Borussia Dortmund – Hertha BSC: Der nächste Brocken nach dem Pflichtsieg

von | Mrz 12, 2021 | Vorbericht | 0 Kommentare

Schon erstaunlich, welche Auswirkungen so ein einfacher Sieg doch haben kann. Plötzlich scheint die Sonne viel heller, das Zwitschern der Vögel hört sich noch schöner an und am Montag war sogar Feiertag! Gut, letzteres hatte jetzt nicht unmittelbar mit dem Sieg von Hertha zu tun, aber sei’s drum. Fakt ist, dass nach dem Abpfiff am Samstagnachmittag quasi durch ganz Berlin ein kollektives Aufatmen zu hören War. Als die Mannschaft gefordert war, Charakter zu zeigen, hat sie ohne Wenn und Aber geliefert und konnte sich wieder etwas in Schlagdistanz zu den weniger bedrohlichen Tabellenregionen bringen. Wie bitter nötig diese drei Punkte waren, wird nochmal deutlicher, wenn man auf die kommenden Wochen schaut. Dort warten Gegner, die Herthas Defensive mit hoher Wahrscheinlichkeit allesamt mehr fordern werden, als es beim FCA der Fall war. Den Auftakt macht am kommenden Spieltag der frisch für das Viertelfinale der Champions League qualifizierte BVB.

Vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund haben wir mit Caroline, Redakteurin bei schwatzgelb.de gesprochen und sie unter anderem gefragt, wie sich der Spielstil des BVB seit Favres Abgang entwickelt hat.

Mit Terzic zurück auf Champions League-Kurs

Terzic und der BVB haben in den letzten Wochen wieder Grund zum Lachen (Imago Images via Getty Images)

Edin Terzic ist vielleicht das anschaulichste Beispiel dafür, wie schnell sich der Wind im Fußball doch binnen weniger Tage komplett drehen kann. Von „Dauerlösung“ bis „nicht gut genug“ war schon so ziemlich jede Schlagzeile in den vergangenen Wochen über den aktuellen Dortmunder Cheftrainer zu lesen. Aktuell spricht der Trend – trotz der jüngsten Niederlage in München – wieder für ihn. Unter seiner Regie ist der BVB sowohl im DFB-Pokal als auch in der Champions League in die nächste Runde eingezogen. Und auch in der Liga sind die Schwarz-Gelben nach zwischenzeitlicher Durststrecke mit drei Punkten Rückstand auf Platz Vier wieder auf Kurs Champions League-Qualifikation.

Daher wollten wir von Caroline wissen, was sich seit der Übernahme von Terzic auf dem Spielfeld geändert hat: „Die Spielidee von Lucien Favre war vielen schon länger ein Dorn im Auge. Es hieß: Immer geduldig bleiben, kein Tempo aufbauen, lieber noch 10 Mal hintenherum spielen, statt schnelle Konter zu fahren und den Gegner mit einem guten Umschaltspiel zu überrumpeln. Unter Terzic derweil „darf durchaus auch mal der schnellere Passweg nach vorne gesucht werden, anstatt zu warten, bis sich der Gegner in der Defensive wieder sortiert hat. Was auch im Spiel gegen Sevilla wieder deutlich wurde: Terzic ist an der Seitenlinie wesentlich aktiver als Favre. Er spricht seine Spieler direkt an, feuert sie an, motiviert sie, gibt gezielte Anweisungen, wer wie in einer bestimmten Situation zu handeln hat. Das ist sicherlich für die Spieler auch eine große Unterstützung.“

Ein entscheidendes Spiel – für beide Mannschaften

Der Ausfall von Sancho ist für den BVB kaum zu ersetzen (Maik Hölter/TEAM2sportphoto via Getty Images)

Doch so positiv der Trend unter Terzic auch ist – setzt sich dieser nicht bis zum Saisonende fort und lässt den BVB die Qualifikation für die Champions League verpassen, könnte das auch weitgreifende Auswirkungen für die darauffolgende Spielzeit haben. Schon im letzten Sommer rissen die Gerüchte um einen Abgang von Jadon Sancho nicht ab. Während Caroline beim Engländer ohnehin davon ausgeht, dass dieser unabhängig vom Ausgang der Saison im Sommer den Verein verlassen dürfte, sieht sie gerade in Bezug auf Haaland bei Erreichen von mindestens Platz Vier die Chance, ihn überzeugen zu können „noch ein Jahr in Schwarzgelb aufzulaufen.“

Dementsprechend steht also nicht nur für Hertha, die sich nach dem Sieg gegen Augsburg mit einem weiteren Punktgewinn Luft im Abstiegskampf verschaffen können, viel auf dem Spiel, gerade auch aus wirtschaftlicher Sicht, wie Caroline einordnet: „Der Druck, sich für die Champions League zu qualifizieren, lässt sich nicht von der Hand weisen. Finanziell dürfte das Saisonziel ohnehin fest eingeplant sein – schließlich kann es nicht der Anspruch von Borussia Dortmund sein, außerhalb der Top 4 zu landen. Zudem bleiben andere wichtige Einnahmequellen speziell rund um die Spieltage in Zeiten leerer Stadien während der Corona-Pandemie aus.

Umso bitterer ist es aus schwarz-gelber Sicht, dass bei der Mission Champions League Jadon Sancho verletzungsbedingt einige Wochen nicht zur Verfügung stehen wird: „Sein Ausfall wiegt auch deshalb so schwer, weil es an Alternativen mangelt. Hazard kommt gerade erst von einer langwierigen Verletzungspause zurück. Reyna fehlte zuletzt ebenfalls und hat zudem mit Formschwäche zu kämpfen. Von der Verpflichtung von Julian Brandt hat man sich in Dortmund definitiv mehr versprochen“, ergänzt Caroline. So geht der BVB also personell alles andere als sorgenlos ins Abendspiel am Samstag. Auf blau-weißer Seite sieht die Personallage indes allerdings auch nicht wesentlich erfreulicher aus.

Hertha weiter ohne Cunha – aber mit Dilrosun?

Während beim BVB mit Jadon Sancho der neben Haaland wohl aktuell wichtigste Spieler im Kader ausfällt, plagt sich Hertha mit der Verletzung Matheus Cunhas mit derselben Sorge herum. Der Brasilianer, der bei der 2:5-Niederlage im Hinspiel noch beide Treffer erzielte, wird auch am Samstag noch nicht zur Verfügung stehen können, ebenso wenig wie Sami Khedira und der langzeitverletzte Dedryck Boyata. Neuzugang Radonjic hat derweil seine Leistenprobleme auskuriert und konnte unter der Woche wieder voll beim Training mitwirken. Eine Option für den Kader könnte auch der sehnsüchtig erwartete Javairo Dilrosun sein. Der Niederländer war schon Anfang letzter Woche wieder ins Teamtraining eingestiegen und könnte nun, mit einer zusätzlichen Woche Vorbereitung, wieder eine Option für Pal Dardai sein. Angesichts der Personalsorgen, insbesondere in der Offensive, könnte man diese Rückkehr kaum hoch genug einschätzen.

Titelbild: nordphotox xEngler nph00076 via Getty Images

ÜBER DEN AUTOR

Alexander Jung

Alexander Jung

Weitere Artikel

Hertha BSC: Mit letzter Kraft zum Klassenerhalt

Hertha BSC: Mit letzter Kraft zum Klassenerhalt

Wer als Hertha-Fan nach dem Spiel in Gelsenkirchen noch Nerven übrig hatte, muss wohl Superkräfte haben. Nach sechs Minuten Nachspielzeit in Unterzahl und trotz einer Riesenmöglichkeit für die Hausherren schafften es die Profis der „alten Dame“, den knappen 2:1 Auswärtssieg zu sichern. So haben sie einen vielleicht entscheidenden Schritt in Richtung Klassenerhalt geschafft. Doch bevor Hertha seinen Profis den Denkmal bauen kann muss noch eine Partie überstanden werden. Am Samstag um 15h30 empfängt Hertha BSC den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf 1. FC Köln.

Podcast #146 Fast geschafft

Podcast #146 Fast geschafft

Was für ein Spiel! Wir sind total knülle und nervlich am Ende. Hertha gerät in Gelsenkirchen in Rückstand und dreht das Spiel am Ende noch. Ein großer Schritt zum Klassenerhalt ist gemacht. Was sonst noch so los war und wie wir das Spiel gesehen haben, hört ihr hier....

Nach der Punkteteilung ist vor dem Pflichtsieg

Nach der Punkteteilung ist vor dem Pflichtsieg

Die zurückliegende Woche hat mal wieder eindrucksvoll bewiesen, wie sprunghaft die Einschätzungen von Fußballfans doch sind. Am anschaulichsten zeigte sich dies am Beispiel von Hertha-Leihgabe Nemanja Radonjic. Führten seine permanenten Ballverluste und Fehlpässe nach...