Hertha BSC – 1. FC Köln: Rückrundenauftakt im Zeichen von Corona

von | Jan 7, 2022 | Bundesliga, Hertha BSC, Vorbericht | 0 Kommentare

Besser hätte der Jahresabschluss nicht laufen können. Der 3:2-Sieg gegen die Borussia aus Dortmund bescherte den Fans von Hertha BSC ein besinnliches Weihnachtsfest und ließ über die Winterpause Ruhe im Verein einkehren. Doch der durch Corona zusammengestauchte Spielplan lässt keine langen Ruhezeiten für Spieler und Fans zu, bereits am Sonntag startet Rückrunde der Bundesliga. Das Hinspiel gegen Köln fing gut an, doch bereits nach 30 Minuten brach die Mannschaft ein und lieferte den ersten von einigen Offenbarungseiden in dieser Saison. Die Hoffnung auf ein besseres Rückspiel ist seit den Auftritten unter Trainer Tayfun Korkut (47) durchaus da, doch Corona-Ausfälle dezimieren die Mannschaft. Unser Blick auf die Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln.

Corona-Fälle und Verletzungen – der ausgedünnte Kader gegen Köln

Mit Dedryck Boyata (31), Deyovaisio Zeefuik (23), Fredrik Bjørkan (23), Lucas Tousart (24), Santiago Ascacibar (24), Linus Gechter (17) und Ishak Belfodil (29) gab es eine ganze Reihe von Spielern, die in den vergangenen Tagen positiv auf das Coronavirus getestet worden sind. Und auch wenn glücklicherweise laut Fredi Bobic nur zwei der Genannten Symptome zeigen, wird es höchstwahrscheinlich keiner von ihnen schaffen, am Sonntag mit von der Partie zu sein. Boyata, Zeefuik und Bjørkan durften die Isolation allesamt verlassen, werden bis Sonntag aber nicht spielfit sein. Bei Ascacibar und Tousart besteht bis zum Köln-Spiel ebenfalls noch die Chance sich freizutesten, doch auch beim Sechser-Duo sieht es eher eng aus.

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(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Manager Bobic hat liefert eine gute Erklärung, warum ausgerechnet bei den Blau-Weißen so viele Corona-Fälle auftauchen: „Man muss eigentlich nicht testen, aber am Anfang hat man natürlich getestet. Normalerweise müssten wir nur Spieler testen, die ungeimpft sind.“ In der Mannschaft ist das laut seiner Aussage lediglich eine Person. Das Problem sei, wenn man einmal einen Fall habe, werde man vom Gesundheitsamt aufgefordert täglich zu testen. Diese Regelung ist gesundheitlich natürlich äußerst sinnvoll und führt dazu, dass wirklich jeder Corona-Fall innerhalb der Mannschaft und des Vereins entdeckt wird. Dass es Vereine gibt, die offiziell keinen einzigen Corona-Fall haben, kann Bobic derweil eigentlich kaum glauben.

Mit Blick auf den eigenen Verein sollen die Corona-Fälle jedoch nicht als Ausrede genutzt werden. Man müsse auf das Positive schauen und enger zusammenrücken. Formulierungen, die zwar zeigen was gemeint ist, im aktuellen Zusammenhang jedoch zumindest unglücklich gewählt sind. Auf die Nachfrage, ob die Rückkehr in „Blasen“ die Infizierungen verhindern könnten, hat der Geschäftsführer Sport eine klare Antwort: „Das können Sie nicht verhindern. Klar könntest du die Spieler ins Hotel einschließen, aber das bringt doch nichts. Am Ende des Tages wirst du es nie 100 Prozent verhindern können, und wenn es einmal drin ist dann geht’s einmal rum“.

Lichtblicke bei den Spielern, die verfügbar sind

Trainer Korkut befolgte die Aufforderung von Fredi Bobic umgehend und gab sich während der Pressekonferenz betont positiv. Man müsse halt sehr flexibel sein und sich auf Ausfälle durch Krankheiten, Verletzungen oder auch Transfers einstellen. Dafür wurden unter anderem Spieler aus der Jugend hochgeschoben. Es dürfe und werde keine Rolle spielen, welche Spieler schlussendlich zur Verfügung stehen werden, man habe genug Spieler auf dem Platz, die ihre bestmögliche Leistung abrufen werden.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Dass zumindest einige Stützen der Mannschaft zur Verfügung stehen, dürfte Korkut deutlich freuen. Um Rechtsverteidiger Peter Pekarik beispielsweise kursierten Gerüchte, dass er ebenfalls nicht zur Verfügung stehen würde. Dem erwiderte der Trainer mit einem Lächeln auf dem Gesicht: „Dem geht’s gut, wir sind uns sehr sicher, dass der spielen kann“. Pressesprecher Max Jung schob direkt hinterher, nicht alles was durch das Internet schwirre, sei wahr.

Und auch, dass Marco Richter spielen kann, dürfte für einige Erleichterung sorgen. „Die Stärke von Marco ist seine Unberechenbarkeit“, führt Korkut aus. Der Rechtsaußen steuerte in den letzten fünf Siegen von Hertha fünf Scorerpunkte bei und ist damit einer der Aushängeschilder des relativ guten Abschlusses der Hinrunde. Jordan Torunarigha (24) solle ebenfalls so weitermachen, wie er es im letzten Spiel (gegen Dortmund) gemacht habe.

Keine Systemumstellung trotz der Ausfälle

Wer am Ende auf dem Platz steht, wird der Übungsleiter dennoch erst relativ spät entscheiden. Dass beim Spiel gegen die Domstädter am Sonntag jedoch zwei Stürmer auf dem Platz stehen werden, stehe mehr oder weniger fest. Korkut sagt dazu: „Das wollen wir, da wird sich an der Grundordnung nicht sonderlich viel ändern“.

Eine der absoluten Stärken des kommenden Gegners ist das Erzielen von Toren durch Flanken. Zielstürmer Anthony Modeste (33) erzielte bereits elf Tore in der Hinrunde steht damit auf Platz vier der Torschützenliste in der Bundesliga. Und der Trainer gibt zu: „Klar ist das auch Thema“. Aber was viel mehr Thema sei die Frage: „Was machen wir?“ Es zeigt sich erneut die Stärke des gebürtigen Stuttgarters: Der Fokus auf das eigene und aktive Spiel. Dass gerade die Flügelverteidiger wachsam sein sollten, ist dennoch unbestritten. Die Hoffnung besteht darin, dass die Mannschaft aus dem Hinspiel gelernt hat, am ersten Spieltag kassierte man alle drei Gegentore nach Hereingaben von der Seite.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Und auch eine andere Stärke der Gastgeber trifft auf eine Schwäche der Gäste aus Berlin: Das Erzielen bzw. Kassieren von späten Gegentoren. Während Hertha schon acht Gegentore in der Schlussviertelstunde hinnehmen mussten, schoss Köln zehn eigene Tore in dieser Phase des Spiels. Korkut mahnt daher: „Bis zur letzten Sekunde müssen wir sehr fokussiert, sehr aufmerksam und auch in jeder Aktion konzentriert sein, das wird wichtig sein“. Der absolute Fokus sei es, das eigene Spiel auf den Platz zu bringen. Es wird sich zeigen, ob Hertha das bis zur letzten Sekunde wird durchhalten können.

Der Piatek-Wechsel und die Erwartung für die Rückrunde

Eins der größeren Themen diese Woche ist der Abgang von Krzysztof Piatek zur AC Florenz. Bobic bestätigt dies auf der Presskonferenz mehr oder weniger: „Sie haben ja schon die Fotos gesehen, dass er in Florenz ist, er ist sicher nicht da um Pizza zu essen“. Noch seien die Verträge aber nicht final unterschrieben, sobald dies passiert ist, werde man es auch offiziell vermelden. Die Verpflichtung eines neuen Stürmers ist derweil nicht geplant. Das Handy klingele trotzdem viel, laut Bobic sei man auf einem ordentlichen Weg.

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(Photo by SOEREN STACHE/POOL/AFP via Getty Images)

Hertha-Fans können also wahrscheinlich noch mit der einen oder anderen Verstärkung im Winter rechnen.
Mit Blick auf die Erwartungen in der Rückrunde hält sich der Manager zurück: „Sollen wir über die ganze Rückrunde reden? Wir wissen doch gar nicht was kommt. Wir fangen jetzt erstmal unter den gegebenen Voraussetzungen an.“

Cheftrainer Korkut lässt dennoch durchblicken: „Die Mannschaft gibt mir das Gefühl, dass sie dranbleiben will und dass jeder seinen Beitrag dazu geben will, dass es in der Rückrunde erfolgreich läuft“. Ob die Spieler diese Einstellung auf den Platz bringen können wird sich dann am Sonntag zeigen.

Eine mögliche Aufstellung für das Spiel:

Es fehlen: Rune Jarstein, Dedryck Boyata, Fredrik Bjørkan, Stevan Jovetic, Deyovaisio Zeefuik, Ishak Belfodil, Linus Gechter sowie voraussichtlich Santiago Ascacibar und Lucas Tousart.
Das Spiel ist am Sonntag um 15:30 live auf DAZN zu sehen.

(Photo by UWE KRAFT/AFP via Getty Images)

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Benedict Puls

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