VfL Bochum – Hertha BSC: Mit Druck in den Pott

von Sep 10, 2021

Und täglich grüßt das Murmeltier. Nachdem Hertha nun im dritten Jahr hintereinander den Saisonstart gehörig in den Sand gesetzt hat, steht man bereits nach dem dritten Spieltag schon wieder unter Druck. Der katastrophale Deadline Day trägt nicht gerade dazu bei, dass die Hoffnungen auf einen erfolgreicheren Saisonverlauf als letztes Jahr ins Unermessliche steigen. Umso entscheidender werden nun die beiden folgenden Spiele gegen die Aufsteiger aus Bochum und Fürth.

Gemeinsam mit Bochum-Experte Tobias von einsachtvieracht.de blicken wir auf die Situation rund um den VfL.

Mit vereinten Kräften ins Oberhaus

Castroper Straße, Grönemeyer, Flutlicht. Fußballromantikern dürfte landesweit das Herz aufgegangen sein, als mit dem VfL ein echtes Urgestein der Bundesliga nach elfjähriger Abstinenz zurückgekehrt ist. Gerade in der letztjährigen Saison, in der sich Schwergewichte wie der HSV, Fortuna Düsseldorf und Hannover 96 tummelten, war dieser Erfolg, zumal nach Platz 8 in der Vorsaison, nicht unbedingt vorherzusehen: „Der Erfolg kam schon überraschend. Der VfL hatte zwar unter Reis sich bereits beeindruckend aus dem Keller der zweiten Liga gearbeitet und in der Corona-Phase der letzten Saison sehr gute Ergebnisse erzielt, aber als VfL Fan ist man immer skeptisch. Zu oft waren die Vorzeichen oder Versprechen groß und am Ende war man nie bis zum Ende im Aufstiegsrennen dabei.“, ordnet Tobias ein.

Nach elf Jahren in der zweiten Liga ist der VfL Bochum wieder zurück im Oberhaus. (imago images via Getty images)

Der Schlüssel zum Erfolg war dabei in Tobias‘ Augen vor allem die Kontinuität sowie die Menschenführung von VfL-Trainer Thomas Reis: „In vielen vergangenen Saisons mussten große Teile des Kaders ausgetauscht werden. Dieses Mal blieb die Stammelf der Vorsaison zusammen und wurde sogar durch Spieler wie Gerrit Holtmann und Herbert Bockhorn noch einmal gezielt verstärkt. Zudem ist es Thomas Reis gelungen, Charaktere wie Robert Zulj und Danny Blum auf Kurs zu bringen.“

Geht es um die Hauptfaktoren für den Aufstieg und die Ankerpunkte in der taktischen Ausrichtung der Bochumer in der Vorsaison hebt Tobias vor allem drei Spieler hervor: „Unser Team hat es verstanden, in allen Disziplinen ganz oben mit dabei zu sein. Bochum hatte ein sehr gutes, aggressives, offensives Pressing mit vielen Ballgewinnen, eine sehr ruhige und strukturierte Spielanlage in Ballbesitz und mit der Passreichweite von Keeper-Libero Manuel Riemann und Spielmacher Robert Tesche sowie den Geistesblitzen von Robert Zulj auch die Möglichkeit, jederzeit das Spiel zu beschleunigen.“

Der Abgang des Aufstiegsmachers

Letztgenannter Robert Zulj war in der Vorsaison die Torgarantie des VfL. Mit 15 Toren und 15 Vorlagen war er an fast der Hälfte aller Treffer direkt beteiligt. Umso schmerzhafter war es dann, als schon kurz nach dem Aufstieg klar wurde, dass es den Österreicher nun in die Vereinigten Arabischen Emirate zieht: „Der Abgang von Robert Zulj schmerzt sehr. Er war ja nicht nur Topscorer, sondern auch Spielmacher im letzten Drittel und mit seiner Physis und Ballbehauptung ein wichtiger Zielspieler für Manuel Riemann – insbesondere da Zoller als Mittelstürmer ja nicht der Typ Brecher ist.“, sagt Tobias.

Die große Aufgabe des Sommers war, Topscorer Robert Zulj zu ersetzen. (imago images via Getty images)

Die Situation rund um Zulj erinnert dabei stark an Herthas letzten Aufstieg, als Lebensversicherung Ronny ebenfalls mit einem Wechsel kokettierte. Zwar blieb der Brasilianer letzten Endes, konnte aber im Oberhaus nie auch nur annähernd die Leistungen abrufen, mit denen er Hertha quasi im Alleingang in die erste Liga geschossen hat. Wie auch Hertha seinerzeit muss der VfL diesen Ausfall nun taktisch im Kollektiv auffangen: „Sein Abgang wurde mit einer Systemumstellung von 4-2-3-1 auf 4-3-3 und entsprechenden Neuzugängen kompensiert. Elvis Rexhbecaj und Eduard Löwen können getrost als unsere Top-Neuzugänge bezeichnet werden. Beide sind als Achter im 4-3-3 eingeplant. Dazu ist unser Spiel noch etwas direkter und flügellastiger geworden.

Takuma Asano könnte ebenfalls als Ersatz angesehen werden. Er spielt zwar auf dem rechten Flügel, rückt aber von dort immer wieder in den Halbraum ein, so dass temporär mit dem offensiveren linken Achter (Rexhbecaj oder Pantovic) eine Doppelzehn gebildet wird.“

Kluge Verstärkungen zum Nulltarif

Insbesondere mit dem angesprochenen Rexhbecaj ist den Bochumern eine Verpflichtung gelungen, denen auch anderen Bundesligisten durchaus gut zu Gesicht gestanden hätte. Der zentrale Mittelfeldspieler, der vom VfL Wolfsburg ausgeliehen ist, brachte es in der vergangenen Spielzeit bei seiner Leihe in Köln immerhin auf sieben Scorerpunkte. Auch Tobias lobt den Neuzugang: „Er ist ein kämpferischer Giftzwerg, der aber auch sehr kreative Moment hat und uns somit hilft, das offensive Pressing unserer Gegner auszuspielen. Er ist bereits etabliert und könnte eine Art Zulj-Ersatz werden.“

Auch auf den weiteren Positionen konnte man u.a. mit Simon Polter, Takuma Asano, Stafylidis und den von Hertha ausgeliehenen Robert Löwen Spieler mit Bundesligaerfahrung verpflichten. Sportlich machte Löwen, der sich unmittelbar nach den Olympischen Spielen eine Muskelverletzung zuzog, bislang noch nicht von sich reden, gab jedoch unter der Woche ein viel beachtetes Interview, in dem er unter anderem monierte, nicht fair behandelt worden zu sein. Laut Tobias könnte er am Sonntag beim Wiedersehen mit seinen Ex-Kollegen in der Startelf stehen und damit die Chance bekommen, auch sportlich abzuliefern.

Ein frühes Sechs-Punkte-Spiel

Für Hertha hat dieses Spiel schon früh wegweisenden Charakter. Nach der Klatsche gegen Bayern und dem auf ganzer Linie missglückten Transfersommer ist die positive Grundstimmung aus der Vorbereitung passé. Nun verletzte sich auch noch Neuzugang Stevan Jovetic und wird wohl mindestens für die kommenden zwei Partien ausfallen. Da auch Davie Selke nach seinem Rippenbruch nicht zur Verfügung steht, legte sich Pal Dardai bereits fest, dass der aus Hoffenheim verpflichtete Ishak Belfodil beginnen soll. Es wäre sein erstes Bundesligaspiel von Beginn an seit fast einem Jahr. Zwar ist Piatek nach viermonatiger Verletzungspause wieder im Mannschaftstraining, die Startelf wird aber noch zu früh kommen.

Angesichts der Verletztensituation – und dank der Last Minute-Abgänge von Lukebakio und Dilrosun zudem mangelnden Alternativen – dürfte auch Myziane Maolida sein Debüt geben. Was vom Franzosen erwartet werden darf, haben wir einem Beitrag zusammengefasst. Das Spiel am Sonntag könnte also viele Geschichten bereithalten. Hoffentlich zur Abwechslung mal mit Happy End.

Titelbild: xMatthiasxKochx/IMAGO

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ÜBER DEN AUTOR

Alexander Jung

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