Vorschau: Bayer 04 Leverkusen – Hertha BSC: Per Trotzreaktion dem Tabellenkeller fernbleiben?

von | Nov 28, 2020 | Bundesliga, Vorbericht | 0 Kommentare

Nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund trennen die Hertha nur noch drei Punkte vom Relegationsplatz. Nur vier Punkte sind es, welche die Alte Dame von einem direkten Abstiegsplatz trennen. Und nach Borussia Dortmund ist vor Bayer 04 Leverkusen. Mit der Werkself trifft Hertha auf eine Mannschaft, die aktuell gut drauf zu sein scheint.

Licht und Schatten – so scheint Hertha BSC in dieser Saison bisher gut zusammengefasst. Strahlt insbesondere die Berliner Offensive, scheint es in der Defensive oftmals umso düsterer auszusehen. Nach oben in die Tabelle zu schauen, fällt den Berlinern aktuell schwer – es muss zunächst vermieden werden, in den Sog des Abstiegskampfes gesogen zu werden. Mit Bayer 04 Leverkusen wartet nun der nächste spielstarke Gegner, der die Berliner Defensive fordern wird. Die Werkself um Trainer Peter Bosz rangiert aktuell auf dem dritten Tabellenplatz.

Grund genug, um sich als Hertha-Fan sorgen zu machen? Darüber haben wir mit Leverkusen-Expertin Friederike vom “Neverkusen Podcast” gesprochen. Und sie verrät: Nicht alles, was glänzt, ist auch aus Gold.

Auf dem dritten Tabellenplatz – doch täuscht der Eindruck?

Mit drei Unentschieden gegen den VfL Wolfsburg, RB Leipzig und den VfB Stuttgart ist die Werkself zunächst schleppend in die neue Saison gestartet. Damit hatte sich Leverkusen zunächst in der unteren Tabellenhälfte auf Platz 14 eingereiht. Zu wenig für eine Mannschaft mit Champions-League-Ambitionen. Allerdings hatten die Leverkusener auch schmerzhafte Abgänge zu vermelden.

Kai Havertz zog es vor der Saison für 80 Millionen zum FC Chelsea, Kevin Volland wechselte für knapp 16 Millionen Euro zum AS Monaco und Trainer Nico Kovac. Beide waren jahrelang feste Größen und Stützen im Team. Mit Beginn des vierten Spieltages gelang es der Mannschaft aber, die Abgänge aufzufangen. Dann folgten Siege gegen Mainz 05, FC Augsburg, SC Freiburg und auch gegen Borussia Mönchengladbach. Am vergangenen Wochenende gegen Arminia Bielefeld konnte die Mannschaft ebenfalls drei Punkte einfahren.

Foto: IMAGO

Dennoch sieht Friederike auch Grund für Kritik: „Unser Tabellenplatz stimmt gar nicht mal so mit den Leistungen überein“, sagt sie. Am letzten Spieltag gegen Bielefeld habe die Mannschaft laut ihr eher schwach gespielt. „Aber der Gegner halt noch schwächer“, weshalb Aleksander Dragovic in der 88. Spielminute noch der 1:2 Siegtreffer gelang.

Leverkusen scheint die Pflichtaufgaben zu meistern, während die Mannschaft – mit Ausnahme des Sieges gegen Gladbach – gegen spielstärkere Teams wie Wolfsburg, Leipzig und diese Saison auch Stuttgart ihre Schwierigkeiten hat. Und hier kann Hertha ansetzen. Denn wenn die Berliner diese Saison eines können, dann ist es Offensive.

Die Leverkusener Mannschaft im Detail

Doch wenn Hertha ein ähnliches Defensivverhalten wie gegen Dortmund präsentiert, kann es für die Berliner auch schnell zu einem Debakel werden. Denn Leverkusen ist seit jeher als offensiv spielstarke Mannschaft bekannt. Sie spielen One-Touch-Fußball, oft mit schnellen Spielern auf den Außen. Auch die Abgänge von Kai Havertz und Kevin Volland scheinen vergessen zu sein.

„Wir waren alle skeptisch, wer die Lücken füllen soll“, sagt Friederike. Doch mit der Transferpolitik ist sie zufrieden. Auch wenn nicht viele neue Spieler hinzukamen. Denn „die Dagebliebenen machen es gut“, sagt sie. Als Beispiel nennt sie Moussa Diaby, der sich auf der linken offensiven Außenbahn „die Hacken wund läuft“ und die wiedergewonnene Spielfreude von Leon Bailey. Zusammengezählt haben beide diese Bundesligasaison nach acht Spieltagen drei Tore und vier Vorlagen erzielt.

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Hinzu kommt Lucas Alario – mit sieben Treffern steht er auf dem vierten Platz der Torschützenliste. Und nach überstandener Verletzung steht nun auch wieder Stürmer Patrik Schick zur Verfügung. Auch wenn man im Leverkusener-Trikot noch nicht viel von ihm sehen konnte, „scheint er sehr gut zu uns zu passen“, sagt Friederike. „Er ist ein toller Typ Stürmer – torgefährlich und immer präsent“, sagt sie. Der Tscheche ist diese Saison ihr Lieblingstransfer gewesen.

Als „Glücksgriff“ bezeichnet sie Innenverteidiger Edmond Tapsoba, der gegen Bielefeld wegen eines positiven Corona-Tests jedoch ausfiel. Zuvor stand er in jedem Bundesligaspiel in der Startelf. Ebenso wichtig für das Team sei Florian Wirtz. „Er wird uns noch viel Freude bereiten“, sagt Friederike. Hier scheinen Parallelen zu Hertha zu sein – wenn aus Berliner Sicht auch eher negative.

Während es den Berlinern bisher nur mäßig gelungen ist, die Abgänge mit neuen Stützen im Team wettzumachen, scheint das in Leverkusen bereits gelungen. „Trainer Peter Bosz hat eine klare Spielidee, da sieht man wenig Experimente und das scheint bei den Spielern gut anzukommen“, sagt sie.

Matchplan: Ein offensives Feuerwerk

Beide Mannschaften haben ihre Stärken in der Offensive. Hier hat Hertha nach der Verletzung von John Córdoba einen Nachteil. Denn Krzysztof Piatek muss weiterhin erst ins Spiel eingebunden werden. „Und auch er muss sich mehr einbinden“, wie Bruno Labbadia nach dem Spiel gegen Dortmund analysierte. „Beide Seiten müssen aufeinander zugehen“, sagte er.

Matheus Cunha hingegen bleibt in dieser Saison weiterhin heiß gelaufen. Auf ihm baut das offensive Spiel der Hertha auf. Abzuwarten bleibt, ob Dodi Lukebakio die Bank droht. Die Kritik des Trainers an dem abwehrmüden Stürmer hört nicht auf. Jesse Ngankam könnte ihn ersetzen, auch Javairo Dilrosun stünde bereit.

Foto: IMAGO

Über die Leverkusener Offensive muss man sich auch in dieser Saison Sorgen machen. 16 Treffer hat die Werkself bereits erzielt – einer mehr als Hertha. Zu erwarten ist ein schnelles, offensiv geprägtes Spiel beider Mannschaften. Hertha braucht nach dem enttäuschendem Spiel gegen Dortmund einen Befreiungsschlag. Gegen Augsburg gelang das. Die Mannschaft muss sich ebenso trotzig zeigen.

Für den neutralen Fußballfan könnte es sich lohnen einzuschalten. Aus blau-weißer Sicht: Hoffentlich bleibt die Defensive gegen die schnellen Pässe und Laufwege der Leverkusener dicht. Das glaubt Friederike jedoch nicht – ihre Prognose: „Sorry, aber 3:2 für Leverkusen.”

[Titelbild: IMAGO]

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Steve Reutter

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