Hertha BSC – 1. FC Köln: Drei Thesen

Hertha BSC – 1. FC Köln: Drei Thesen

Der 1. FC Köln zählt zu den positiven Überraschungen der bisherigen Bundesliga-Saison. Hielt man im vergangenen Jahr nur über den Umweg Relegation die Klasse, zeigt sich die Elf von Steffen Baumgart in dieser Serie grundverbessert. Die „Geißböcke“ rangieren im gesicherten Mittelfeld und dürfen sogar auf die Europapokal-Plätze schielen. Der gute Eindruck aus dem 3:1-Hinspielsieg der Kölner gegen Hertha BSC, Baumgarts erstem Liga-Spiel für seinen neuen Arbeitgeber, hat sich in den folgenden 16 Spielen bestätigt. Doch auch bei der „Alten Dame“ ist seitdem viel passiert. Grund genug, mit drei Thesen auf das anstehende Wiedersehen zum Rückrundenauftakt zu blicken.

These 1: Kein Tor für Modeste

Eng verknüpft ist der Kölner Aufschwung mit dem persönlichen Formhoch ihres Stürmers Anthony Modeste. Eigentlich galt der 33-Jährige als abgeschrieben, doch Baumgart setzte auf ihn und Modeste zahlte das Vertrauen mit elf erzielten Toren in der Hinserie zurück. Auf 0,67 expected goals + expected assists pro 90 Minuten kommt Modeste, was ihn zum torgefährlichsten Kölner macht.

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Ein Top-Stürmer in den gegnerischen Reihen: Schlechte Nachricht für die zweittoranfälligste Abwehr der Liga – möchte man meinen. Doch Herthas Abwehr bewies jüngst, dass sie es auch mit den besten Stürmern der Liga aufnehmen kann. Gelingt es der Abwehr um Niklas Stark, den Kölner Modeste mit genauso viel Leidenschaft und Disziplin zu verteidigen, wie man es bei Erling Haaland im letzten Heimspiel gegen den BVB getan hat, wird es Modeste schwer haben.

Davon ausgehend, dass die Abwehr ähnlich auftritt, lautet die erste These: Kölns Goalgetter Anthony Modeste wird gegen Hertha am Sonntag kein Tor erzielen.

These 2: Punkt(e) trotz Personalchaos

Die kurze Winterpause brachte der Bundesliga vor allem eines: Corona-Chaos. Reihenweise Spieler werden positiv getestet und müssen in Isolation. Auch bei Hertha wurde das Virus bei einigen Spielern festgestellt. Bei Linus Gechter und Ishak Belfodil zum Beispiel, die das Spiel definitiv verpassen werden. Auch auf Dedryck Boyata, Frederik Andre Bjørkan, Stevan Jovetic, Deyovaisio Zeefuik und Rune Jarstein muss Trainer Tayfun Korkut verzichten. Tendenz steigend.

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Doch auf der FC hat seine Probleme. Mit Modestes Sturmpartner Sebastian Andersson und dem zuletzt aufblühenden Kingsley Schindler fallen zwei Spieler krankheitsbedingt aus. Mit Ellyes Skhiri fehlt ein absoluter Leistungsträger, da er mit der tunesischen Nationalmannschaft beim Afrika-Cup in Kamerun weilt.

Hinzu kommt, dass Korkut zuletzt bereits eine schwierige Personalsituation zu bewältigen hatte, als er in der Englischen Woche zum Jahresabschluss zwischen dem Auftritt in Mainz und dem Heimspiel gegen Dortmund kurzfristig auf vier Spieler verzichten musste. Das Resultat: ein 3:2-Sieg mit der stärksten Saisonleistung. Daher die zweite These: Hertha wird trotz der Ausfälle punkten.


Wie Trainer Korkut das Spiel gegen Köln angehen will und wie Hertha mit der derzeitigen Corona-Situation umgeht, könnt ihr hier lesen.


These 3: Richter richtet’s

Unter Korkut hat sich in der Offensive ein Duo bewährt gemacht: Belfodil und Jovetic. Blöd nur, wenn gleich beide ausfallen. Müssen’s halt die anderen richten! Einer, dem das zuzutrauen ist, ist Top-Scorer Marco Richter (fünf Tore, eine Vorlage). Ohne die eingespielte Offensive wird seine Rolle umso wichtiger.

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Dass er in den drei jüngsten Heimspielen drei Treffer erzielt hat, dürfte Richter Aufwind geben. Mit breiter Brust und wichtiger Rolle wird es auch auf ihn ankommen. Ein zusätzlicher Ansporn dürfte sein, dass ihm der 1. FC Köln noch auf der Liste an Mannschaften fehlt, gegen die er in der Bundesliga getroffen hat. Daher lautet die dritte und letzte These: Marco Richter wird am Sonntag sein Premieren-Tor gegen Köln erzielen.

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Hertha BSC – 1. FC Köln: Rückrundenauftakt im Zeichen von Corona

Hertha BSC – 1. FC Köln: Rückrundenauftakt im Zeichen von Corona

Besser hätte der Jahresabschluss nicht laufen können. Der 3:2-Sieg gegen die Borussia aus Dortmund bescherte den Fans von Hertha BSC ein besinnliches Weihnachtsfest und ließ über die Winterpause Ruhe im Verein einkehren. Doch der durch Corona zusammengestauchte Spielplan lässt keine langen Ruhezeiten für Spieler und Fans zu, bereits am Sonntag startet Rückrunde der Bundesliga. Das Hinspiel gegen Köln fing gut an, doch bereits nach 30 Minuten brach die Mannschaft ein und lieferte den ersten von einigen Offenbarungseiden in dieser Saison. Die Hoffnung auf ein besseres Rückspiel ist seit den Auftritten unter Trainer Tayfun Korkut (47) durchaus da, doch Corona-Ausfälle dezimieren die Mannschaft. Unser Blick auf die Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln.

Corona-Fälle und Verletzungen – der ausgedünnte Kader gegen Köln

Mit Dedryck Boyata (31), Deyovaisio Zeefuik (23), Fredrik Bjørkan (23), Lucas Tousart (24), Santiago Ascacibar (24), Linus Gechter (17) und Ishak Belfodil (29) gab es eine ganze Reihe von Spielern, die in den vergangenen Tagen positiv auf das Coronavirus getestet worden sind. Und auch wenn glücklicherweise laut Fredi Bobic nur zwei der Genannten Symptome zeigen, wird es höchstwahrscheinlich keiner von ihnen schaffen, am Sonntag mit von der Partie zu sein. Boyata, Zeefuik und Bjørkan durften die Isolation allesamt verlassen, werden bis Sonntag aber nicht spielfit sein. Bei Ascacibar und Tousart besteht bis zum Köln-Spiel ebenfalls noch die Chance sich freizutesten, doch auch beim Sechser-Duo sieht es eher eng aus.

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Manager Bobic hat liefert eine gute Erklärung, warum ausgerechnet bei den Blau-Weißen so viele Corona-Fälle auftauchen: „Man muss eigentlich nicht testen, aber am Anfang hat man natürlich getestet. Normalerweise müssten wir nur Spieler testen, die ungeimpft sind.“ In der Mannschaft ist das laut seiner Aussage lediglich eine Person. Das Problem sei, wenn man einmal einen Fall habe, werde man vom Gesundheitsamt aufgefordert täglich zu testen. Diese Regelung ist gesundheitlich natürlich äußerst sinnvoll und führt dazu, dass wirklich jeder Corona-Fall innerhalb der Mannschaft und des Vereins entdeckt wird. Dass es Vereine gibt, die offiziell keinen einzigen Corona-Fall haben, kann Bobic derweil eigentlich kaum glauben.

Mit Blick auf den eigenen Verein sollen die Corona-Fälle jedoch nicht als Ausrede genutzt werden. Man müsse auf das Positive schauen und enger zusammenrücken. Formulierungen, die zwar zeigen was gemeint ist, im aktuellen Zusammenhang jedoch zumindest unglücklich gewählt sind. Auf die Nachfrage, ob die Rückkehr in „Blasen“ die Infizierungen verhindern könnten, hat der Geschäftsführer Sport eine klare Antwort: „Das können Sie nicht verhindern. Klar könntest du die Spieler ins Hotel einschließen, aber das bringt doch nichts. Am Ende des Tages wirst du es nie 100 Prozent verhindern können, und wenn es einmal drin ist dann geht’s einmal rum“.

Lichtblicke bei den Spielern, die verfügbar sind

Trainer Korkut befolgte die Aufforderung von Fredi Bobic umgehend und gab sich während der Pressekonferenz betont positiv. Man müsse halt sehr flexibel sein und sich auf Ausfälle durch Krankheiten, Verletzungen oder auch Transfers einstellen. Dafür wurden unter anderem Spieler aus der Jugend hochgeschoben. Es dürfe und werde keine Rolle spielen, welche Spieler schlussendlich zur Verfügung stehen werden, man habe genug Spieler auf dem Platz, die ihre bestmögliche Leistung abrufen werden.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Dass zumindest einige Stützen der Mannschaft zur Verfügung stehen, dürfte Korkut deutlich freuen. Um Rechtsverteidiger Peter Pekarik beispielsweise kursierten Gerüchte, dass er ebenfalls nicht zur Verfügung stehen würde. Dem erwiderte der Trainer mit einem Lächeln auf dem Gesicht: „Dem geht’s gut, wir sind uns sehr sicher, dass der spielen kann“. Pressesprecher Max Jung schob direkt hinterher, nicht alles was durch das Internet schwirre, sei wahr.

Und auch, dass Marco Richter spielen kann, dürfte für einige Erleichterung sorgen. „Die Stärke von Marco ist seine Unberechenbarkeit“, führt Korkut aus. Der Rechtsaußen steuerte in den letzten fünf Siegen von Hertha fünf Scorerpunkte bei und ist damit einer der Aushängeschilder des relativ guten Abschlusses der Hinrunde. Jordan Torunarigha (24) solle ebenfalls so weitermachen, wie er es im letzten Spiel (gegen Dortmund) gemacht habe.

Keine Systemumstellung trotz der Ausfälle

Wer am Ende auf dem Platz steht, wird der Übungsleiter dennoch erst relativ spät entscheiden. Dass beim Spiel gegen die Domstädter am Sonntag jedoch zwei Stürmer auf dem Platz stehen werden, stehe mehr oder weniger fest. Korkut sagt dazu: „Das wollen wir, da wird sich an der Grundordnung nicht sonderlich viel ändern“.

Eine der absoluten Stärken des kommenden Gegners ist das Erzielen von Toren durch Flanken. Zielstürmer Anthony Modeste (33) erzielte bereits elf Tore in der Hinrunde steht damit auf Platz vier der Torschützenliste in der Bundesliga. Und der Trainer gibt zu: „Klar ist das auch Thema“. Aber was viel mehr Thema sei die Frage: „Was machen wir?“ Es zeigt sich erneut die Stärke des gebürtigen Stuttgarters: Der Fokus auf das eigene und aktive Spiel. Dass gerade die Flügelverteidiger wachsam sein sollten, ist dennoch unbestritten. Die Hoffnung besteht darin, dass die Mannschaft aus dem Hinspiel gelernt hat, am ersten Spieltag kassierte man alle drei Gegentore nach Hereingaben von der Seite.

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Und auch eine andere Stärke der Gastgeber trifft auf eine Schwäche der Gäste aus Berlin: Das Erzielen bzw. Kassieren von späten Gegentoren. Während Hertha schon acht Gegentore in der Schlussviertelstunde hinnehmen mussten, schoss Köln zehn eigene Tore in dieser Phase des Spiels. Korkut mahnt daher: „Bis zur letzten Sekunde müssen wir sehr fokussiert, sehr aufmerksam und auch in jeder Aktion konzentriert sein, das wird wichtig sein“. Der absolute Fokus sei es, das eigene Spiel auf den Platz zu bringen. Es wird sich zeigen, ob Hertha das bis zur letzten Sekunde wird durchhalten können.

Der Piatek-Wechsel und die Erwartung für die Rückrunde

Eins der größeren Themen diese Woche ist der Abgang von Krzysztof Piatek zur AC Florenz. Bobic bestätigt dies auf der Presskonferenz mehr oder weniger: „Sie haben ja schon die Fotos gesehen, dass er in Florenz ist, er ist sicher nicht da um Pizza zu essen“. Noch seien die Verträge aber nicht final unterschrieben, sobald dies passiert ist, werde man es auch offiziell vermelden. Die Verpflichtung eines neuen Stürmers ist derweil nicht geplant. Das Handy klingele trotzdem viel, laut Bobic sei man auf einem ordentlichen Weg.

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Hertha-Fans können also wahrscheinlich noch mit der einen oder anderen Verstärkung im Winter rechnen.
Mit Blick auf die Erwartungen in der Rückrunde hält sich der Manager zurück: „Sollen wir über die ganze Rückrunde reden? Wir wissen doch gar nicht was kommt. Wir fangen jetzt erstmal unter den gegebenen Voraussetzungen an.“

Cheftrainer Korkut lässt dennoch durchblicken: „Die Mannschaft gibt mir das Gefühl, dass sie dranbleiben will und dass jeder seinen Beitrag dazu geben will, dass es in der Rückrunde erfolgreich läuft“. Ob die Spieler diese Einstellung auf den Platz bringen können wird sich dann am Sonntag zeigen.

Eine mögliche Aufstellung für das Spiel:

Es fehlen: Rune Jarstein, Dedryck Boyata, Fredrik Bjørkan, Stevan Jovetic, Deyovaisio Zeefuik, Ishak Belfodil, Linus Gechter sowie voraussichtlich Santiago Ascacibar und Lucas Tousart.
Das Spiel ist am Sonntag um 15:30 live auf DAZN zu sehen.

(Photo by UWE KRAFT/AFP via Getty Images)

Piatek verlässt Hertha: Das vorläufige Ende eines Missverständnisses

Piatek verlässt Hertha: Das vorläufige Ende eines Missverständnisses

Krzysztof Piatek (26) wechselt auf Leihbasis von Hertha BSC zur AC Florenz in die Serie A. Der zweitteuerste Zugang der Vereinsgeschichte verlässt den Verein damit (vorläufig) nach zwei sehr durchwachsenen Jahren – sowohl auf Vereins- als auch auf Spielerseite. Wir wollen einen Blick auf mögliche Vor- und Nachteile der Leihe werfen und einen kleinen Ausblick rund um die Personalie Piatek für den Sommer geben.

Wintertransferfenster 2020 – Eine neue Zeitrechnung brach an

Die Erwartungshaltung in jenem Moment war tatsächlich mit bloßen Händen greifbar. Eine ganz besondere Stimmung zirkulierte bei gefühlten 0° Celsius durch die für ein Freitagsspiel mit knapp 50.000 Fans durchaus gut gefüllte Schüssel des Olympiastadions. Wir schreiben den 31.01.2020, Ortszeit ca. 21:50 als Krzysztof Piatek in der 63. Minute von damaligen Cheftrainer und selbst ernannten Möchtegern-Manager Jürgen Klinsmann für Marius Wolf auf das Spielfeld geschickt wurde.

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(Photo by ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images)

Das Endergebnis von 0:0 gegen die in der Hinrunde der Saison noch stark aufspielenden Schalker konnte auch Piatek nicht beeinflussen, doch jeder spürte: Es hatte sich was geändert bei Hertha. Circa 80 Millionen Euro hatte der Verein für die Spieler Lucas Tousart (24), Santiago Ascacibar (24), Matheus Cunha (22) und eben Piatek bezahlt. Es waren die weltweit höchsten Ausgaben dieses Transferfenster.

Fast exakt zwei Jahre später hat sich das Kapitel des Polen bei Hertha vorerst erledigt. Es zieht ihn auf Leihbasis zurück in die Liga, in der er seinen Durchbruch geschafft hatte.

Kein Anknüpfen an alte Leistungen

In der Saison 2018/19 erzielte Piatek 19 Tore in 21 Spielen für den Genua CFC. Der damals 23-Jährige hatte sich auf die ganz große Fußballbühne geballert. Die AC Milan wurde aufmerksam und verpflichtete ihn im Winter 2019 für 35 Millionen Euro. In der Rückserie traf der „Pistolero“ auch dort noch elf Mal in ebenfalls 21 Spielen.

(Photo by Marco Luzzani/Getty Images)

Nachdem er in der Hinrunde 2019/20 deutlich abgebaut hatte (5 Tore in Spielen) verkaufte Milan den Mittelstürmer an die neureiche Hertha aus Berlin. In der Hauptstadt hatte man das Gefühl, bei den Großen angekommen zu sein. Ein Transfer in solcher Höhe von einem Topklub aus Europa ließ viele Fans träumen, eines Tages auf der gleichen Stufe wie die AC Mailand stehen zu können. Und Piatek sollte der Start sein.

Die anschließende Landung war ernüchternd: Lediglich 13 Tore (und vier Vorlagen) aus 59 Spielen im Hertha-Dress sind angesichts der gezahlten Ablöse bei Weitem zu wenig um um Europa mitspielen zu können. Im Gegenteil war es eher gerade genug um Hertha in den vergangenen beiden Spielzeiten in der Bundesliga zu halten.

Kein auf Piatek abgestimmtes Spielsystem

Dass der polnische Nationalspieler gewillt war, kann man ihm nicht absprechen. Gerade nach der schweren Verletzung zu Ende der vergangenen Saison und der dadurch komplett verpassten Sommervorbereitung kämpfte er sich durch seine Reha und legte sogar etwas an Muskelmasse zu.

Doch das Hertha-Spiel der vergangenen zwei Jahre war quasi nie auf Piatek zugeschnitten. Er ist ein klassischer „Knipser“, der durch gnadenlose Effizienz beim Torabschluss glänzt (man erinnere sich an das 3-1 Derby), jedoch nahezu gar nicht in das Herausarbeiten von Chancen eingebunden ist.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Doch eben dieses Herausspielen fand bei Hertha kaum oder gar nicht statt, der Knipser verhungerte regelmäßig alleine vorne in der Box. Weder kamen Schnittstellenpässe aus dem Mittelfeld noch regnete es Flanken von Außen. Und auch wenn der „Pistolero“ rein menschlich und charakterlich äußerst sympathisch erscheint, zählen schlussendlich die Leistungen auf dem Platz.

Und spätestens in dieser Saison funktionierte selbst das reine Abschließen nur noch sehr bedingt. Als Beispiele sind die Kopfballchance gegen Frankfurt (8. Spieltag) oder die Großchance gegen Bielefeld (15. Spieltag) zu nennen. Auch wenn Piatek aus einer schweren Verletzung kam, ist das im Ergebnis leider einfach zu wenig. Der Wechsel zurück nach Italien, zur „Fiorentina“, scheint daher ein logischer Schritt zu sein, um an alte Leistungen anknüpfen zu können.

Vlahovic Nachfolger in Florenz?

In Florenz trifft Piatek auf einen der heiß gehandelsten Stürmer Europas: Dusan Vlahovic (21). Der Kroate traf diese Saison bereits 18 Mal in 21 Spielen und besitzt einen Marktwert von 70 Millionen Euro. Ein Abgang im Sommer ist extrem wahrscheinlich, im Winter zumindest möglich. Die Fiorentina spielte in dieser Saison bisher überwiegend in einem 4-3-3 mit lediglich einem zentralen Stürmer.

(Photo by Giuseppe Cottini/Getty Images)

Der zweite Mittelstürmer im Kader, Aleksandr Kokorin (30), kam bisher gerade mal auf vier Einsätze und damit nur zwei Prozent der möglichen Spielminuten. Es gibt somit zwei Szenarien: Entweder bleibt Vlahovic noch ein halbes Jahr, dann wird Piatek sich auch in Italien mit der Jokerrolle zufriedengeben müssen. Sollte sein Konkurrent noch im Winter wechseln könnte er Stürmer Nummer eins und Stammspieler werden.

Die AC Florenz befindet sich damit in einer komfortablen Lage. Piatek kann ein Halbjahr im Training und gegebenenfalls in Spielen begutachtet werden, man hätte einen potentiellen Ersatz für Vlahovic oder zumindest einen guten Back-Up für ihn. Passt Piatek in Verein, Umfeld und zeigt er in seinen Einsätzen gute Leistungen könnte Florenz mit der Kaufoption in Höhe kolportierten 15 Millionen Euro einen integrierten und funktionierenden Spieler verpflichten. Zündet er nicht wird er nach Berlin zurückgeschickt.

Doch auch Hertha und Piatek profitieren vom Deal.

Geldsegen für Hertha, Einsatzzeiten für Krzysztof Piatek

Mit über fünf Millionen Euro Jahresgehalt gehört Piatek zu den absoluten Topverdienern in Berlin. Ein Status, der anhand der gezeigten Leistungen kaum zu rechtfertigen ist. Da Florenz das Gehalt für ein halbes Jahr übernimmt, hat man zwischen zwei und drei Millionen Euro mehr auf dem Konto.

Geld, das durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und benötigte Spieler dringend gebraucht wird. Der polnische Nationalstürmer ist hinter Stevan Jovetic (32), Ishak Belfodil (29), Davie Selke (26) und zu Teilen Myziane Maolida (22) nur noch Stürmer Nummer vier bei Hertha. Selbst wenn Vlahovic in Florenz bleiben würde, stiege Piatek in der Hierarchie vermutlich deutlich auf und erhöht seine Chance auf Einsatzzeiten.

Ein Szenario, was sowohl sportlich für ihn selbst als auch marktwerttechnisch und somit finanziell für Hertha gut klingt. Es besteht natürlich dennoch die Gefahr, dass der Stürmer auch in Florenz nur Bankdrücker ist. Doch selbst in diesem Fall würde sich für ihn kaum etwas ändern, der Geldsegen aufgrund des eingesparten Gehalts für Hertha bleibt jedoch.

Wie sieht die Zukunft aus?

Wie geht es nach dem Abgang weiter? Sollte Hertha im Sturm nachrüsten? Diese Fragen stellen sich gerade vermutlich viele Hertha-Fans. In der aktuellen Saison wird sich wahrscheinlich vorläufig nicht viel ändern. Da Piatek ohnehin nicht zu viel Einsatzzeiten kam, wird man den Abgang sportlich vermutlich gut auffangen können.

Korkut wird in seinem 4-4-2 weiterhin auf das Duo Jovetic–Belfodil setzen und Selke einwechseln. Und selbst mit den tendenziell verletzungsanfälligen Jovetic und Belfodil hätte man mit Maolida und Marco Richter weitere Spieler, die im Sturm aushelfen können. Sofern ein zusätzlicher Rechtsaußen verpflichtet wird, wäre mit Richter sogar noch ein Spieler vorhanden, der theoretisch im Sturm spielen könnte. Zudem besteht auch die Option mit Spielern aus dem Nachwuchs wie Ruwen Werthmüller (20) oder Tony Rölke (18) nachzurüsten.

(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Wie es dann im Sommer mit Piatek weitergeht, steht allerdings in den Sternen. Zunächst kommt es natürlich darauf an, ob Florenz die Kaufoption zieht, eine andere Ablöse aushandelt oder Piatek nach Berlin zurückkehrt. Der Vertrag von Belfodil läuft aus, Selke soll dem Vernehmen nach verkauft werden. Mit Lukebakio und Ngankam werden zwei weitere Leihspieler zurückkehren.

Eine Aussage für den kommenden Sommer zu treffen, ist damit nahezu unmöglich. Die Karten liegen allerdings zunächst bei der AC Florenz und vor allem bei Piatek selbst. Durch gute Leistungen kann er sich ins Schaufenster spielen, die Verantwortlichen bei Florenz überzeugen und zumindest seinen Markt selbst erschaffen.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)