Podcast #351 Freiburg & Hannover: Ist Herthas Saison vorbei?

Podcast #351 Freiburg & Hannover: Ist Herthas Saison vorbei?

Fünf Tage, die das Saisonende bedeutet haben könnten. So zumindest ist die Stimmung bei Hertha BSC nach dem Pokal-Aus gegen Freiburg und die Niederlage gegen Hannover. Gibt es wirklich keine Chance mehr auf ein Happy End? Wir blicken auf die letzten zwei Partien und das mutmaßliche Endspiel gegen Paderborn.

Stimmungsbarometer: https://stimmung.herthabase.de/

HIER FINDEST DU ALLE WICHTIGEN HERTHA BASE LINKS:

https://linktr.ee/herthabase

 

Moderation: Marc Schwitzky

Gast: Anna & Benny

Produktion & Schnitt: Lukas Kloss

Video & Schnitt: Marco M. Lude

Grafik: Tamina Ade

Auf glückliche Weise unglücklich

Auf glückliche Weise unglücklich

Glaubt man Leo Tolstoi, so steht fest, dass alle glücklichen Familien einander ähnlich sind, jede unglückliche Familie aber auf ihre Weise unglücklich sei. Als leidenserprobter Hertha-Fan fragt man sich an dieser Stelle vielleicht, wann man denn überhaupt das letzte Mal so wirklich glücklich war, also diejenige Emotion verspürt hat, die die Fans erfolgreicher Vereine wie dem FC Bayern Saison für Saison monopolisieren  dürfen. Unserem Hertha-Base Stimmungsbarometer zu Folge war der relative Moment höchsten Glücks am 14.9.2024 erreicht: 7.66/10 nach drei Siegen in Folge. Nur konsequent, dass wir danach 0:2 gegen Düsseldorf verloren haben und sich die Stimmung wieder auf die bekannte Talfahrt begeben hat.

„Ihr, die ihr eintretet, lasst alle Hoffnung fahren“

Eine Reise in die Tiefen der Leidensfähigkeit, die immer wieder vom Schlucklauf der Hoffnung unterbrochen wurde. Da mal wieder ein Sieg, hier eine Vertragsverlängerung. Momente des Innehaltens, an denen man sich dem intrusiven Gedanken, dass doch noch alles gut wird, ausgesetzt sieht. Doch bevor sich Hertha-Fans wirklich mit dem Ungewohnten, wohligen Empfindungen in der Bauchgegend auseinandersetzen müssen, werden sie von den opioiden Dämpfen, erfolgreicher Mittelmäßigkeit wieder ins Reich der Träume gezogen: Die Mannschaft tut gerade so viel, um ihren  Anhänger die  psychologische Beugehaft als wochenendliche Erholungsreise in Aussicht zu stellen, versagt im Unterhaltungsprogramm aber derart, dass uns alleine die Retraumatisierungsangst davon abhält, das erlebte Elend als wertvolle Lektion für die Zukunft zu nutzen.

„Ihr, die ihr eintretet, lasst alle Hoffnung fahren“ – Würde dieser Spruch die olympischen Ringe am Eingang des Stadions ersetzen, wir wüssten wenigstens, was uns erwartet. Den Blick nach unten gerichtet, die Hände tief in den Taschen vergaben, würden wir uns so immer tiefer in den dunklen Wald unseres Fan-Seins hineinbegeben. Ein Umgang mit den Schlechtleistungen von Hertha BSC, der uns selbst noch die Freude des ungläubigen Erfolgs zu nehmen wüsste. Ein Weg direkt in die vermeintlich glückliche Gewissheit, dass alles genauso scheiße gekommen ist, wie man immer gesagt hat.

Allerdings ist es gerade die Möglichkeit des Irrtums, die das Gefühl individueller Genugtuung gegen die Erfahrung positiver Fassungslosigkeit austauschen kann. Was ist schon das Glück, immer recht zu behalten gegen das Unglück, die eigene Welt von einem spielentscheidenden Steckpass aus den Angeln heben zu lassen? Was ist die Bequemlichkeit der vorhersagbaren Langeweile gegen 90 Minuten Chaos pur? Was die Gewissheit, dass keiner der elf Spieler auf dem Platz einem Freude machen wird gegen das Spiel zwischen Genie und Wahnsinn, dem Verhandeln strahlender Zukunft gegen vergeudetes Talent. Was bringt uns das Glück der anderen, wenn es uns unseren Glauben kostet.

Wo Fans zwischen Beton nicht mehr träumen, ist der Fußball tot

Dumm ist der dummes tut. Das trifft vielleicht auf den ein oder anderen Verteidiger der letzen Jahre zu, aber nicht auf diejenigen, die es vermögen, sich die eigene Naivität zu bewahren. Man weiß ja nie, wann man sie wieder braucht. Wir täten alle deshalb gut daran, die Botschaft, dass Alles gut wird, nicht nur zu hören, sondern auch Glauben zu schenken. Nicht, weil unsere Hoffnung zwangsläufig irgendetwas am Ausgang des Spiels ändern würde, sondern weil das Verlieren in fauler Teilnahmslosigkeit der direkte Weg in die Wolfsburgisierung des Fußballs ist: Wo Fans zwischen Beton nicht mehr träumen, ist der Fußball tot und sie haben ihn getötet.

In diesem Sinne bleiben nur noch die leicht veränderten Worte von Charles Dickens:

Es war die beste aller Zeiten, es war die schlimmste aller Zeiten,
es war das Zeitalter der Weisheit, es war das Zeitalter der Dummheit,
es war die Epoche des Glaubens, es war die Epoche des Unglaubens,
es war die Saison des Lichts, es war die Saison der Dunkelheit,
es war der Frühling der Hoffnung, es war der Winter der Verzweiflung,
wir hatten alles vor uns, wir hatten nichts vor uns,
wir gingen alle direkt in den Himmel, wir alle machten uns in Richtung Olympiastadion auf …

 

 

[Titelbild: Maryam Majd/Getty Images]

Zum Hoffen verdammt

Zum Hoffen verdammt

Die Hoffnung stirbt zuletzt? Aber wer kann es sich bei Hertha BSC überhaupt noch leisten, zu hoffen? Davon handelt dieser Text von Niklas Döbler.

Ein Tag in Berlin

Weil der 6. November 2004 eine dieser typischen regnerisch grauen Berliner Herbsttage ist, möchte mein Vater schnell weg. Er und ich haben uns gerade durch anstrengende neunzig Minuten der Partie Hertha gegen Werder Bremen gekämpft, in der es seit der 81. Minute dank Angelos Charisteas 0:1 für die Gäste steht. Wohl um den enttäuschten Massen aus dem Weg zu gehen, stehen wir schon vor Abpfiff auf und streben der S-Bahn entgegen. So erfahre ich erst, als ein gleichgesinnter Fan mit wehender Fahne am Ostkurveneingang zurück ins Stadion rennt, dass Alexander Madlung in letzter Minute eine Ecke von Marcelinho im Bremer Tor versenkt hat.

Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich seit je her nie ein Hertha-Spiel vorzeitig verlassen oder abgeschaltet habe; dass ich immer bis zuletzt an die Mannschaft geglaubt habe. Allerdings habe ich 2019 beim 8:7 n.E Pokal-Fight gegen Dynamo Dresden das Handy mit dem Liveticker gerade dann weggelegt, als Jordan Torunarigha in der 122. Minute zum 3:3 ausglich. Auch beim 3:3 gegen Düsseldorf im Jahr 2020 – das Spiel, in dem Thomas Kraft seine Mitspieler an der Ehre packte – habe ich die Kneipe zur Halbzeit beim Stand von 0:3 verlassen.

Nun lassen sich für jedes dieser Beispiele gefühlt zehn Spiele finden, in denen Hertha sicher geglaubte Punkte leichtfertig aus der Hand gab. Dennoch wäre es zu kurz gegriffen, zu behaupten, dass der Gang ins Olympiastadion dem Abstieg in die dantischen neun Kreise der Hölle gleicht. Auch wenn es sich in letzter Zeit oft anfühlte, als müssten jene, die eintreten, wirklich alle Hoffnung fahren lassen.

Trauma als Fankultur

Ja, ja, der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten – und die Hoffnung stirbt zuletzt. Wer so etwas unironisch sagt, dem ist das Hertha-Fan Sein wohl erspart geblieben. Wurden wir nicht zu oft von der Hoffnung verführt? Auf einen Champions-League-Platz am letzten Spieltag? Auf eine glorreiche Zukunft, versprochen von windigen Charmeuren und Kleinunternehmern? Der Schöne Bruno, der international schnelle Alexander oder der zuletzt der leidenschaftliche “Fiélo” — Kollektives Trauma und Resilienz als Fankultur.

Aber was bleibt uns – denen, die es besser wissen, aber nicht besser können – anderes übrig als zu hoffen? Uns, das sind wir, die zum Schauen verdammt sind. Die die Verbeugungen der Akteure auf dem Feld goutieren müssen und nur gehört werden, wenn wir mit einer Stimme singen. Anfeuern können wir. Und Jubeln. Und Stöhnen. Aber kicken, das müssen die, die es eigentlich können.

Wer darf bei Hertha hoffen?

In diesem Sinne müssen wir als Fans die Hoffnung für uns pachten. Den Spielern und Verantwortlichen darf Sie nicht zugänglich sein. Zu groß ist die Gefahr, die vermeintliche Machtlosigkeit in Passivität zu ertränken. Hoffnung darf kein Aufruf zum Nichts-Tun sein. Kein Appel an lähmenden rheinischen Optimismus. Et hätt beim FC Köln halt nicht noch emmer joot jejange.

Wir als Fans dürfen Hoffen, weil wir nicht anders wollen und können. Weil bei der jetzigen Performance der Mannschaft und ohne Hoffnung ein Hertha-Spiel nur 20 Minuten dauern würde. Wir müssen fluchen, verzweifeln und ungläubig die Hände über den Kopf schlagen. Wir dürfen den Fans nicht vorwerfen, die verzerrte Vereinsbrille zu tragen, die Dinge schön zu reden. Ohne diese Fähigkeit wäre Hertha-Fan zu sein, wahrlich kein Vergnügen (wohl aber immer noch Ehre). Doch die da unten, die müssen an ihrer Hoffnung arbeiten. „Zuversicht ist die Arbeit an der Hoffnung“, ließ Kanzlerkandidat A.D. Robert Habeck die Zuschauer im TV-Wahlkampf wissen. Nun ist es an Leistner, Ernst, Reese, Schuler und Co. Zuversicht zu zeigen, damit sich die Fans wieder der Hoffnung hingeben können, dass 2025 für Hertha besser ausgeht als für die Grünen.

Es ist in Ordnung zu zweifeln und die Hoffnung, fahren zu lassen. Das geht aber nur, weil wir Wissen, dass wir sie beim nächsten Spiel im Direktzug von Westkreuz zum Olympiastadion wiederfinden. Dort, neben uns in der Kurve, ist zuhause und zu gleichen Teilen bereit, uns einige der vermeintlich besten und schlimmsten Erlebnisse unseres Lebens beizufügen. In welche Richtung die Waagschale kippt, liegt letzten Endes aber nicht auf den Betontreppen des Stadions, sondern auf dem Rasen darunter. Lassen wir es drauf ankommen!

(Titelbild: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Podcast #306 Hertha im Abstiegskampf angekommen

Podcast #306 Hertha im Abstiegskampf angekommen

Hertha BSC hat nach der dritten Niederlage in Serie einen neuen Tiefpunkt erreicht. Zwar zeigte man gegen den 1. FC Kaiserslautern eine Reaktion, aber letztendlich mal wieder zu wenig. Nun brodelt es gewaltig an der Hanns-Braun-Straße. Wir analysieren die 0:1-Heimpleite und das Festhalten an Trainer Cristian Fiél.

Wir wünschen euch ganz viel Spaß mit der neuen Folge! Bitte abonniert uns auf allen Kanälen und gebt überall eine Bewertung ab, wo ihr es noch nicht getan habt. Das Beste für uns ist aber immer die persönliche Weiterempfehlung. Danke!

Stimmungsbarometer: https://stimmung.herthabase.de/

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Moderation: Marc Schwitzky

Gäste: Misha, Alex

Produktion & Schnitt: Lukas Kloss

Video & Schnitt: Marco M. Lude

Grafik: Tamina Ade

Podcast #284 Spektakelsieg in Lautern und Maza & Reese bleiben – eine perfekte Woche für Hertha?

Podcast #284 Spektakelsieg in Lautern und Maza & Reese bleiben – eine perfekte Woche für Hertha?

Eine wilde Woche für Hertha BSC mit einem wilden Spiel! Zuerst verkünden Ibo Maza und Fabian Reese jeweils ihren Verbleib in Berlin, dann kehrt John Anthony Brooks als Kempf-Nachfolger zurück und ein spektakulärer 4:3-Erfolg gegen Kaiserslautern rundete die Herzinfarkt-Erfahrung aller Herthaner*innen ab. Wir ziehen ein Fazit zum Transfersommer und analysieren detailliert den Sieg uffm Betze.

Wir wünschen euch ganz viel Spaß mit der neuen Folge! Bitte abonniert uns auf allen Kanälen und gebt überall eine Bewertung ab, wo ihr es noch nicht getan habt. Das Beste für uns ist aber immer die persönliche Weiterempfehlung. Danke!

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Produktion & Schnitt: Lukas Kloss

Video & Schnitt: Marco M. Lude

Grafik: Tamina Ade