst – der Preis für seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 1:2 und die Symbolik für sein gesamtes Spiel, bei dem er gerade so mit einem blauen Auge davon gekommen ist.
Foto: Daniel Kopatsch/Bongarts/Getty Images
Denn es war eine äußerst durchwachsene Vorstellung des zentralen Mittelfeldspielers, bei der sich Licht und Schatten regelmäßig abgewechselt hatten. Auf der einen Seite hatte Grujic als der so dringend benötigte Ruhepol im Mittelfeld agiert, der die Bälle festmachte, in den eigenen Reihen hielt und dann mit Übersicht das Spiel aufbaute. In diesen Momenten hatte er das gesamte Team, das zuvor dem Ballbesitz des Gegners hinterhergelaufen war, atmen lassen. Eine 80%ige Passquote – 76,5% in der gegnerischen Hälfte – lassen sich in München absolut sehen. Zudem hatte der 23-Jährige immer wieder strategisch kluge Fouls gezogen, um den Bayern-Angriffen das Tempo zu nehmen. So war Grujic ein äußerst wichtiger Faktor gewesen, besonders im Spiel mit dem Ball. Er hatte insbesondere am 1:1 durch Lukebakio Anteil, der er den Angriff durch einen guten Pass auf Ondrej Duda erst scharf machte. Hinzu kommt sein Treffer zum 1:2, bei dem er sich vom Zusammenstoß mit Pavard Adrenalin-geladen nicht abhalten ließ, Neuer gekonnt umkurvt und dann eingeschoben hatte.
Eine lupenreine Vorstellung, wie bislang beschrieben, war es von der Liverpool-Leihgabe aber nicht gewesen. Es hatten sich auch einige Unkonzentriertheiten eingeschlichen, die in Ballverlusten oder Lücken in der Abwehr mündeten. Einige Male hatte Grujic den Ball im Aufbauspiel ohne größere Bedrängnis zum Gegner gespielt und so Bayern zu Gegenstößen eingeladen. Auch seine Zielstrebigkeiten in der Rückwärtsbewegung hatte zu Wünschen übrig gelassen, so war er beim 1:0 der Münchener nur zurückgetrabt, anstatt Mittelstädt wirklich zu unterstützen. Solche Räume im Defensivverbund nutzt ein Gegner wie der amtierende Meister aus. Der gravierendste Fehler war Grujic aber in der 60. Minute unterlaufen, als er Gegenspieler Lewandowski absolut unnötig im eigenen Sechszehner umgerissen hatte, was zum Elfmeter und 2:2-Ausgleich geführt hatte. “Robert ist ein erfahrener Spieler und hat die Situation gut ausgenutzt. Ich bin noch sehr jung und verhalte mich da etwas naiv. So etwas wird mir in Zukunft nicht mehr passieren”, erklärte Grujic in der B.Z. – das muss man bei Hertha auch hoffen, denn solche Aussetzer kosten Punkte.
Auf den zweiten Blick wichtig: Darida
Gegen den FC Bayern München stand Vladimir Darida das erste Mal seit acht Monaten wieder in einem Bundesligaspiel in Herthas Startelf. Der 29-Jährige hatte eine sehr starke Vorbereitung und ein ebenso gutes Pokalspiel gegen Eichstätt als Argumente gesammelt, um gegen die Münchener starten zu dürfen, doch auf den ersten Blick hatte er am Freitagabend kaum weitere Pluspunkte verbuchen können.
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“Er ist ein Spieler, der viele Löcher stopft. Man erkennt das oft nicht, aber wenn man sich einzelne Sequenzen nochmal genauer anschaut, sieht man, wie viele Passwege des Gegners er zustellt. Das hat uns in München gutgetan”, erklärte Covic gegenüber dem kicker die Leistung Daridas gegen Bayern. Der Tscheche war tatsächlich einer der aktivsten Spieler im Spiel gegen den Ball gewesen, 13,23 Kilometer war er am Freitagabend gelaufen – so viel wie niemand anderes an diesem Spieltag und kein Herthaner in der gesamten (!) vergangenen Saison. Dadurch hatte Darida auch die meisten Bälle (drei) aller Blau-Weißen abgefangen, hinzu kamen drei klärende Aktionen und sieben Ballsicherungen.
Zwar hatte Darida als defensivster Part des Mittelfelds nur wenig spielerisch wertvolle und/oder auffällige Szenen zu verbuchen, doch hatte sich sein Spiel mit dem Ball vielmehr auf ein sauberes Herauskombinieren (Passquote: 78,9%) aus der ersten Gegenpressinglinie des FC Bayern konzentriert. Dadurch war es Hertha vor allem im ersten Durchgang möglich, Gegenstöße zu kreieren und nicht nur in der eigenen Hälfte gefangen gehalten zu werden. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Darida diese Form der Entlastung in der zweiten Halbzeit kaum noch gelungen war, doch war es ihm da nicht anders als seinen Mitspielern ergangen.
Schweigen ist Silber, Redan ist blau-weiß! Gut, nachdem der obligatorische Wortwitz durchgekaut wurde, soll in diesem Artikel die Verpflichtung von Nachwuchsstürmer Daishawn Redan analysiert werden. Der 18-jährige Niederländer schließt sich bis 2024 der “Alten Dame” an und soll mit Maier, Dilrosun und co. die Zukunft des Vereins sein. Redan ist jedoch nicht nur eine Wette auf die kommenden Jahre, sondern auch ein weiterer Meilenstein in der Prestige-Entwicklung von Hertha BSC.
2,5 Millionen Euro ist keine Summe mehr, bei der Hertha-Fans wirklich hellhörig werden. So viel Geld hat man auch für Alexander Esswein in die Hand genommen und das war ein nur mäßig erfolgreiches Geschäft. Mittlerweile braucht es schon deutlich größere Zahlen, um einen Bundesliga-Kader zu verstärken und Aufmerksamkeit auf dem Transfermarkt zu erhaschen. Das hat sich auch in Berlin herumgesprochen und so fließen seit jüngstem spürbar mehr Taler von der Spree ab: ein Davie Selke kostete acht Millionen Euro, Valentino Lazaro insgesamt (Leihgebühr plus Ablösesumme) sogar 10,5 und Eduard Löwen, in diesem Sommer aus Nürnberg gekommen, ist mit sieben Millionen der bisherige Toptransfer der aktuellen Transferperiode. Zahlt Hertha angesprochene 2,5 Millionen Euro für einen gerade einmal 18-Jährigen mit absolut null Profi-Erfahrung, dann lohnt es sich hingegen, einmal genauer hinzuschauen.
Dey-Schon Re-dann. Bei Redan die Betonung auf der zweiten Silbe.
Ihr freundlicher Aussprechservice vom Team Damenwahl. #HaHoHe#Redan
— Damenwahl Podcast (@damenwahlberlin) July 19, 2019
Exzellente Ausbildung
Denn mit Daishawn Redan wechselt ein Talent nach Berlin, das vor lauter Vorschusslorbeeren wohl kaum noch laufen kann. Der gute Eindruck stellt sich bereits mit seinem abgebenden Verein, dem FC Chelsea, ein. Der Londoner Klub steht seit über einem Jahrzehnt für ein herausragendes Jugendspielerscouting, welches Talente sehr früh erkennt und in den europäischen Spitzenfußball geführt hat – zu nennen sind beispielsweise Romelu Lukaku, Kevin De Bruyne oder Mohamed Salah. Auch ein Callum Hudson-Odoi, seit Monaten vom FC Bayern München umgarnt, steht stellvertretend für die starke Jugendarbeit der “Blues”.
Foto: Marc Atkins/Getty Images
Hinzu kommt Redans Vergangenheit bei Ajax Amsterdam, eine der bekanntesten Talentschmieden der Fußballwelt. Dort haben zuletzt Spieler wie Matthijs de Ligt (Juventus Turin) oder Frenkie de Jong (FC Barcelona) den Weg in den Weltfußball gefunden, auch Herthaner Javairo Dilrosun hat eine Ajax-Vergangenheit. “Ich bin als Achtjähriger zu Ajax gekommen und habe dort das Fußballspielen wirklich von klein auf gelernt. Mit 16 bin ich dann nach England gegangen. Zu Beginn war es nicht leicht. Ich habe die Sprache nicht gut gesprochen, die Familie war weit weg und ich kannte das Leben in einem anderen Land nicht. Aber nach vier, fünf Monaten fühlte ich mich wohler”, beschreibt der Redan seinen Weg von seiner Heimat auf die Insel.
Hertha fasst die bisherige Karriere des Niederländers wie folgt in Zahlen zusammen: “Im Jahr 2017 wechselte Redan im Alter von 16 Jahren als amtierender niederländischer U17-Meister zum Chelsea FC. Für die U18 und U19 der Engländer gelangen dem flinken Offensivspieler in 29 Partien 18 Tore und sieben Vorlagen – darunter neun Treffer und fünf Assists in der UEFA Youth League. Zudem holten seine Teams ein Mal die Meisterschaft und ein Mal den Pokal. Für die U23 der ‘Blues’, in die Redan im Januar 2018 aufrückte, schoss er in 34 Pflichtspielen 14 Tore. Für die niederländischen Junioren-Nationalmannschaften lief das Nachwuchstalent 51 Mal auf (42 Tore), die U17 führte er 2018 als Kapitän zur Europameisterschaft.” Fakten, die sich allesamt sehen lassen.
Drogba, Kluivert, Redan
Doch Zahlen isoliert zu betrachten, ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Welchen Spielertypen bekommt Hertha mit Redan? “Daishawn ist schnell, laufstark und passt perfekt in unser Anforderungsprofil”, so die kurze Einschätzung von Manager Michael Preetz. Diese lässt sich mit den Eindrücken anderer gut abgleichen, denn ein aufmerksamer Beobachter des internationalen Jugendfußball beschrieb den 1,77m großen Mittelstürmer wie folgt: “Seine starke Physis erinnert an ein Droga-ähnliches Profil. Er kann das Spiel aufrechterhalten und kreiert Chancen für sich selbst oder seine Teamkollegen. Generell hat er einen starken rechten Fuß, aber auch einen anständigen linken”, sodass der 18-Jährige auch auf beide Flügel ausweichen kann. Weiter führt er aus: “Generell ist er auf den ersten Metern sehr schnell und gut darin, sich von seinem Verteidiger zu lösen, sodass er sich schnell mit und ohne Ball drehen kann. Das macht ihn unvorhersehbar und nur schwer greifbar.”
In der für einen Mittelstürmer wichtigsten Disziplin, dem Erzielen von Toren, brilliert Redan ebenso: “Seine größte Stärke ist allerdings sein Instinkt vor dem Tor. Er besticht mit sehr viel Ruhe und Coolness. Er kann quasi aus dem Nichts Tore erzielen.” Das belegen auch die bereits aufgeführten Zahlen im Verein wie Nationalmannschaft. Piet de Wisser, langjähriger Profi-Trainer und Mit-Entdeckter von Spielern wie Ronaldo, De Bruyne und Ajren Robben, sagte über Redan: “Er ist ein eiskalter Stürmer, der sehr leicht Tore schießt, was etwas ganz Besonderes ist, weil so schwer fassbar und hart zu trainieren – und das macht ihn wiederum zu etwas Besonderem.” So verwundert es nicht, dass 2017 neben Chelsea auch Vereine wie Manchester United und co. an Redan interessiert waren. Redan selbst sagt über sich: “Als eine Art Vorbild habe ich Patrick Kluivert. Ich mag es, vorne früh zu attackieren, um dann umzuschalten und zu treffen. Darum geht es!”
Lockvogel Bundesliga
Es stellt sich nach all den Lobpreisungen natürlich die Frage, warum solch ein talentierter Spieler den Schritt weg vom großen FC Chelsea hin zum Tabellenelften der zurückliegenden Bundesliga-Saison macht. Wenn Redan über solch ein riesiges Potenzial verfügt, neben Hudson-Odoi als eines der größten Academy-Talente Chelseas galt und mit Artikeln a la “Do Chelsea have a future world class striker in Daishawn Redan?” geadelt wird, warum dann Hertha?
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“Hertha BSC hat mir die beste Perspektive geboten! Ich hatte in den Gesprächen das Gefühl, dass ich hier den nächsten Schritt gehen kann. Ich möchte mich bei den Profis durchsetzen und in der Bundesliga spielen”, beantwortet Redan diese Frage und führt weiter aus:” Die Liga ist qualitativ stark, aber ich möchte meine Partien bekommen und auch Tore schießen. Nach meiner ersten Saison möchte ich sagen können, dass ich ein besserer Spieler geworden bin. Das ist mein Ziel.” Perspektive ist also das Stichwort. Mit Olivier Giroud, Michy Batshuayi und Tammy Abraham tummeln sich nicht gerade die schlechtesten Stürmer der Premier League bei den “Blues”, zumal die englische erste Liga als äußerst hartes Pflaster für Nachwuchsspieler gilt. Die Chancen, bei den Chelsea-Profis durchzustarten, hätten daher gen null gezeigt.
Und so geht Redan einen Weg, den zuletzt zahlreiche Talente von der Insel vorgemacht haben. Wenn es bei dem großen englischen Verein nichts wird, dann scheint der Umweg über die Bundesliga äußerst beliebt. Zuletzt haben Jadon Sancho (BVB), Ademola Lookman (Leipzig), Reiss Nelson (Hoffenheim) oder Reece Oxford (M’Gladbach und Augsburg) aufgezeigt, welch positiven Einfluss ein Wechsel nach Deutschland für die eigene Karriere haben kann. Seit einigen Jahren hat sich die Bundesliga einen Ruf als ausgezeichnete Ausbildungsliga erarbeitet, so zeigte die Statistik von ran.de aus dem Oktober letzten Jahres auf: “in der Bundesliga kommen schon 65 Spieler, die 21 oder jünger sind, auf mindestens zehn Einsätze. Das sind fast doppelt so viele wie in England.” Deutschlands U21-Nationalspieler Lukas Nmecha, der aktuell bei Manchester City unter Vertrag steht, bestätigte in einem Interview, dass sich die Erfolge von Sancho und co. bei den Jugendspielern in England herumsprechen, “Natürlich nehmen das alle wahr.” Aufgrund dessen ist die Bundesliga ein solch attraktives Ziel für Talente aus Großbritannien.
Auch bei Hertha hat ein Spieler diesen Karrieresprung bereits vorgemacht – Javairo Dilrosun. Der 21-jährige Landsmann von Redan wechselte vergangene Saison für 300.000 Euro von Manchester Citys zweiter Mannschaft nach Berlin und brauchte nicht einmal die komplette Hinrunde, um sich zum A-Nationalspieler Hollands zu mausern. “Javairo und ich kennen uns noch aus Amsterdam. Er ist ein wenig älter und hat immer eine Mannschaft über mir gespielt, aber wir haben uns immer gut verstanden und abseits des Platzes viel Zeit miteinander verbracht. Er ist ein guter Freund von mir”, erzählt Redan über ihr Verhältnis.
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Der Weg eines Dilrosuns wird Eindruck bei Redan und seinem Umfeld hinterlassen haben – “Wenn es bei Javairo klappt, warum dann nicht auch mit Daishawn?” Genauso Eindruck werden auch die Karrieren von Mitchell Weiser, Niklas Stark, Valentino Lazaro oder Marko Grujic hinterlassen haben, die durch den Wechsel zu den Blau-Weißen einen deutlichen Sprung machen konnten. Hertha hat sich durch seine exzellente Jugendarbeit, sei es mit Eigengewächsen oder extern dazugewonnen Talenten, einen Ruf erarbeitet, der ihnen neue Möglichkeiten schenkt. Im Rennen um Redan soll sich Hertha gegen Vereine wie Hoffenheim, Leverkusen und Dortmund durchgesetzt haben – allesamt keine Leichtgewichte auf dem Transfermarkt. Das ist das Ergebnis von nun schon jahrelanger Talentförderung und hoher Durchlässigkeit zu den Profis, die Manager Michael Preetz in den Gesprächen mit potenziellen Neuzugängen stolz präsentieren kann. Der Ruf Herthas arbeitet mittlerweile für und nicht gegen den Verein und lockt Spieler an die Spree, die vor ein paar Jahren vielleicht noch nicht einmal von Hertha gehört haben und für den nächsten Schritt lieber nach Dortmund, Lissabon oder Monaco gewechselt sind.
Damit ist nicht gesagt, dass Hertha in diese Riege von Vereinen vorgestoßen ist, jedoch scheint es für international angesehene Talente wie Dilrosun oder Redan mittlerweile sehr reizvoll, den Zwischenschritt in Berlin zu vollführen. Schließlich hat man hier alles: die Bundesliga als eine der stärksten Ligen Europas, gute Trainingsbedingungen, erfahrene Spieler wie Salomon Kalou oder Vedad Ibisevic als Ratgeber und mit Pal Dardai wie nun Ante Covic einen Trainer, der auf die Jugend setzt. Viel mehr braucht ein 18- bis 23-jähriger Spieler für seine Entwicklung nicht.
Eine Wette auf die Zukunft
Es wurde bereits aufgezeigt, welch großes Talent in Daishawn Redan zu schlummern scheint und welch starken Zuwachs an Prestige sich Hertha BSC in den vergangenen Jahren erarbeitet hat. Dennoch muss jeder etwaige Hype ausgebremst werden, denn damit ist überhaupt nicht in Stein gemeißelt, welchen Weg der 18-Jährige beim Hauptstadtklub nehmen wird. Redan ist blutjung, hat keinerlei Profi-Erfahrung und soll zunächst über die U23 aufgebaut werden – niemand kann sagen, ob und wie schnell der Mittelstürmer sich an das Profi-Geschäft gewöhnen wird.
Sicherlich hat Redan das Potenzial, ein überaus guter Spieler zu werden, doch wer kann das mit Gewissheit prognostizieren? Ein Muhammed Kiprit ist (noch) nicht zu dem Über-Stürmer geworden, den man zu seiner A-Jugend-Zeit versprochen bekommen hatte und ein Maximilian Mittelstädt hat sich in der vergangenen Saison deutlich besser entwickelt als von vielen vermutet. Will sagen: wie bei jedem Nachwuchsspieler muss abgewartet werden. Aktuell ist Redan somit nur eine Wette auf die Zukunft, doch bereits ein Statement für die aktuelle Situation von Hertha BSC.
Ich hätte nicht in seiner Haut stecken wollen. Michael Preetz musste ja etwas schaffen, was völlig unmöglich war. Er sollten einen Lucien Klopp mit Berliner Schnauze finden. Einen Trainer, der nicht nur taktisch europäische Spitzenklasse ist, sondern auch ein Menschenfänger wie der Coach des FC Liverpool und dann eben auch einen, der beim Kieztraining nicht erstmal nachfragen muss, was gemeint ist, wenn die Frage kommt: “Kann ick mal n Foto schießen?!”
Alle suchten “The Next Nagelsmann”
Nein, Preetz war um seine Aufgabe nicht zu beneiden, zumal ja gefühlt die halbe Bundesliga “The Next Nagelsmann” suchte. Dass sich der Lange selbst in diese Situation hineinmanövriert hatte, geschenkt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ein echter Aufschrei durch die Fanbase ging, als das Ende der Trainer-Ära von Pal Dardai verkündet wurde. Ein bisschen Traurigkeit, ja. Aber nur, weil Dardai dieser manchmal sehr eigentümliche Kauz mit dem ungarischen Herzen auf der Zunge ist. Und nicht, weil er mit seinem begeisternden Fußball alle überzeugt hatte.
Dardais Aufgabe war ja von Beginn klar definiert: Hertha stabilisieren. Dafür bekommt er auf seinem Abschlusszeugnis eine 1+ mit Sternchen. Mehr Stabilität geht nicht, als die, die Dardai diesem Klub in seinen viereinhalb Jahren eingeimpft hat. Es hätte schon einen feuerspeienden Drachen gebraucht, um Dardais Team von seinem sicheren Bergfried zu stoßen. Seine Punkte hat er immer frühzeitig gesammelt und dass sich die Fans (mich eingeschlossen) über schwache Rückrunden echauffierten, liegt natürlich allein daran, dass Fußballfans nach wie vor schnell vergessen. So eine Rückrunde wie Dardais erste, als Hertha erst am letzten Spieltag mit einer Niederlage in Hoffenheim und nur aufgrund eines (!) mehr erzielten Tores in der Liga blieb, will sicherlich niemand eintauschen gegen das, was Dardai danach ohne die großen finanziellen Mittel aufs Parkett zauberte.
Champions-League-Trainer ohne Champions-League-Mannschaft
Jetzt darf der nächste ran. Und, das muss man Preetz lassen, er hat mit der Hochstufung des ehemaligen U15-, U19- und U23-Trainers Ante Covic, mehrere Baustellen auf einmal geschlossen, dass man schon unken könnte, dass er bald in Schönefeld vorstellig wird.
Da ist zum einen die in der aktuellen Saison stark gestiegene Erwartungshaltung, die mit der Verpflichtung eines Trainers wie André Villas-Boas in Sphären gestiegen wäre, die die der Fans von Game of Thrones bezüglich der letzten Staffel noch übertrifft. Der Portugiese wäre zudem vor allem eine Verpflichtung für die Außendarstellung des Klubs gewesen: Seht her, wir haben einen Champions-League-Trainer geholt. Hertha hätte in den Schlagzeilen gestanden, wäre mal wieder international beachtet und vielleicht auch mal kurz wieder bewundert worden. Doch da Champions-League-Trainer Villas-Boas keine Champions-League-Mannschaft vorgefunden hätte, war es schon gut so, dass er am Ende wohl zu teuer war. Ante Covic dagegen ist im Vergleich dazu eine Lösung, die im Rest der Welt nur eine Randnotiz unten links auf der Zeitungsseite war. Ante wer? Ach, ein zweiter Dardai. Alles klar. Hertha bleibt sich treu. Und an dieser Stelle sollten alle Hertha-Fans mal kurz darüber nachdenken, ob das nicht das Beste an der ganzen Nummer ist.
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David Wagner wäre nämlich auch so einer gewesen, dem man schon qua seiner Vita keine Fehler verziehen hätte. Der war doch mal bei Schalke. Und der mit dem Wunder von Huddersfield im Gepäck – also der Geschichte, dass er mit einer völlig unterdurchschnittlichen Mannschaft in die Premier League aufgestiegen ist und sich dort sensationell gehalten hat – gestartet wäre. Das hätte ebenfalls für eine Erwartungshaltung gesorgt, die er einfach nicht hätte erfüllen können. Ante Covic dagegen ist erstmal ein unbeschriebenes Blatt. So leer wie das Olympiastadion ab 2025 – also bestimmt. Erwartungen an ihn? Die werden sich erst im Laufe der Saison entwickeln. Er hat schließlich noch keine Wunder vollbracht, soll mit der U23 lediglich guten Fußball gespielt haben. Er findet allerdings womöglich eine Profi-Mannschaft vor, die von Wundern so weit entfernt ist, wie Hertha von einer Einigung mit der Baugenossenschaft.
Investitionen müssen sitzen
Denn das ist ja die dritte Wahrheit der Verpflichtung von Ante Covic: Hertha ist nach wie vor – und erst recht nach dem Rückkauf der Anteile von KKR – kein Klub, der mit Geld um sich werfen kann, sondern einer, dessen Investitionen weiterhin sitzen müssen, um Erfolg zu haben. Und wenn Michael Preetz von einer Investition nicht überzeugt ist, dann lässt er sie lieber liegen und gibt einem eine Chance, der bislang noch keine hatte. Das kann man öde finden oder bodenständig. In jedem Fall ist es angesichts der Finanzsituation richtig.
Hinzukommt, dass Covic eine echte Verbesserung zu allem ist, was Preetz vorher so geholt hat. Oder will ernsthaft jemand nochmal einen Typ Markus Babbel? Michael Skibbe? Friedhelm Funkel? Otto Rehhagel?
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Ich habe jetzt ein paar Tage Zeit gehabt, um über den Trainer Ante Covic nachzudenken. Ich habe alle Texte gelesen, mir alte und neue Videos angeschaut. Ich habe versucht, mich in die Mannschaft hineinzuversetzen: Wie nimmt sie seine Verpflichtung auf? Kann er, der doch eigentlich noch nichts erreicht hat, mit diesen zum Teil sehr abgezockten Jungs umgehen (ich schaue da vor allem dich an, Vedad Ibisevic!)? Wird er Erfolg haben, obwohl er möglicherweise einen schwächeren Kader vorfindet, als Dardai momentan? Und was wäre dann ein Erfolg? Nochmal Platz 10? Europa? Oder einfach eine attraktivere Spielweise?
Kommunikation ist alles
Vieles wird wegen dieser vielen Unwägbarkeiten darauf ankommen, wie er kommuniziert. Intern wie extern. Ersteres kann ich nicht beurteilen, letzteres Dank der vielen Videos im Netz schon. Und da scheint Covic durchaus zu wissen, welche Knöpfe er drücken muss, um beim Publikum anzukommen. Seine Pressekonferenzen nach den Spielen der U23 sind durchaus witzig, er findet oft die richtigen Worte, spricht aber auch klar an, wenn ihm etwas nicht gepasst hat. Allerdings ist die Fallhöhe auf diesem Niveau natürlich deutlich geringer. Wenn er in der Bundesliga einen Schiedsrichter so angehen würde, wie hier nach dem 1:3 gegen Chemnitz, wäre er sicher schnell ein Wochengehalt los.
Eine Unbekannte ist für mich noch der neue Co-Trainer Mirko Dickhaut. Diese Position war unter Dardai ja eine sehr wichtige, Rainer Widmayer hat – so kam es jedenfalls stets rüber – einen sehr besonderen Zugang zur Mannschaft gehabt, gefühlt durchaus auch als Gegenpol zum manchmal knurrigen Chef. Von Dickhaut, der mit Covic zusammen die Trainerlizenz gemacht hat, habe ich bis auf ein Video wenig Aktuelles gefunden, was ja erstmal normal ist, wenn man 2017 zuletzt in Führt aktiv an der Linie stand. Sich daraus ein Urteil zu bilden, ist allerdings schwierig. Außerdem sucht Hertha ja noch nach einem weiteren Zuarbeiter für Covic.
Vorfreude steigt
Aber je mehr ich mir von Ante Covic und über Ante Covic anschaute, desto mehr stieg die Vorfreude auf ein erstes Trainerjahr mit diesem Typen, der wirklich Herthaner ist, der nicht auf die Idee kommen wird, beim ersten echten Gegenwind sofort hinzuschmeißen (ich schaue dich an, Lucien F.!) oder bei dem man das Gefühl hat, dass er eigentlich gar nicht da sein möchte (stimmt, Markus B.?).
Vielmehr ist da eine gewisse Hoffnung, dass es vielleicht wieder klappen könnte mit einem Eigengewächs. Dass das das neue Ding von Hertha werden könnte und wir hinterher alle drüber lachen können, dass wir ernsthaft daran gezweifelt haben, ob (T)ante Covic unsere Alte Dame gut behandeln würde.
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