Herthaner im Fokus: Zu grün hinter den Ohren

Herthaner im Fokus: Zu grün hinter den Ohren

Es läuft die 85. Minute im Berliner Stadtderby und Hertha-Jungprofi Linus Gechter fällt nach einem unglücklichen Zusammenprall ungünstig zu Boden. Nach kurzer Behandlungspause geht es für ihn zwar weiter, doch diese Szene und der Auftritt Gechters zeigen gut, was das komplette Spiel der alten Dame beschreibt. Gegen Union Berlin zeigte man sich mit zu viel Respekt vor dem Gegner, über weite Strecken agil, aber glücklos. Und am Ende lag man leider am Boden.

Personelle Veränderungen, aber weiter 4-4-2

Trainer Tayfun Korkut musste verletzungsbedingt kurzfristig auf Jordan Torunarigha verzichten und kehrte somit zur altbewährten Innenverteidigung mit Niklas Stark und Dedryck Boyata zurück. Myziane Maolida und Jurgen Ekkelenkamp machten außerdem Platz für den nach seiner Gelbsperre zurückgekehrten Suat Serdar und den im zentralen Mittelfeld agierenden Lucas Tousart.

In einem 4-4-2 stellte Korkut seine Mannschaft auf und wollte damit für eine stabile Zentrale sorgen und mit Ishak Belfodil und Marco Richter im Sturm offensive Gefahr kreieren. Im Derby gelang es der Hertha nach komplett verschlafener Anfangsphase irgendwann am Spielgeschehen teilzunehmen. Die Mannschaft zeigte aber über das gesamte Spiel deutliche Defizite in der Spielidee, im Spielaufbau und in der geschlossenen Verteidigung.

Wer die sowohl positiven als auch negativen Ausreißer in diesem ernüchternden Spiel waren und wer zumindest Leidenschaft zeigte, wollen wir hier nennen.

Suat Serdar: Der beste Herthaner

Wieder einmal war er der stärkste Spieler der Hertha. Auch wenn er wie seine Mitspieler wenig zu Beginn der Partie beizutragen hatte, war er es, dem es nach etwa einer halben Stunde gelang, das Zepter in die Hand zu nehmen und für die ersten offensiven Akzente zu setzen.

Im Verlauf des Spiels bereitete er zwei Torschüsse vor und scheiterte mit seinem Kopfball ans Außennetz in der 36. Minute relativ knapp. Er war 54 mal am Ball und brachte 73 Prozent seiner Pässe an den Mitspieler. Eine ordentliche Quote. Oft wirkte es allerdings, als wäre Serdar der einzige Spieler der Hertha, der in irgendeiner Form im Stande war Mittelfeld und Angriff miteinander zu verbinden. Sechsmal versuchte es Serdar mit einem Dribbling. Manchmal allerdings mit dem Kopf voraus durch die Wand. Immerhin konnte er vier davon erfolgreich abschließen, nur blieb die positive Wirkung für die Offensive zu oft aus.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Doch sein Verdienst war es, dass Hertha zumindest kurz Hoffnung schöpfen konnte, als er im Zusammenspiel mit Ishak Belfodil im Strafraum das Eigentor von Rani Khedira erzwang. Das 2:3, welches er und die Mannschaft erzwingen konnten, ging ebenfalls auf seine Kappe, war allerdings in Anbetracht der gespielten Zeit viel zu spät.

Suat Serdar zeigte unheimlich großes Engagement, konnte das aber vor allem wegen der fehlenden Stärke seiner Mitspieler zu selten ausnutzen. In der 16. Spielminute kassierte er nach einer Grätsche gegen Baumgartl die einzige gelbe Karte der Hertha in diesem Spiel. Auch ein Zeichen, mit welcher Intensität ein Derby geführt werden kann oder eben nicht.

Maximilian Mittelstädt: Bemüht aber glücklos

Auf seiner linken Seite hatte Mittelstädt relativ viel Spielraum. Mit 110 Aktionen war er nach Dedryck Boyata der jenige, der die meisten Ballkontakte im Spiel hatte. Anmerken muss man allerdings, dass gerade die beiden sich den Spiel oft ideenlos zuspielten, ohne einen Angriff kreieren zu können.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Im Gegenteil, das Unioner Pressing sorgte oft dafür, dass die Verteidigung mit langen Bällen schlimmeres verhindern musste, nachdem sie zu langsam hintenrum gespielt hatte. Ihm fehlte oft die Unterstützung auf der linken Seite, wie bei Öztunalis Angriff in der 50. Minute, als er unbedrängt in den Strafraum laufen und flanken konnte und so das Eigentor von Niklas Stark zum 0:2 erzwang. Mittelstädt selbst war bei dem Angriff viele Meter hinter dem Geschehen und konnte nach seinem offensiven Aufrücken nicht mehr ins Spiel eingreifen.

Auch beim 1:3 war er viel zu weit vom einschussbereiten Robin Knoche entfernt. Trotz allem ist die Passquote von Mittelstädt akzeptabel. 82 Prozent seiner Bälle kamen an den Mann. Sein Torschuss in der 87. Minute war schön anzusehen, ging aber leider knapp am Tor vorbei. Maximilian Mittelstädt ist bekanntlich kein Lautsprecher auf dem Platz, doch mit seinen Bemühungen gelang ihm es zumindest temporär das Team immer wieder mitzuziehen.

Ishak Belfodil: Der geniale Partner fehlt

Er ist Stürmer Nummer eins und kann jederzeit etwas bewirken. Doch sein oft so trauriges und verzerrtes Gesicht spricht Bände. Mit viel Einsatz und guter Technik konnte Belfodil mal wieder für Gefahr sorgen. Zehn seiner siebzehn Zweikämpfe gewann er, was für einen Offensivspieler okay ist. 74 Prozent seiner Pässe kamen an und mit 55 Aktionen war er einer der aktivsten Spieler in der Offensive. drei Schlüsselpässe gelangen ihm.

Er versuchte seine Mitspieler in Szene zu setzen, selbst für Gefahr zu sorgen, aber ein nennenswerter Abschluss sollte ihm nicht gelingen. fünf von sechs Dribblings waren erfolgreich. Seine Vorlage für Serdar, der nach 54 Minuten das 1:2 erzwang, gehört sicherlich zu einem seiner Highlights.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Doch was nützt das größte Engagement, wenn die Mitspieler die Bälle nicht nutzen können? Wie in der 47. Minute, als sich Belfodil fein durch die Unioner Verteidigung dribbelte und zurück auf den freistehenden Vladimir Darida legte. Doch dieser bekam nur wenige Meter vor dem Tor freistehend, nicht annähernd den Ball auf das Gehäuse und schoss deutlich drüber. Eine Situation die recht bezeichnend für den Auftritt war.

Es fehlen neben Suat Serdar weitere Anspielpartner in der Offensive, die was mit dem Spielgerät anfangen können. Einer davon, ein gewisser montenegrinischer Stürmer, kann hoffentlich schon bald diese Lücke wieder ausfüllen.

Linus Gechter: Junge Unerschrockenheit

Zugegeben, das 17-jährige Abwehr-Talent hatte nicht so viel zu tun. Die Unioner, die ihr Angriffsspiel in der 2. Halbzeit nach dem 1:3 praktisch einstellten, stellten Gechter nur noch selten vor Herausforderungen. Er kam nach 58 Minuten für den angeschlagenen Niklas Stark in die Partie. Aber – und das ist für einen 17-Jährigen durchaus erwähnenswert – alles was in seine Richtung kam, konnte er recht souverän verteidigen.

Er warf sich in die Bälle, lief fleißig mit und blieb weitgehend fehlerfrei. 79 Prozent seiner Pässe kamen an den Mann und er versuchte mit sechs langen Bällen für Gefahr im gegnerischen Strafraum zu sorgen. – davon kamen allerdings lediglich zwei an. Doch auch er selbst hatte Möglichkeiten. In der 61. Minute verlängerte er Daridas Ecke von der linken Seite. Suat Serdar verpasste freistehend am langen Pfosten den Ball. Erfolgreicher lief es in der Nachspielzeit, als Gechter mit seinem wuchtigen Kopfball nur knapp am auf der Linie klärenden Kevin Behrens scheiterte. Den Nachschuss brachte Suat Serdar zum 2:3 ins Tor. Allerdings kam dieses Tor viel zu spät.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Linus Gechter zeigte, was möglich ist, wenn man ihm Vertrauen schenkt. Er ist engagiert und geht – wie in der 85. Minute – dahin, wo es wehtut. Er ist durchaus in der Lage, einem Spiel den Stempel aufzudrücken. Trotz allem muss man aber auch zugeben, dass ihm Union das Leben nicht mehr wirklich schwer gemacht hatte. Er wäre eine Alternative, vor allem wenn Niklas Stark und Dedryck Boyata so spielen wie im Derby.

Beide hatten nicht die gewohnte Sicherheit und verschliefen oft – wie in der Anfangsphase bei Max Kruses Schuss nach wenigen Sekunden – das Spielgeschehen. Beide sahen bei keinem der drei Gegentore sonderlich gut aus und müssen zum Teil mit ihrem sehr schwachen Stellungsspiel die Tore auf ihre Kappe nehmen.

Fazit: Zu viel Respekt und Naivität bevor Hertha anfing Fußball zu spielen

Zwei von drei Derbys sind gespielt. Und auf dem Zettel stehen zwei Niederlagen. Das ist mehr als ernüchternd. Es tut weh in diesen Tagen Fan der Alten Dame zu sein.

Qualitativ war dieses Spiel sicherlich eine deutliche Leistungssteigerung zum Derby vor ein paar Wochen im Stadion an der Alten Försterei oder auch gegenüber den letzten beiden Bundesliga-Spielen in Wolfsburg und gegen Köln. Doch wie man die erste halbe Stunde verschlief, ist bedenklich. Es war Unions schwacher Chancenverwertung zu verdanken, dass man noch so lange im Spiel blieb.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Schön zu sehen war, wie man sich zurück ins Spiel malochte, doch sobald bei Hertha zwei, drei oder mehr Spieler nicht ihre Topform erreichen, ist nur wenig zu holen. Zwei engagierte Serdars und Belfodils reichen nun einmal nicht, um Union Berlin in ihrer aktuellen Form zu stoppen. Und das schon gar nicht in einem Spiel, das kopftechnisch nochmal eine andere Bedeutung hat. Ohne einen sinnvollen Spielplan des Trainers kann es auch nur höchstens über individuelle Momente gehen.

Alles Punkte, an den Fredi Bobic dringend arbeiten muss. Das Transferfenster ist noch ein paar Tage geöffnet und die nächsten Gegner sind Bayern, Bochum und Fürth. Es muss etwas geschehen, wenn man nicht im tiefen Abstiegskampf versinken möchte.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Drei Thesen zum Spiel: Hertha BSC gegen Union Berlin

Drei Thesen zum Spiel: Hertha BSC gegen Union Berlin

Flutlicht, ein neuer grüner Rasen und das Hauptstadt-Derby zur besten Sendezeit: Am Mittwoch empfängt die Hertha den Stadtrivalen Union Berlin zum DFB-Pokal-Fight im heimischen Olympiastadion.

Wie gewohnt präsentiert Hertha BASE dazu drei Thesen. Hinweis: Keine der Thesen beanspruchen eine Gültigkeit, jedoch basieren sie auf fundierten Argumenten. Auf geht’s, zur ersten – steilen – These.

Verliert Hertha, ist Union endgültig die neue Nummer Eins in Berlin

Aua. Jedem blau-weißen Fan wird dieser Satz im gleichfarbigen Herzen schmerzen. Leider ist die Aussage aber nicht unbegründet.

Zwar bestreiten die Köpenicker erst ihre dritte Saison im deutschen Fußball-Oberhaus – doch schon vergangene Saison beendete man die Spielzeit auf dem siebten Platz, und damit vor Hertha (Platz 14.). In der Saison 2019/2020 fiel lag man nur einen Platz hinter der Hertha, aus auf Tabellenplatz elf.

Doch in der vergangenen Saison, vor allem auch in dieser, spielt Union schlichtweg erfolgreicher. Auch das Derby in der Hinrunde konnte Union mit 2:0 gewinnen. Und nun hat Union die Hertha auch noch bei den Mitgliederzahlen überholt (40.725 zu 40.224). In den letzten zwei Jahren gibt es kaum ein Argument mehr, weshalb Union nicht die neue „Nummer Eins“ in der Stadt sein sollte – sportliche schon gar nicht.

Photo by DAVID GANNON/AFP via Getty Images)

Lediglich ein einziges Argument spricht für die Hertha: Die jahrelange – auch trotz Abstiege – Bundesliga-Präsenz, die Union Berlin nicht bieten kann. Es ist auch kein schwaches Argument. Schließlich ist es bei weitem keine Selbstverständlichkeit, über Jahrzehnte – teils sogar erfolgreich – in der ersten Bundesliga zu spielen. Allerdings bemisst sich der Fußball selten an der Vergangenheit, sondern an der Gegenwart – und die dominiert Union Berlin.

Sollten die Köpenicker also auch noch ausgerechnet das Derby im DFB-Pokal gewinnen, kann durchaus von eine Ablösung in der Stadt gesprochen werden. Aus blau-weißer Sicht gilt es, dieses Schreckensszenario unbedingt zu verhindern!


Auf welche Duelle es im Derby ankommen kann, und warum der Verlust zweier Leistungsträger Unions dabei zu Herthas Vorteil werden kann, lest ihr hier.


Erst Union, dann Bayern – eine Niederlage im DFB-Pokal würde die Stimmung kippen lassen

Gegen den FC Bayern München darf verloren werden. Hertha-Fans werden gegen den Rekordmeister nie einen Sieg warten – es darf aber bitte gekämpft, geackert und gerackert werden. Demnach ist die Aussage nicht zu steil, dass es am Wochenende in der Bundesliga gegen Bayern wohl eine Niederlage geben wird.

Umso wichtiger ist ein Sieg im Derby gegen Union Berlin. Beide Spiele zu verlieren, würde die Stimmung bei den Fans und in der schnelllebigen Berliner Medienblase wohl vollends kippen lassen. Zumal die Niederlage um Rückrundenauftkagt gegen den 1. FC Köln weiterhin schmerzt – auch gegen den VFL Wolfsburg konnten die Berliner nicht überzeugen.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Eine erneute Trainerdiskussion kann sich Hertha gegenwärtig eigentlich nicht leisten, zumal es unter Taifun Korkut spielerisch deutlich besser aussieht, als noch unter Pal Dardai. Sollte Hertha im Derby verlieren, würde vermutlich auch Fredi Bobic ins Kreuzfeuer geraten. Noch scheinen ihm fans und Medien Zeit zu geben, gerade was Transfers angeht – es scheint, als wolle man vor allem den Sommer abwarten.

Diesen Kredit behält er aber auch nur, wenn es sportlich „solide“ läuft – was bei einer Niederlage gegen Union schlichtweg nicht mehr der Fall wäre.

Boateng wird zum Derbyhelden!

Zum Abschluss zweier eher mürrischer Thesen, gibt es eine letzte und hoffnungsvollere Aussage: Hertha-Eigengewächs Kevin-Prince Boateng, der, mit der tätowierten Hertha-Fahne auf dem Herzen, wird das entscheidende Tor gegen Union Berlin im DFB-Pokal schießen!

(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)

Bisher hat man sportlich noch nicht viel von ihm mitbekommen – umso mehr Zeit wird es langsam, oder? Dieses wunderschöne blau-weiße Szenario würde jeder Hertha-Seele gut tun. Der Fußball schreibt oft die kitschigsten Geschichten – Und wer weiß: Im Fußball, allen voran im Pokal, ist doch alles möglich.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Hertha gegen Union: Drei Schlüsselduelle

Hertha gegen Union: Drei Schlüsselduelle

Pokal, Mittwochabend, Stadtderby – Wat jibt’s Schöneres? Naja, ein volles Stadion zum Beispiel. Da das unter den derzeitigen Umständen leider nicht möglich ist, wird das Achtelfinale im DFB-Pokal zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union einzig und allein auf dem Platz entschieden. Auf welche Duelle es dabei ankommen kann, und warum der Verlust zweier Leistungsträger Unions dabei zu Herthas Vorteil werden kann, lest ihr hier.

Schlüsselduell 1: Darida und Ascacibar gegen Kruse

Unions Trumpf in der Offensive heißt Max Kruse. Neun Scorer gehen in der laufenden Bundesliga-Saison auf das Konto des Angreifers. Besonders seine 0,26 expected assists pro 90 Minuten unterstreichen seinen Wert. Dabei liegen Kruses Stärken gar nicht unbedingt nur im Spiel in Strafraumnähe, vielmehr sind es die Spielmacher-Qualitäten, die ihn auszeichnen.

3,65 progressive Pässe (Pässe, die den Ball dem gegnerischen Tor maßgeblich näher bringen) spielt Kruse pro Spiel. Besonders auffällig: Diese Pässe legen durchschnittlich eine Gesamtdistanz von 145 Metern zurück, in dieser Kategorie zählt er zu den 1 Prozent der gefährlichsten Stürmer weltweit. Kruse wird also dann stark, wenn er viel Platz und die richtige Anspielstation vor sich hat.

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(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Es wird also wichtig sein, Kruse frühzeitig zu stören, ihn an seinen gefährlichen langen Bällen zu hindern. Das wird die voraussichtliche Doppelsechs aus Darida und Ascacibar nur im Verbund lösen können. Dabei wird höchste Konzentration und Zweikampfstärke gefragt sein, denn mit seinen 76,2 Prozent gewonnenen Dribblings ist Kruse herausragend stark. Auch die Verteidigung muss gewarnt sein, denn Kruse liefert 3,96 schusskreierende und 0,76 torkreierende Aktionen pro 90 Minuten.

Kruse zu verteidigen wird also eine Aufgabe sein, die die gesamte Defensive beschäftigen muss, angefangen im Mittelfeld. Ein Vorteil könnte sich daraus ergeben, dass mit Taiwo Awoniyi der etatmäßige Sturmpartner Kruses fehlt, da er mit Nigeria am Afrika-Cup teilnimmt. Allein die Hälfte der Vorlagen Kruses in dieser Spielzeit waren für Awoniyi. An seiner Stelle könnte Sheraldo Becker spielen, der Kruses größtes Defizit, das Tempo, ausgleicht. Oder Kevin Behrens, der in der laufenden Pokalsaison schon auf zwei Treffer kommt.

Schlüsselduell 2: Belfodil und Maolida/Selke gegen Knoche

Nach dem offensiv ingesamt blassen Auftritt gegen den VfL Wolfsburg wäre Rotation im Angriff durchaus angebracht, allein die Optionen fehlen Tayfun Korkut durch den Ausfall von Stevan Jovetic weiterhin. Ishak Belfodil dürfte gegen den 1. FC Union gesetzt sein. An seiner Seite könnten erneut Myziane Maolida oder der zuletzt nur eingewechselte Davie Selke spielen. Zu tun haben wird es der Herthaner Angriff in jedem Fall mit Unions Robin Knoche. Der Abwehrchef der Köpenicker hat in dieser Saison noch keine Minute verpasst.

Eine Passquote von 81,4 Prozent, 1,95 abgefangene Bälle pro Spiel, 0,89 geblockte Schüsse. Knoche ist ein extrem souveräner Verteidiger, der vor allem deshalb so wichtig ist, weil er sich kaum Ausreißer nach unten erlaubt. In der Dreier-Innenverteidigung ist Knoche in der Mitte gesetzt.

(Photo by ANNEGRET HILSE/POOL/AFP via Getty Images)

Doch vereinzelt zeigten sich auch in dieser Saison, welche Mittel man gegen Knoche anwenden kann. Eintracht Frankfurt setzte ihn beispielsweise in der Liga im Aufbauspiel immer wieder unter Druck. Teils lief man Knoche mit zwei Mann an, zwang ihn zu Ballverlusten. Einen konnte Knoche nur noch mittels eines Fouls wieder gut machen, das ihm eine Gelbe Karte einbrachte. Auch der BVB demonstrierte, wie man zum Torerfolg kommen kann, indem man Flanken zwischen Knoche und einen seiner Nebenmänner brachte, wo die Abstimmung nicht immer passte. Abstimmungsprobleme zeigten sich auch gegen Bayern München, als Verteidiger Paul Jaeckel in einer Szene zu früh rausrückte, sich ausspielen ließ und Knoche anschließend kurz vor dem Sechzehner zu einem Foul greifen musste. Den fälligen Freistoß verwandelte Robert Lewandowski direkt.

Man kann die Dreierkette Unions um Abwehrchef Knoche also zu Fehlern zwingen, wenngleich sie insgesamt sehr stabil ist. Vorteil Hertha: Ähnlich wie in der Offensive, muss Unions Trainer Urs Fischer auch in der Innenverteidigung einen in der Hinserie sehr wichtigen Spieler ersetzen. Marvin Friedrich schloss sich vergangene Woche Borussia Mönchengladbach an, war vorher an der Seite Knoches gesetzt. Ob nun also Timo Baumgartl, Jaeckel, oder Neuzugang Dominique Heintz neben Knoche spielen wird – allzu oft wird die Dreierkette in dieser Konstellation noch nicht zusammengespielt haben.


Auch in unserer aktuellen Podcast-Folge sprechen wir natürlich über das Pokalderby. Darüber hinaus sind wir auf die Mitgliedersammlung und das Unentschieden gegen den VfL Wolfsburg eingegangen. Hört gerne rein!


Schlüsselduell 3: Serdar und Richter gegen Khedira

Die Rollen Suat Serdars und Marco Richters können gegen den 1. FC Union sehr wichtig werden. Zwar spielen sie nominell auf den Außen, doch genießen alle Freiheiten, auch mal durch das Zentrum zu kommen. Das kann am Mittwoch ein wichtiges Mittel sein, denn Union ist im Zentrum anfällig. Während man auf den Außenverteidiger-Positionen über reichlich Auswahl verfügt (links Bastian Oczipka und Niko Gießelmann, rechts Kapitän Christopher Trimmel und Julian Ryerson), ist auf der Sechs Rani Khedira unangefochten.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Doch das Spiel des 27-Jährigen ist längst nicht fehlerfrei. Nur 1,24 erfolgreiche Tacklings gelingen Khedira auf 90 Minuten und bloß 1,29 abgefangene Bälle. Ebenfalls blockt Khedira pro Spiel durchschnittlich nur 1,76 gegnerische Pässe ab. Über das Zentrum und damit über ihn zu spielen, kann also ein effizienter Weg sein, um dem Unioner Tor näher zu kommen.

Dazu kommt, dass Khedira mit 71,7 Prozent eine deutlich ausbaufähige Passquote hat. Ihn im eigenen Ballbesitz zu Pässen zu zwingen, ist eine weitere Aufgabe des Herthaner Mittelfelds. Zu erwähnen bleibt jedoch Khediras Stärke in eigenen Dribblings, wovon ihm 81,8 Prozent gelingen.

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Podcast #175 Massiv

Podcast #175 Massiv

Der Auftakt in die Pokalwoche ist leider nicht gelungen wie erhofft. In Wolfsburg erreichte Hertha BSC nur ein sehr zähes 0:0, welches von zwei heftigen Fehleinschätzungen begleitet wurde. Wir besprechen wie immer das Spiel, aber auch die Mitgliederversammlung vom Sonntag und alles, was sonst noch rund um Hertha BSC passiert ist.

Wir wünschen euch viel Spaß und freuen uns über eure Kommentare.

Teilt den Podcast gerne mit euren Freund*innen, der Familie oder Bekannten. Wir freuen uns über alle Hörer*innen.

#hahohe #podcast #herthabsc #bundesliga #herthabase


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Hertha BSC gegen Union Berlin – Das Salz in der Suppe

Hertha BSC gegen Union Berlin – Das Salz in der Suppe

Das vergangene Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg kann je nach Betrachtungsweise positiv oder negativ ausgelegt werden. Doch klar ist: Diese Leistung wird im kommenden DFB-Pokalspiel gegen den Nachbarn aus Köpenick nicht reichen. Unsere Vorbesprechung mit Blick auf die Presskonferenz vor dem Duell mit Union Berlin.

Derby im Pokal – ein ganz besonderes Spiel für alle Beteiligten

Obwohl Fredi Bobic (50) in einem Interview mal zugegeben hat, selbst nicht die Geduld zum Kochen zu haben, scheint er dennoch kulinarische Grundzüge zu beherrschen. Zumindest kann man davon ausgehen, immerhin sprach er auf der Pressekonferenz gegen den Stadtrivalen im Achtelfinale des DFB-Pokals darüber: „Als Fußballer lebst du doch für solche Momente, genau das sind die Spiele, das ist das Salz in der Suppe“.

Doch nicht für die Spieler selbst, auch und vielleicht sogar vor allem für die Fans sind solche Spiele die Würze im sonst mittlerweile für einige fade gewordenen Fußballgeschäft. DFB-Pokal, K.O.-Spiele, Achtelfinale, Flutlichtspiel, der Traum vom Finale im eigenen Wohnzimmer und vor allem: Derby. All diese Begriffe lassen das Fan-Herz höherschlagen. Schon in den vergangenen Tagen haben sich wahrscheinlich bei dem ein oder anderen Anhänger der „Alten Dame“ Gefühle wie Aufregung, Vorfreude und Spannung aufgebaut.

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Doch wer sich an das erste von den drei Derbys in dieser Saison, das Hinspiel der Bundesligasaison erinnert, bei dem werden vermutlich auch andere Gedanken hochkommen: Hoffnungslosigkeit, Angst und Sorge. Hertha zeigte sich zwar durchaus engagiert, aber dennoch kraft- und ideenlos. Tayfun Korkut (47) hingegen beschäftigte sich nach eigener Aussage überhaupt nicht mit dem Duell von vor zwei Monaten. Er gibt sich vielmehr kämpferisch: „Es ist ein Derby, und ein Derby ist dafür da um es zu gewinnen“.

Der Übungsleiter erwartet daher auch ein sehr intensives Spiel. Er fordert von seinen Spielern, dass sie probieren sollen das Spiel in jeder Sekunde zu leben, mit allem was dazugehöre. Und auch von Bobic gibt es klare Worte: „Man muss den Pokal komplett annehmen, muss es mit vollem Herzen angehen“.

Union Berlin – für den Moment vor Hertha

Dass es der Gegner aus Köpenick nicht leicht machen wird in die nächste Runde zu kommen, ist selbstverständlich. Die Mannschaft von Urs Fischer spielt in diese Saison meist in einem kompakten 3-5-2 und setzt auf defensive Stabilität gepaart mit schnellen und vor allem sauber ausgeführten Kontern.

Und mit einem leicht neidischen Blick muss man als Hertha-Fan anerkennen, dass beim Stadtrivalen seit einiger Zeit sowohl sportlich als auch wirtschaftlich vorbildlich gearbeitet wird. Auch Trainer Korkut gibt zu: „Union macht es sehr gut in den letzten Jahren, das ist Fakt.“

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Allerdings stellt er im nächsten Satz eindeutig klar: „Trotz alledem, wenn man sich die Geschichte anschaut weiß man schon, wer die Nummer eins in der Stadt ist“. Gleichzeitig plädiert er dafür, dass man das immer wieder zeigen und beweisen müsse und Hertha diese Chance am Mittwoch habe.

Dass bei Union Topstürmer Taiwo Awoniyi (24) durch die Abstellung zum Afrikacup fehlt und Abwehrchef Marvin Friedrich (26) vor wenigen Tagen zu Borussia Mönchengladbach gewechselt ist, macht die Aufgabe zumindest etwas einfacher als sie es mit diesen zwei Spielern wäre.

Hertha-Kader fast in Bestbesetzung

Während bei Union also aktuelle und ehemalige Schlüsselspieler fehlen lichtet sich bei Hertha langsam das Lazarett. Mittelfeldmotor Suat Serdar (24) und Altstar Kevin-Prince Boateng (34) kehren nach ihren Gelbsperren in der Liga für das Pokalspiel zurück in den Kader.

Allerdings fehlt auch bei den Blau-Weißen mit Stevan Jovetic (32) der vermutlich beste Spieler weiterhin, bis zum Spiel am Mittwoch sieht es laut Pressesprecher Max Jung sehr eng aus. Rechtsverteidiger Peter Pekarik (35) und Ersatztorwart Oliver Christensen (22) können sich eventuell bis zum Duell freitesten, allerdings stehe dahinter momentan noch ein großes Fragezeichen.

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(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Auf Nachfrage erklärt der Cheftrainer, dass Boyata zumindest eine Option für das Spiel sei. „Boyata war lange raus und hat nicht so viel trainieren können“ führt Korkut aus. Er habe sich in den vergangenen Tagen viele Gedanken bezogen zur Aufstellung gemacht, die finale Entscheidung falle dann morgen nach dem Abschlusstraining.

Basierend auf diesen Aussagen kann man also wohl davon ausgehen, dass Neuzugang Fredrik Bjørkan (23) im Kader stehen wird, ob es für einen Startelfeinsatz reicht ist allerdings zu bezweifeln.

Die E-Frage

Nahezu obligatorisch wurde auf der Presskonferenz vor dem Pokal-Kracher abschließend gefragt, ob man denn Elfmeter trainiert hätte. „Spannende Frage“, gibt Korkut, wohl mehr aus Höflichkeit als allem anderen, zu. „Man denkt immer, man kann alles trainieren. Aber bei einem Elfer gibt es so viele Sachen, die eine Rollen spielen: Der wievielte Schütze ist man? Wie ist man in dem Moment drauf? Der Druck, es gibt einfach ganz viele Aspekte“. Aber klar sei das Trainingsinhalt.

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(Photo credit should read SASCHA SCHUERMANN/AFP via Getty Images)

Besser wäre es jedoch, man kläre es vorher und käme gar nicht ins Elfmeterschießen. Anschließend schaut er kurz zu Manager Bobic rüber: „Hast du eigentlich mal einen geschossen, Fredi?“. Der schmunzelt und gibt dann zu: „Ja, aber nicht nur getroffen“.

Der Tisch für einen hochspannenden Pokalabend inklusive eines definitiven Gewinners sowie Verlierers ist also gedeckt. Nun liegt es an der Mannschaft, die Zutaten für eine wohlschmeckende Suppe in Form des Weiterkommens im Pokal bereitzustellen. Denn was nützt das beste Salz, wenn es nichts mehr zu würzen gibt?

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VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Drei Thesen

VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Drei Thesen

Der VfL Wolfsburg steckt seit Wochen in einer tiefen Krise. Die letzten sechs Bundesligaspiele verlor der VfL allesamt, wettbewerbsübergreifend sind es sogar schon acht Niederlagen in Folge. Der Stuhl des erst Ende Oktober verpflichteten Trainers Florian Kohfeldt wackelt gewaltig. Die Niedersachsen sind weit entfernt von ihrer gewünschten Tabellenregion, den internationalen Plätzen, und drohen im Abstiegskampf zu versinken. Spannend wird zu sehen sein, ob der verliehene Dodi Lukebakio nach seiner Corona bedingten Quarantäne zum Einsatz kommen wird und gegen Hertha für Torgefahr sorgen kann.

These 1: Hertha wird kein Aufbaugegner

In der Vergangenheit hatte man als Fan der Hertha oft das Gefühl lediglich ein Aufbaugegner zu sein und krisengebeutelte Vereine zurück in die Erfolgsspur zu führen. Diese Saison ist das anders. Gegen fast jede Mannschaft aus der unteren Tabellenhälfte konnte die Mannschaft von Tayfun Korkut punkten. Vier Siegen stehen zwei Remis gegenüber.

Ausgerechnet gegen den VfL gab es im Hinspiel eine Niederlage. Allerdings waren die Vorzeichen damals nicht vergleichbar mit den heutigen. Schließlich war die Mannschaft aus der Autostadt Champions-League-Teilnehmer. Hertha wird sich keine Blöße geben. Mindestens ein Punkt ist drin.

These 2: Konterfußball liegt Hertha

Der VfL Wolfsburg wird versuchen das Spiel zu machen. Mit ihrer individuell sehr starken Offensive haben sie auch jeden Grund dazu. Die Stürmer werden gesucht und in Szene gesetzt. Steht die Verteidigung um Niklas Stark und möglicherweise den wiedergenesenen Dedryck Boyata gut, kann Hertha mit  konzentrierten Umschaltspiel eiskalte Angriffe starten.

Die Konter können über schnelle und kreative Spieler, wie Marco Richter oder Myziane Maolida, geführt werden. Erwischt Davie Selke einen guten Tag ist er in der Spitze der optimale Anspielpartner und kann für Torgefahr sorgen.

These 3: Belfodil, der Joker

Sollten Davie Selke und Myziane Maolida nicht den entscheidenden Treffer erzielen können, schaffen sie es immerhin die Abwehrspieler des VfL Wolfsburgs sowohl physisch, als auch psychisch zu ermüden. für die letzte halbe Stunde wäre dann Ishak Belfodil eine Variante, die Tayfun Korkut auf der Bank hätte.

Nachdem der Algerier gegen den 1. FC Köln schmerzlich vermisst wurde, wird er nach seiner Quarantäne als Joker kommen, der schon müden nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzenden Wolfsburger Verteidigung das Leben schwer machen und das spielentscheidende Tor erzielen.

(Photo by JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images)